Tagebuch Tozeur Boogie 2006-02-21
Anflugtag:
Ein wenig verschlafen aber hochmotiviert werden in Klatovy die letzten Taschen, Kisten und Gears in die Pink geschlichtet. Alle warm angezogen und mit reichlich Bordproviant versorgt heben wir zu Elft 20 Minuten nach 8 in Richtung Sonne ab.
Obwohl das Boardservice zu wünschen übrig lässt (Peter und Thomas als Stewardess !?!), ist der Flug weitaus bequemer und komfortabler als der Linienflug. (Photo aus der Pink - Wuzi und Martin mit Notebook)
Starker Gegenwind zwingt Philip und Skip nicht nur in Rom, sondern auch einen kurzen Tankaufenthalt in Tunis abzuhalten. Zumindest behaupten das unsere Piloten. Nachdem Wuzi kurz vor der italienischen Hauptstadt seinen Magen entleert und ein ganzes Sackerl gefüllt hat, wir den zwei Orientierungs-Genies am Steuer-Horn erklärt haben, dass der kürzeste Weg von A nach B eine Linie und kein Zick-Zack-Kurs ist, kommen wir schließlich nach über 8 Stunden Flug bestens gelaunt zum Sonnenuntergang am grün-blühenden Flughafen in Tozeur an.
Auch das Hotel scheint keine sichtbaren Erneuerungen vorzuweisen. Sogar der obligatorische Begrüßungs-Saft ist wie jedes Jahr viel zu süß. Schnell ist die Zimmereinteilung gefällt und nach wenigen Minuten finden sich alle geselig bei der Bar ein und bestellen die ersten Runden Bier. Das Abendessen und viele Flaschen später befindet sich jeder in seinem Betterl mit freudiger Erwartung auf den nächsten Tag … äh die nächsten Stunden.
Tag 1:
Der Wecker läutet … oh mein Gott, das darf doch nicht wahr sein. Wir sind doch gerade erst eingeschlafen !?! Wie auch immer, alle treffen sich mehr oder weniger ausgeschlafen beim Frühstück. Die „Nomaden“ unser Hotel-Flughafen-Taxi kommt wider Erwarten pünktlich und fährt die Ersten Richtung Pink. Die zweite Gruppe organisiert noch schnell das große Zelt und kauft für den Aufbau einen Hammer, der recht bald sein zeitliches segnen soll.
Die Mühlen mahlen langsam in Tunesien, aber wie Wuzi ganz richtig sagt:“ Was soll´s, wir haben ja keinen Stress … „ und so warten wir gemütlich bis alle Formalitäten mit dem Flughafenpersonal abgeschlossen sind und wir ganz offiziell unser Sprungareal betreten dürfen. Jetzt geht´s an den Aufbau. Dank Peters Schlagkraft steht keine 30 Minuten später das große Packzelt, Skip füllt diverse Wasserlöcher mit Sand, Regina checkt die ersten Gears und Thomas liegt mit Philip bereits gemütlich in der Hängematte. Das Wetter ist ein wenig windig, aber mehr als sonnig mit strahlend blauem Himmel. Der Entschluss fasst ein Monat später zu fliegen war wohl eine mehr als weise Entscheidung, wenn man an die kalten Sandstürme des letzten Jahres zurückdenkt.
Nachdem alles verstaut und wetterfest gemacht ist, geht es zurück Richtung Hotel-Pool. Gemeinsam sitzen wir in der Sonne, plaudern, haben Spass und kommen auf jede Menge blöder Ideen.
Eine davon setzt Wuzi und Martin gleich in die Tat um. Sie machen sich auf den Weg in die Stadt zu einem einheimischen Friseur und lassen sich die aktuell Tunesische Trend-Frisur schneiden. Niko mein zärtlicher Zimmerkollege, will es dann genau wissen und legt sich buchstäblich unters Messer. Unsere zwei Freefly-Pros schauen mittlereweile aus wie die Mitglieder der legendären Max Rabe Truppe und Niko verlässt den sympathischen Laden mit Wangen wie ein frisch geölter Baby-PoPo.
