What you don't know, can hurt you!

Unfallberichte

Die Berichte in dieser Kolumne kommen aus verschiedenen Quellen und sollen in erster Linie der Unfallverhütung und Fortbildung der Fallschirmspringer dienen. Viele davon werden vom USPA Safety & Training Committee Informationen aus der Praxis gesammelt, sie sind die genauesten Unfallberichte, die zu erhalten sind. Sie werden in der Zeitschrift "Parachutist" wegen ihres erzieherischen Wertes und der Möglichkeit, aus anderer Fehler zu lernen, abgedruckt. Das ist auch der Grund der Übersetzung und Veröffentlichung in der Pink News



Alter: 45
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 1000
Zeit im Sport: 10 Jahre
Todesursache: Aufprall

Gurtzeug: Rigging Innovations Talon
Hauptkappe: Nicht erwähnt
Reserve: Nicht erwähnt
Öffnungsautomat: keiner
RSL: Ja

Beschreibung des Unfallherganges: Dieser Skydiver sprang mit einem neuen Gurtzeug, bei dem der Hilfsschirm am Boden des Containers (BOC) verstaut war. Außerden trug er eine extra große Kombi. Nach einem Absprung aus 14000 Fuß mit einer Gruppe separierten sie in 4000 Fuß. Niemand sah ihn mehr vor seinem Aufprall.

Schlußfolgerung: Vor dem Sprung bemerkte der Springer, daß er mit der Position für den Hilfsschirm nicht vertraut war. Darum wird vermutet, daß der Springer mit seiner übergroßen Kombi den Hilfsschirm an der ungewohnten Stelle nicht finden konnte.

Als man ihn fand, hatte er zwar abgetrennt, die Reserve aber nicht aktiviert. Die nachträgliche Untersuchung der Ausrüstung zeigte, daß sich der Hilfsschirm leicht aus seiner Verpackung lösen ließ. Vermutlich ist der Verunglückte in Panik geraten und hat an Stelle der Reserve den Trenngriff gezogen oder er kam nicht mehr dazu die Reserve zu öffnen.

Wenn ein Springer nicht den Hilfsschirm zum Öffnen der Hauptkappe findet, sollte er korrekterweise die Prozedur für ein Totalversagen ausführen. Durchstrecken, auf den Reservegriff schauen, ihn greifen und ziehen, nochmals Durchstrecken und prüfen, ob sich die Reserve entfaltet. Das Verschwenden von kostbarer Zeit bei dem Versuch einen Schirm abzutrennen, der nicht geöffnet wurde hat schon dutzenden Springern in all den Jahren das Leben gekostet. Den Trenngriff bei einem Totalversager zu ziehen hat noch niemanden gerettet. Ein Öffnungsautomat hätte wahrscheinlich diesen Todesfall verhindern können.


Alter: 53
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 2
Zeit im Sport: 30 Tage
Todesursache: Vermutlich Schlaganfall

Gurtzeug: SSK Sweethog
Hauptkappe: Glide Path Manta
Reserve Precision Raven 3
Öffnungsautomat: FXC 12000
RSL: ja

Beschreibung des Unfallherganges: Dieser Schüler absolvierte seinen Level 2 AFF-Übungssprung. Während des Freifalles signalisierte der AFF-Lehrer dem Schüler die Beine auszustrecken, dieser reagierte aber falsch, indem er die Beine noch mehr abbog.

Der Lehrer griff wieder den Arm des Schülers und gab ihm das Zeichen zum Öffnen des Schirmes. Als der Schüler nicht reagierte führte der hauptverantwortliche Lehrer die Hand des Schülers zum Griff und assistierte bei der Öffnung des Schirmes in 4.500 Fuß.

Der Student löste niemals die Steuerschlaufen und hing bewegungslos in seinem Gurtzeug bis zur Landung.

Schlußfolgerung: Die Untersuchungskommission kam zu dem Schluß, daß der Springer einen Herzanfall oder Herzschlag während des Sprunges erlitten hatte. Er erwähnte keine gesundheitlichen oder anderen Probleme auf seinem Registrierbogen und seiner Verzichtserklärung. Vor seinem ersten Sprung gab er als Beruf Mediziner an.

