Am Samstag, dem 25.10.1997 kam es in St.Johann in Tirol zu folgendem Unfall:
Ein Tandempassagier-Interessent wollte die Wartezeit bis zu seinem Sprung - ca. 1 1/2 Stunden - durch einen Einweisungsflug mit der Pink überbrücken. Er bekam einen Platz in der Load Nr.11 und wurde von Silvia angewiesen, dann das Flugzeug von hinten mit den Springern zu besteigen und am Copilotensitz Platz zu nehmen. Unmittelbar bevor die Skyvan zu den Springern rollte und mit dem Schwanz zu diesen anhielt, sagte ihm Thomas noch einmal: "Das ist Dein Flugzeug, steig mit den Springern ein, setze Dich auf den Co-Sitz. Nach dem Aussteigen bleib hinter dem Flugzeug." Das Flugzeug hielt an, er ging mit den Springern Richtung Heckrampe, scherte kurz davor aus und ging zur rechten vorderen Türe. Der rechte Propeller zertrümmerte seinen Schädel. Der Rettungshubschrauber war 3 Minuten nach dem Unfall da. Der Verletzte wurde in die Klinik nach Innsbruck geflogen. Montag vormittags erlag er seinen Verletzungen.
Der rechte Propeller wurde so beschädigt, daß er nicht mehr reparierbar ist. Nach
einer Triebwerksinspektion zeigte sich, daß das Triebwerk weiter verwendet werden kann.
Der Prop wurde ausgetauscht, der Flieger nach Vöslau für den nächsten Boogie
überstellt. Die Lehre aus der Geschichte: Nichts ist unmöglich, man kann nicht genug
tun, um Personen auf einem Flugplatz von Propellern fernzuhalten.
Thomas Lewetz
Gedanken über einen Unfall
Immer wenns am schönsten ist, überrascht uns das Unglaubliche in Form eines Unfalls. So auch neulich wieder, als einige von uns ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgingen, dem Verlassen eines intakten Luftfahrzeugs in 4000 Meter über Grund, unter brachialer Ausnutzung aller ihrer Glücksgefühle. Durch die Unachtsamkeit eines Passagiers ist dieser leider verunglückt, indem er in den laufenden Propeller der Pink Skyvan lief. In unserer Newsgroup "de.rec.sport.fallschirm" wurde auch prompt eine Diskussion über den möglichen Verlauf dieses Desasters, als auch die übliche Be- oder Verurteilung losgetreten.
Wie es der Bremer Springer Dieter Leinfelder schon in einem Artikel der Meißendorfer "Meido-News #1" beschrieb und früher auch in diese Newsgruppe postete, kann nur der Gebrauch des eigenen Verstandes in unserem Sport Grundlage eines sicheren Betriebs sein. Dem möchte ich mich direkt anschließen.
Wie jeder von uns weiß, sind Brain-locks beim Sprung die häufigste Ursache für verpaßten Erfolg oder sogar für Unfälle. Darüber hinaus kommen noch die durch Leichtsinn (Unsinn paßt in diesem Zusammenhang besser) hervorgerufenen Vorfälle hinzu.
Nun ist unser Gehirn in seinen Grundfunktionen immer noch archaisch beeinflußt, auch wenn wir dieses gerne unterdrücken wollen. Der Hirnstamm, die Hirnanhangsdrüse und das Kleinhirn sind die lebenswichtigen Teile des Gehirns, nicht das Großhirn! Bei Streß durch Anspannung, Angst, auch Vorfreude, wird das Hormon Adrenalin ausgeschüttet, welches Denkvorgänge massiv beeinflußt. Die Wirkung ist ähnlich effektiv der einer halluzinogenen Droge. Wir können uns ihr nicht entziehen. In unserer Stammesgeschichte (der des Menschen und noch davor) machte dies auch einen Sinn. Wurden unsere Vorfahren von Tieren angegriffen, reagierten sie mit einem Fluchtreflex, ohne lang und breit darüber nachzudenken, wohin und wie sie fliehen könnten. Diejenigen, die sich im Vorfeld darüber Gedanken machten, konnten dieses erdachte Programm im Gehirn sofort abrufen und in richtige Handlungen umsetzen. Diejenigen aber, die erst in der für sie gefährlichen Situation sich über nötige Handlungen Gedanken machten, sind aus heutiger Sicht eben nicht unsere Vorfahren. Sie kamen einfach um.