Im Hotel nimmt dann alles wieder seinen gewohnten Lauf. Nach dem wirklich guten Abendessen, sitzt alles gemütlich bei der Bar und hantiert abwechselnd mit einem Rotweinglas und dem Billard-Kö. By the way – Niko und ich (Tricky) sind eindeutig zweitdeutig Room-Pool-Champions. Für alle die noch kommen: Zi. 226 wartet auf Herausforderungen. Mittlererweile ist es 0.12 uhr und wir sitzen nur noch zu Fünft am Tisch. Bei dem Gedanken, dass bald wieder dieser rücksichtsloser Weckerton mich aus den Träumen reisst, höre ich auf zu schreiben und freu mich schon, wenn ich euch morgen von den ersten Sprüngen über Wüstensand berichten kann …
PS: ich bekomme gerade eine Rüge, dass ich keine Skandale erwähnt habe … welche Skandale !?! Aber so wie Peter gerade sich gerade aufführt, kann ich euch morgen lustige Geschichten schreiben und Photos zeigen …

Tag 2:
Um das alltägliche abzukürzen:
Wecker wird gegen die Wand geworfen, duschen, frühstücken und mit dem Nomaden Richtung Flughafen.
Trotz ziemlich starken Windes steht unser Packzelt noch und freudig machen sich alle für den ersten Sprung bereit. Mit neuen Kombis wird geprotzt, die Kameras werden einjustiert und die Höhenmesser auf 0 gestellt.
Da gehen wir nun, wir Helden der Lüfte … zumindestens bis zum Flieger, denn spätestens da stellen wir fest, dass sicherheitshalber jeder ein bissi höher öffnen möchte. Der eine hat einen neuen Schirm, der Andere neue Leinen und der Nächste ist schon so lange nicht mehr gesprungen. Wie auch immer, schnell sind Kleinformationen gefunden, egal ob auf Bauch oder dem Kopf. Ui, ist das ein geiles Gefühl endlich wieder im freien Fall jede Menge Spass mit ein paar „Wahnsinnigen“ zu haben. Weniger spaßig ist die Landung. Der Wind hat zugenommen und auch die kleinsten Schirme machen kaum Vorwärtsfahrt.
Doch das schreckt keinen von uns ab und so packen wir hurtig und flanieren wieder chillig Richtung Pink, wo Philip unser God-Father-of-Absetzing in der Pink wartet.
Punktgenau lässt er uns wieder einmal in 4.400m aus dem Flieger.
Übermorgen kommt die erste Trange von Springern und Schülern aus Österreich. Ein kleines Willkommens-Überraschungs-Geschenk liegt bereits in den Zimmern auf.
Eine Überraschung ist auch „Lt. M….“ (Sorry, kann den Namen weder ausprechen noch schreiben). Er ist unser so genannter Aufpasser. Ein tunesischer Jetpilot, der uns begleitet und davor bewahrt, dass wir nicht unabsichtlich in feindliches Gebiet swoopen. Natürlich haben wir ihn freundlich aufgenommen … Philip hat ihm Tozeur von oben gezeigt, Thomas hat ihn unter den Tisch gesoffen und ich hab ihm die Uhr geklaut. Was soll ich sagen !?! Er liebt uns jetzt schon …
Obwohl wir einen morgendlichen Flug nach „Star Wars“ geplant haben, denkt keiner an eine verfrühte Nachtruhe. Ganz im Gegenteil - die Bar und der Billardtisch sind besetzt und die Getränke in rauen Mengen bestellt. Wir sind keine 2 Tage da und schon ist Peter mehr als Notgeil. (Wann ist er das nicht !?!) Das merkt man vor allem daran, dass er jedes Billard-Spiel gewinnt … er locht ein wie ein Weltmeister.