Die Entwicklungen in der Ausbildung und Ausrüstung haben die Tür zum Sport für viele Menschen geöffnet. Die allgemeine Akzeptanz als berechenbares Risiko kann zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen. Angehende Fallschirmspringer sollten sich bewußt sein, daß Menschen während eines Sprunges an einem Herzanfall sterben können und daß dies auch schon vorgekommen ist.

Früher kam plötzlicher Herztod etwas seltener vor, da sich die Springer an den Sport anders annäherten. Springer sollten ihre Gesundheit und Kondition berücksichtigen wenn sie älter werden, speziell wenn sie sich dem Streß der Ausbildung aussetzen.


Der Skysurf - Kameramann Vic Pappadato starb bei einer Kappenkollision kurz nach der Separation. Diese Information stammt von einem Springer derselben Load. Es ist der zur Zeit genaueste Bericht über diesen Vorfall. Die anderen Springer dieser Load sind namentlich bekannt.

Es war die erste Load des Tages und Vic filmte eine 8er Geburtstagsformation. Nach Abbruch der Formation (die abgesprochene Separationshöhe ist zur Zeit nicht bekannt) wurde nur kurz separiert. Bei der Öffnung waren die Fangleinen von Vic´s Schirm verdreht und er kollidierte mit einem zweiten Springer. Dieser war kurz bewußtlos, erholte sich aber rechtzeitig und landete. Er wurde ins Spital gebracht, die Schwere seiner Verletzungen ist noch nicht bekannt. Er erzählte, daß er Vic´s Öffnung kurz vor dem Zusammenstoß gesehen hatte.

Ein weiterer Springer dieser Load war ebenfalls Augenzeuge der Kollision. Er sah, wie Vic in starken Spiralen bis zu seinem Aufprall sank. Durch die Wucht des Aufpralls schlug es Vic´s Kamerahelm von seinem Kopf. Nicht bekannt ist, ob Vic durch den Zusammenstoß oder den Aufprall bei der Landung starb.

Vic hatte als Kameramann bereits eine Goldmedaille gewonnen. Er war der Kameramann des Skysurfers Troy Hartman, bis er dieses Jahr nach Las Vegas ging, um mit Sammy Popov ein neues Team zu gründen.


Alter: 34 Jahre
Geschlecht: weiblich
Sprunganzahlt: 232
Zeit im Sport: 9 Monate
Todesursache: Aufprall

Beschreibung des Unfallherganges: Der Unfall passierte zwischen zwei Springern unter geöffneter Kappe. Der erste Springer war ein Besucher aus Übersee, mit 50 Kilo und sprang einen 165 sqft. Fallschirm. Sie war auf einem diagonalen Landeanflug in eine hindernisfreie Landezone. Ein anderer Springer war auch im diagonalen Landeanflug von der anderen Seite auf selber Höhe, und beide haben sich nicht gesehen.

In ca. 80 - 100 m kollidierten die beiden. Die Fallschirme verwickelten sich und sie hatten keine Chance sich zu lösen, vor der Landung.

Der erste Spriner starb am Unfallort, der zweite wurde mit einem Hubschrauber in das nächste Krankenhaus geflogen. Man geht davon aus, daß er keine bleibenden Schäden davonträgt.

Schlußfolgerungen: Der Unfall ereignete sich ma späten Nachmittag als die Sonne schon sehr tief stand. Augenzeugen berichten, daß beide Springer von der Sonne geblendet waren, und sich nicht sehen konnten.
Mit der Sonne direkt hinter dir, ist der Gegenverkehr geblendet. Piloten wissen, daß man besonders vorsichtig sein muß, wennVerkehr aus der Sonne kommt.

Mit der enormen Geschwindigkeit, der heute erhältlichen Fallschirme und der Benützung großer Absetzflugzeuge muß jeder Springer seine Wachsamkeit am Schirm verbessern. Was an Plätzen mit kleinen Absetzb´flugzeugen ausreicht, genügt meist nicht auf Sprungplätzen mit großen Absetzflugzeugen. Die Springer müssen ab der Schirmöffung bis zum sicheren Erreichen des Packplatzes auf andere Schirme achten.