Also macht das Hormon Adrenalin als Steuerungshormon für Denkvorgänge Sinn. Dieser Zusammenhang ist leider, trotz vieler wissenschaftlicher Erkenntnisse, vielen scheinbar noch nicht bewußt. Das Verhalten in einer gefährlichen Umgebung sollte uns sonst klarer sein. Viele Unfälle, wie der de(s/r) Springer(s/in), welche(r) mit gezogenem hand-deploy einschlägt, sind so eindeutig medizinisch, physiologisch zu erklären.
Auch der aktuelle Pink-Vorfall ist - leider - zu erklären. Selbst wenn der Passagier Segelflieger ist, ist es in der Hektik des Sprungbetriebs mit einer großen Maschine wie der Skyvan möglich, daß eben dieser nicht seine ganze Aufmerksamkeit auf die für ihn neue Umgebung richtet, sondern in Gedanken nur auf das Ziel Mitfliegen auf dem Co vorne rechts, und wie komme er auf schnellstem Wege dorthin, richtet. Dabei ist ein für unser Auge unsichtbarer schnell drehender Prop kein warnendes Hindernis und wird leicht übersehen.
Aus diesem Grund, im Wissen der Unzulänglichkeiten unseres Gehirns, richtet sich auch unsere Ausbildung auf das mögliche Vorabschätzen von uns und anderen gefährdenden Vorfällen. In der Ausbildung wird der Bereich "Verhalten bei Störungen" trainiert, immer wieder sieht man Springer(innen), wie er/sie noch beim Steigflug das Abtrennen der Hauptkappe und Aktivieren der Reserve trainieren oder durchspielen. Bewußt oder unbewußt verschaffen diese sich die Sicherheit, im wahrscheinlichsten Störungsfall, die richtige Reaktion zu automatisieren, die zur Lösung von Problemen führt. Leider trifft dies häufig nur für eben diesen Vorgang zu. Alle anderen gefährlichen Situationen sind - von DZ zu DZ verschieden - in einer Liste von Vorschriften geregelt. Diese Regelung wiegt uns dann in der vermeintlichen Sicherheit, daß uns schon nichts passieren wird. Vermeintlich deshalb, weil eben doch immer noch zu viel passiert, da die Beteiligten nicht konzentriert bei der Sache waren. Wir können und müssen damit aber rechnen.
Bei Personen, die neu in unserem Umfeld einer DZ sind, ist von einer Trainingssituation nicht auszugehen. Geschweige denn von ihrem Wissen um die gefährlichen Aspekte beim Betrieb auf einer DZ. Sie müssen besonderen Regularien unterworfen werden, da man nicht annehmen kann, daß sie für einen einmaligen Event intensive Trainingsvorbereitungen treffen werden. Leider wird uns an dieser Stelle aber auch immer wieder bewußt, wie schwierig es ist, alle möglichen Reaktionen zu berücksichtigen. Siehe Pink-Unfall. Doch was in unseren Möglichkeiten liegt, sollten wir nutzen. In diesem Fall gilt das "USE YOUR BRAIN" für uns, die sich an einer DZ auskennen. "USE MORE BRAIN" kann man ad acta legen, da "USE YOUR BRAIN" schon das gesamte vorhandene Hirn umfaßt. Mehr haben wir halt nicht. Aber was wir haben, sollten wir so effektiv wie möglich nutzen.
Was folgt hieraus? Wie läßt sich das eigentlich bekannte Wissen über unsere Denkwelt für uns so optimal wie möglich umsetzen?
RS