Tag 3:
Keine besonderen Vorkommnisse … Na ja, ausser vielleicht dem Sandsturm und für Wüstenverhältnisse ziemlich starkem Regen
Tag 4:
Um 5 in der Früh kam eine ganze Partie Springer aus Wien-Schwechat … na ja, mit ein paar kleinen Umwegen über Tunis und einer 6 Stunden-Busfahrt quer durch die Wüste.
Überraschend munter treffen sich alle am Sprungplatz bei strahlend blauem Himmel und freuen sich über ein Wiedersehen. Auch die Pink´sche Skydive-Prinzessin, der Liebling aller Springer ist da. Unser „Fisch“: Uschis und Pablos kleine Victoia. Kaum hat Wolf den passenden Tisch für das Manifest gefunden gibt es auch schon den ersten 20 Minuten-Aufruf. Schnell hat Skip seine Relativ-Gruppe formiert und gebrieft. Wir Free-Flyer haben uns ebenfalls schnell geeinigt. Wuzi macht eine Sitz- und Martin eine Head-Down-Formation. Auch ein Skyball-Match wird angerissen – gewonnen hat der Ball, der definitiv zu schwer für Bauch und zu leicht für den Kopf war.
Die Helmkameras laufen heiss und die Freifallsequenzen werden aus allen Perspektiven gefilmt, aufgenommen und analysiert. Philip setzt trotz ziemlichen Windes wie immer punktgenau bis zum Sonnenuntergang ab. Auch die ersten beiden Schüler machen Bekanntschaft mit der Fallschirm-Springer-Theorie, schnallen sich hochmotiviert in den Hänger und trainieren alle Formen von Störungen. Spätestens jetzt kann man die ersten Sorgenfalten bei Moni und Harry erkennen, welche jedoch beim Anblick der landenden Schirme sofort wieder verschwinden. Morgen soll es soweit sein – die ersten Static-Line-Sprünge … grins
Bis es aber soweit ist gibt es wie gewohnt ein wirklich gutes Buffet beim Abend-Essen und darauf ein chilliges Sit-In bei der Bar. Der Pink´sche Beamer wird aufgebaut und die Oskar reifen Freifall-Videos bestaunt und bei Rotwein, Bier und Cola kommentiert.
Um ca. 23 Uhr trifft dann der deutsche Anteil unserer Skydive-Community ein. Ca. 30 Springer und 3 Schüler checken ein und freuen sich über einen g´schmackigen Mitternachts-Snack. Der erste richtige Sprungtag macht sich bermerkbar, denn so früh wie heute waren wir noch nie im Bett … 2 uhr.
PS: Immer noch keine Skandale, Sorry … aber jetzt sind ja unsere Lieblings-Nachbarn da ;o)


Tag 5 oder … äh … 9 oder 10 !?!
Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung mehr, da ich schon lange nicht mehr
geschrieben bzw. an das Online-Tagebuch gedacht habe … vielmehr haben wir unsere
Zeit mit springen, feiern, springen, feiern, springen … und und und verbracht.
Nachdem der Internet-Zugang seit dem letzten Jahr nicht einfacher geworden ist,
war es uns all die Tage nicht möglich unser „Diary“ ins Netz zu stellen bzw. mit
der Pink-Site zu verlinken. Somit sitze ich um 1.17 Uhr in meinem Bett, Nikos
Notebook auf dem Schoß und überlege was wir alles in den letzten Tagen erlebt
haben.
Fangen wir beim Wetter an. Alles haben wir gehabt. Ob ihr es glaubt oder nicht,
wir hatten traumhaften Sonnenschein, Regen, Sandsturm, extremen Wind und wir
sind tatsächlich über der Sahara durch Wolken gesprungen, in denen es doch glatt
geschneit hat. Ziemlich pervers, aber wahnsinnig lustig. Die letzten Tage war
das Wetter beständig. Ein wenig windig aber so heiss und sonnig, dass die Ersten
mit nacktem Oberkörper posierten und wer nicht eingeschmiert war, wurde mit
einem kräftigen Sonnenbrand bestraft.
Kommen wir zu unserer Lieblingsbeschäftigung unter Tags – Freifall geniesen.