System: Vector 2
Hauprkappe: Para-Flite Turbo ZX 165
Reserve: keine Angaben
Öffnungsautomat: Airtec Cypres
RSL: keine Angaben


Alter: 47
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 671
Zeit im Sport: 2 1/2 Jahre
Todesursache: Aufprall

Beschreibung des Unfallherganges: Der Springer, der bei diesem Unfall starb, sprang einen Schirm, der laut S&TA-Bericht für maximal 0,7 Kilo pro sqft. Flächenbelastung geeignet ist. Er initiierte meherer harte Drehungen in ungefähr 100 und 150 Meter über dem Rollweg. Der Springer prallte nach 3 oder 4 Spiralendrehungen am Boden auf.

Schlußfolgerungen: Der Springer initiierte so schnelle Drehungen, daß der Schirm schneller drehte, als er folgen konnte. Die daraus resultierende Fangleinenverdrehung bewirkte eine unkontrollierte steile Drehung. Eine Steuerleine wurde vollkomen heruntergezogen gefunden, während die andere vollkommen oben war. Der Springer wußte entweder nicht wie man aus dem Spiralisieren herauskommt oder hatte keine Zeit mehr zu reagieren. Er war zu tief, um abzutrennen und die Reserve zu benützen.

Der Hersteller empfiehlt eine maximale Flächenbelastung von 0,55 Kilo pro sqft. für dieses Fallschirmmodell. Das bedeutet, daß der Fallschirm des Springers die Eigenschaften einer um 20% überlasteten Kappe aufwies.
Wenn er diese Manöver in einer größeren Höhe gemacht hätte, wäre die Möglichkeit eines Kappenabwurfes gegeben gewesen. Das heißt, daß solche radikalen Drehungen in niedriger Höhe sehr gefährlich sind.

Hochleistungskappen verbunden mit einer Flächenbelastung, die höher als die vom Hersteller empfohlene ist, läßt wenig Spielraum zum Korrigieren von Fehlern.
Viele derzeitige Fallschirmmodelle - selbst wenn ordnungsgemäß belastet -  können an ihre Sicherheitsgrenzen gebracht werden. Jede Springerin und jeder Springer sollte wissen, wie schnell sein/ihr Fallschirm drehen kann, um nicht in die Lage zu kommen, daß sich der Schirm selbst wieder eindreht. Springer sollten solche Experiment hoch genug machen, um genügend Zeit und Höhe zum Abtrennen und für  eine Reserveöffnung zu haben.

System: Reflex
Hauptkappe: Aero Glide Griffin 120
Reserve: Flight Concepts Firelite
AAD: Airtec Cypres
RSL:keine Angaben


Alter: 42
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 1.200
Zeit im Sport: 16 Jahre
Todesursache: Aufprall aufgrund niedriger Drehung

Beschreibung des Unfallherganges: Bei seinem dritten Sprung an diesem Tag, macht der Springer eine 90° - 110° Drehung in ca. 15 - 20 Metern über dem Grund. Bei Bodenberührung des Fallschirmes wurde der Springer getötet. Die Landezone war hindernisfrei und frei von anderen Springern oder Beobachtern.

Schlußfolgerungen: Der Springer wurde als sicherer und konservativer Mensch beschrieben, der nicht zu risikoreichen Manövern am Schirm tendierte. Er wog 80 Kg ohne Gurtzeug und sprang einen Fallschirm, der zu seinem Gewicht paßte. Vereinfacht ausgedrückt erfolgte der Fehler in einer nicht ausreichenden Höhe, um den Fallschirm in eine gerade Position zu bringen, bevor er den Boden erreichte.

System: Jump Shack Racer
Hauptkappe: Glide Path Firelite 177
Reserve: keine Angaben
AAD: keines
RSL: keine


Alter: 53
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 6.500
Zeit im Sport: 30 Jahre
Todesursache: Aufprall

Beschreibung des Unfallherganges: In diesem Unfall waren zwei Springer verwickelt, im letzten Lift des Tages in einer 5er Freifall Formation. Der erste Springer verstaute seinen Slider und öffnete seine Bremsen, als er mit einem anderen Springer kollidierte. Die Fallschirme verwickelten sich.