Ich muss echt sagen, wenn man die Möglichkeit hat viele Tage hintereinander ganz
ganz oft zu springen, dann geht echt was weiter. Skips Relativ-Gruppe wird immer
besser, schneller und macht einen Punkt nach dem Anderen. Da grinst sogar mein
Freeflyer-Herz, wenn ich mir die „Bäuchlinge“ mit Ihrer Exaktheit am Abend auf
der Leinwand anschaue.
Apropos „Freefly“: Die Sit-Fly und Head-Down-Bande ist um einiges kleiner als
die letzten Jahre. Nichts desto trotz werden die Exits immer abenteuerlicher,
der Freifall chilliger und die Griffe kopfüber immer häufiger. Wuzi und Martin
coachen und geben wertvolle Tips, die sogleich umgesetzt und auf zahlreichen
Videos bestaunt werden.
Auch die Schüler machen natürlich Fortschritte. Level für Level wird absolviert
und heute hat Markus als erster „nicht-mehr-Schüler“ seinen ersten alleinigen
Freifall genossen.
Das Fallschirm-Springen kein ungefährlicher Sport ist, wird auch hier in Tozeur
allen wieder vor Augen gehalten. Obwohl wir bisher keine einzige Reserve oder
grobe Verletzung haben, gibt es einige kleine aber sehr unangenehme Blessuren.
Bei Landungen gibt es angeknackste Knie und Sprunggelenke, durch eine
Freifall-Kollision eine Sehnenverletzung im Schulterbereich und Rick, unser
lieber Freund aus den Staaten, hat sich nach einer wilden Öffnung mit einer
Leine unter dem Kinn ein Cut zugezogen, das im Spital mit 10 Stichen genäht
wird. Langer Rede kurzer Sinn: Alex, unsere „Ärztin im Freifall“ hat einiges zu
tun … aber alle wieder so zusammengeflickt, dass jeder „Patient“ bald wieder mit
einem Grinser im Gesicht im Flieger sitzt und auf das grüne Licht von Philip
wartet.
Auch in „star wars“ sind wir mittlererweile traditionsgemäß gelandet. Wie jedes
Jahr gibt es Dünen-Swoops, die Pink mit spektakulären Überflügen und natürlich
die Mit-Kamel-treibenden-Beduinen, die jeden mindestens 20 Mal fragen ob und
warum man nicht die schöne Kette kaufen will …
Auch nach Chebeeka (schreibt man das überhaupt so !?!) hat es wieder eine Load
gegeben. Ein Sprung in eine wunderschöne Oase mit einem einzigartigen Panorama
am Schirm und einer anschließenden Jeepfahrt quer durch die Wüste wieder zurück
ins Hotel.
Gesprungen wird hier in Tozeur von 9 in der Früh bis zum späten Sonnenuntergang.
Ein Traum für alle Springer, ein Grauen für Regina und Jupp – die Pack-Engel für
alle, die ihren Schirm nicht selber in den engen Pot zwängen wollen – ich ziehe
den Hut vor den beiden Thailand-Abenteurern, denn sie sind die letzten, die den
Platz verlassen. Meistens ist es dann bereits stock-dunkel.
Neben den vielen Sprüngen werden auch die Abende immer ausgelassener. Nach der
obligatorischen Video-Schau, baut täglich ein tunesischer DJ seine Turn-Tables
auf und lässt es so richtig krachen. Wer jetzt arabischen Hipp-Hopp erwartet,
hat weit gefehlt. Der Knabe legt wirklich coole Stimmungs-Nummern auf bis die
Bude äh die Bar von Skydivern und anderen Hotelgästen gerockt wird. Vielleicht
stellen wir ja mal das eine oder andere Video dieser ausgelassenen Fete ins Netz
…
Einige Highlights des heutigen Abends:
Wolf wird von Uschi vor allen Springern geehrt und bekommt das „goldene
Arbeitstier“ verliehen. Harry unser Schüler im 7. Level hat Tanzmoves auf Lager,
dass Dancing-Stars im ORF dagegen wie eine Kindergarten-Betthupferl-Sendung
aussieht.
Fallschirmspringer, die auf Sesseln quer durch das Hotel getragen werden … und
und und
Heute Abend haben uns die ersten deutschen Springer wieder verlassen. Man glaubt
es kaum, aber so schnell ist eine Woche um. Der Abschied war kurz, aber dafür
umso herzlicher … „Freifall-Frischfleisch“ für die kommenden 10 Tage wird in den
nächsten 48 Stunden erwartet.
So, jetzt bin ich müde … aber das ist in Kürze mal alles was so in den letzten
Tagen passiert ist. Werde versuchen nun wieder täglich von unseren Abenteuern zu
berichten … gute Nacht aus der Wüste mit einem Sternenklaren Blue … äh…
Tag 11:
So, wieder mal sitze ich im Bett und schreibe. Hab´s ja versprochen. Diesmal
habe ich auch meinen Kalender durchblättert und nachgezählt. Wir schließen heute
tatsächlich bereits Tag 11 ab.
Nach der durchzechten Nacht gestern bin ich heute Morgen ziemlich überrascht,
dass fast alle bereits frühstücken waren und sich auf dem Weg Richtung Landezone
befinden.
Schnell ein Schoko-Croissant in den Mund gestopft, 2 weitere im Rucksack
versteckt und ab zur Pink. Gerade rechtzeitig komme ich zu Wolfs 10-min-Aufruf
für die 1. Load. Mein Gott, ist der wieder motiviert. Aber wen wundert´s, stolz
steht auf dem Manifest-Tisch sein „goldenes Arbeitstier“. Wieder begrüßt uns in
der Früh ein kleines Lüftchen, welches sich aber im Laufe des Vormittags
verabschiedet. Somit steht schnellen Landungen, weiten Swoops und lustigen
Landerollen nichts mehr im Wege.
Die Sprünge werden von Tag zu Tag spassiger. Immer blödere Ideen werden
ausprobiert. Neben Rauchraketen oder 20m-Farbbändern hat Zdenek heute einen
Freifall auf einem Mini-Scooter genossen. Wie schaut da der Exit aus !?! Na ganz
einfach: draufsteigen, antauchen und gemütlich aus der Pink rollen. Wuzi hat
alles auf Band festgehalten, im freien Fall den Scooter übernommen und ist (als
wäre es das normalste auf der Welt) damit gelandet. Nach einem Head-Down-Rausch
haben Alex (Ärztin im Freifall) und ich die Ehre mit Sir Lewetz, dem
Weltrekordhalter höchst persönlich einen Relativ-Sprung zu absolvieren. Ich habe
selten im Freifall soviel gelacht …
Wer glaubt, dass uns während den Sprungpausen langweilig wird, hat weit gefehlt.
Die einen spielen mit der süßesten Maus in Tozeur (nein, nicht Zdeneks Katze,
sonder unser kleiner Fisch), Andere geben sich ein wildes Frisbee-Match, Einige
schauen „Herr der Ringe“ auf DVD und der Rest isst entweder gerade Pizza oder
chillt in der Sonne vor sich hin. Irgendein Schwachsinn fällt uns immer ein.
Nach der Sunset-Load gibt es wie fast jeden Tag Freibier, da wir entweder einen
Jubiläums- oder einen Erstsprung feiern. Zurück im Hotel sitzen wir in einer
kleinen Runde gemütlich vor unseren Zimmern und setzen die Tätigkeit fort, die
wir kurz für die Fahrt zum Hotel unterbrochen haben. Plötzlich taucht Peter mit
nur einem kleinen Handtuch bekleidet auf (kommt gerade aus dem Hamam) und führt
uns einen „ichzeigeuchmeinennacktenhinterntanz“ auf dem Geländer im 1. Stock
vor. Sexy sexy … oder auch nicht … grins. Noch schnell geduscht und dann ab zum
Abendessen. Die heutige Video-schau beginnt diesmal nicht mit den vielen
Sprüngen des Tages, sondern mit wahnsinnig lustigen Aufnahmen vom
Disko-Vorabend. Kaum einer kann sich vor Lachen auf dem Sessel halten. Trotzdem
müssen viele dem nächtlichen Treiben an der Hotel-Bar Tribut zollen und
verabschieden sich ungewohnt früh um schlafen zu gehen. Taktisch nicht unklug,
da für morgen die erste Load bereits um 8 in der Früh geplant ist und am Abend
neben der Pink´schen Tombola auch eine improvisierte Zaubershow stattfindet.