Auf das Kommando des ersten Springers trennte der andere Springer, der unterhalb hing, ab und öffnete seine Reserve. Zunächst hatte der erste Springer eine gut geöffnete Kappe, auch dann als er in die abgetrennte Kappe des zweiten Springers verwickelt war. Augenzeugen berichteten, daß sich der Schirm immer schneller zu drehen begann. Der Springer entschied sich seine Reserve zu öffnen, ohne vorher abzutrennen, und sie verwickelte sich mit den beiden anderen Fallschirmen.

Schlußfolgerungen: Die Fallschirmkollision ereignete sich kurz nach der Öffnung. Verschiedene Zeugen am Boden und genauso Fallschirmspringer in der Luft sahen, während der zweite Springer unter dem ersten hing, daß die Kappe des ersten Springers gut aussah. Sobald der zweite Springer abtrennte, begann der abgetrennte Fallschirm sich am ersten Springer hoch zu arbeiten und verwickelte sich in dessen Leinen. Daraus resultierend begann der Schirm mit schnellen Abwärtsdrehungen.

Es wird darüber spekuliert, ob die beiden Springer mit der sehr großen geöffneten Hauptkappe des ersten Springers sicher hätten landen können. Aber das wird wohl immer im Bereich des "was ist wenn" bleiben.

Dieser Unfall hätte möglicherweise vermieden werden können, wenn die Springer vor dem Öffnen der Hauptkappen den Luftraum um sich kontrolliert hätten. Jeder Springer sollte, bevor er den Slider verstaut, seine Booties und Lederkappe auszieht, seine Beingurte lockert und anderen Nebensächlichkeiten Aufmerksamkeit schenkt, den Luftraum um sich kontrollieren, ob er frei ist.

System: Altico Dolphin
Hauptkappe: PD 280
Reserve: PISA Tempo 250
AAD: keines
RSL: ja


Alter: 42
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 228
Zeit im Sport: 5 Jahre
Todesursache: Aufprall

Beschreibung des Unfallherganges: Eine Zweier-Freifall Formation mit normalen Verlauf bis zur Öffnungshöhe von 1.200 Meter. Ein Springer öffnete wie geplant und beobachtete den zweiten, welcher bis zum Aufprall Probleme mit seiner Ausrüstung hatte.

Schlußfolgerungen: Der getötete Springer erreichte den Sprungplatz während eines "stand-by" für unerfahrene Springer wegen zu hohem Wind. Eine Gruppe erfahrener Springer vom Personal und ein Tandem waren in der vorhergehenden Load.

Er und seine Gruppe bestiegen das Flugzeug nach der Landung. Während der Manifestangestellte dem Tandem bei der Landung behilflich war, nahm der Springer ein gemietetes Rigg, legte es an und bestieg das Flugzeug.
Das Handdeploy des gemieteten Gurtzeugs befand sich am Containerboden, aber der Springer war Berichten zufolge gewohnt, es am Beingurt zu haben.

Untersuchungen nach dem unfall zeigten, daß der Springer das Cutaway-Kissen gezogen hat, aber alle anderen Griffe an ihrem Platz waren. Das System war mit einem Öffnungsautomaten ausgerüstet, aber nicht eingeschaltet. In seiner Eile das Flugzeug zu besteigen, machte der Springer keinen Gurtzeugcheck.

Weitere Untersuchungen ergaben, daß er aus dem Ausland kam und seit über vier Monaten gesprungen ist. Er erzählte aber gegenteiliges am Sprungplatz.
Genauso unwissend wie er mit dem Gurtzeug war, daß er sich nahm, bekam er auch keine Einweisung in Bezug auf das Öffungssystem und den Öffnungsautomat. Die tödliche Kombination beinhaltete eine geringe Sprungzahl in unregelmäßigen Abständen für seine Zeit im Sport, und schlechte Vorbereitung. Unvorsichtigkeit brachte ihn um.

Dieser Unfall zeigt uns genauso, wie einfach ein Springer die Sprungplatzorganisation umgehen kann, die eigentlich bemüht ist, Springer vor Selbstüberschätzung zu bewahren.


Pink und Ballon Home * e-mail an office@pink.at

bot="Script" endspan i-checksum="60570" bot="Script" endspan i-checksum="30872" bot="Script" endspan i-checksum="1338" bot="Script" endspan i-checksum="31932" bot="Script" endspan i-checksum="3342" bot="Script" endspan i-checksum="37552"