Dementsprechend brav werde ich jetzt abspeichern, Zähne putzen gehen und euch
Daheimgebliebenen eine gute Nacht wünschen …
PS: Wo ist eigentlich mein lieber Zimmergenosse Niko !?!
Tag 12:
Da hab ich es doch letztens glatt verschrien … äh verschrieben.
Heute ist wieder einmal traumhaftes Sprungwetter, jede Menge geiler Sprünge und
gleich 2 Reserven in einer Load. Unsere Ärztin im Freifall liebt es ja
bekanntlich schnell und wild im Head-Down. Unerwartet schnell drehend ist
diesmal aber auch die Öffnung gewesen. In einer Bilderbuch-Aktion trennt Alex
ab, stabilisiert, zieht die Reserve und packt völlig ruhig und routiniert beide
Griffe in die Kombi. Ihr Video könnte man auch als Schulungsfilm verkaufen. Für
den 2. Reserveschirm hat Rick, unser „Vorzeige-Ami“, gesorgt. Er hat ein
Gurtzeug, dass nicht wirklich „freefly-tauglich“ ist (hat sich ja schon letzte
Woche ein riesen Cut bei einer Öffnung verpasst) und trotzdem probiert er sich
immer wieder im Sit-Fly. Das Eine führt zum Anderen und schon baumelt ein Raiser
unkontrolliert aus dem Kontainer. Der Rest war ein verwurschteltes „Etwas“.
Beiden geht es gut, die Schirme sind gefunden und die Reserven werden am Abend
gleich wieder von Björn gepackt.
Im Laufe des Tages kommen dann auch endlich die letzten Freifall-Urlauber aus
Deutschland an. Eigentlich waren die Jungs ja schon für gestern angesagt worden,
jedoch durch das Schnee-Chaos ist der Frankfurter Flughafen gesperrt gewesen.
Nur Einer aus Düsseldorf sowie Steffi und Siegrid, die aus Paris kamen, haben
bereits gestern im Hotel eingecheckt.
Obwohl wir jeden Abend unseren Spass haben, haben wir diesmal (man glaubt es
kaum) noch einen Gang höher geschalten. Nach dem Abend-Buffet sitzen natürlich
erstmal alle gemütlich vor der Leinwand und bewundern die schönen Sprünge. Dann
wird aus der Bar in den Konferenz-Saal übersiedelt, wo ich bereits mit einer
improvisierten Zaubershow auf mein Publikum warte. Was für ein Spass … zaubern
und dabei gleichzeitig Deutsch und Englisch reden, ablenken und beeinflussen.
Wahrscheinlich ist die Sprache völlig egal, denn mit Fortdauer der Show gesellen
sich weitere Hotelgäste aus Paris, Tozeur und was weiss ich woher dazu.
Eigentlich selten, dass wir soviel Kontakt mit anderen Urlaubern haben …
Kontakt, den wir nach der Zaubershow gleich weiter vertiefen in der vom Hotel
improvisierten Disco. Unser alltäglicher DJ ist wieder da und es dauert nicht
lange, dann tanzen alle wie verrückt. Es wird gefeiert, auf der Bar getanzt und
neue Freundschaften geschlossen. Ans Schlafen gehen denkt heute niemand, da
dieser Abend für Einige der letzte ist. Um 7 Uhr in der Früh warten Jeeps um
quer durch die Wüste nach Tunis zu fahren und hoffentlich rechtzeitig den
Flieger Richtung Wien zu erreichen. Die Stimmung wird von Minute zu Minute
ausgelassener und es sind wohl ein paar Heimkömmlinge dabei, die nicht mehr
wirklich ins Bett kamen …
Tag 13:
Ich bin heute nicht der Einzige, der mit einer Sonnebrille zum Frühstück kommt.
Ausgeschlafen und völlig munter ist einzig und allein der kleine Fisch. So ruhig
war es im Steigflug noch nie und spätestens bei 3.500m sind die letzten munter.
Schon bei der Ersten Load wird schnell klar, dass es trotz Windstille am Boden
ein heftiges Lüftchen von ca. 35 Knoten ab 500m Höhe weht. Dementsprechend
spannend war die Landeeinteilung – vor allem für diejenigen mit größeren
Schirmen. Philip hat aber trotz der windigen Umstände sensationell abgesetzt und
alle haben das Flughafengelände erreicht. Der Wind beginnt zu sinken und am
Horizont kann man schon den nahenden Sandsturm erkennen. Eine schnelle Load geht
sich noch aus und alle, die dem Wind trotzen werfen sich mit einem Grinser aus
der Sky-Van. Nach einer langsamen Landung ohne Vorwärtsfahrt und dem schnell
gepackten Schirm, wird das Packzelt vorsichtig umgelegt. Denn schon ist er
wieder einmal da – der Sandsturm. Alles wird braun, einmal gegen den Wind
eingeatmet und man kann eine kleine Sandburg mit seiner Zahnbürste bauen. Wie
auch immer, wir begeben uns zurück ins Hotel … warum man kaum enttäuschte
Gesichter sieht liegt wohl an dem turbulenten Vorabend. Die
Nachmittagsgestaltung besteht aus schlafen, Pizza essen gehen, in die Oase
maschieren, am Pool etwas lesen oder so wie ich ein paar Zeilen für´s Tagebuch
schreiben.
Mal sehen, was der Wettergott sich morgen für uns überlegt hat … wie auch immer,
ihr werdet es von mir erfahren. Ich gehe jetzt esse und heute mal früher ins
Bett … bis morgen und gute Nacht Jon Boy.
Tag 14:
Nach der gestrigen Wettervorhersage haben sich die meisten von uns auf einen gemütlich sprungfreien Tag am Pool eingestellt. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Um 8.30 läutet der Wecker … eigentlich sollte ich ja super ausgeschlafen sein, wenn da nicht unser tschechischer Freund Peter gewesen wäre … hehe … ich hab´s ja kaum glauben können, aber um 2 in der Früh steht der gute doch glatt mit einem Feuerlöscher in unserem Zimmer und ist kurz davor seinen Brand auf meinem Bett zu löschen. Martin und Niko haben ihn dann GottseiDank doch davon überzeugen können, dass das vielleicht keine soooo gute Idee sei.
Zurück in der Früh: ich schaue also nun aus dem Fenster – blue sky und kaum ein Wind.
Oh yes, ab ins Sprunggewand und auf zum Flieger … trotz dem Rekord am Rotweinflaschenverbrauch des Vorabends sind alle da … alle !?! Nein, einer fehlt. Nicht schwer zu erraten wer. Der Peter hat´s wohl ein wenig übertrieben … grins.
Neben der Relativgruppe und unseren Freefly Fun-Jumps hat Petra, die kurz entschlossen nach Tozeur gekommen ist, ihre AFF-Ausbildung begonnen. Verdammt kann die Frau „archen“. Na ja, bei dem Lehrer … Smile.
Unsere lizensierten Reserve-Packer Regina, Jupp und Björn bekommen in den letzen Tagen doch mehr zu tun als Ihnen lieb ist. Denn auch heute wird mit einem Reserveschirm gelandet.
Niko, das Kameragenie im Freifall hat wieder einmal Skips RW-Bande ins richtige Licht gerückt, seinen Schirm geöffnet und versucht seine Vorbremsung zu lösen. Na ja, zu mindestens bei einer Steuerleine gelingt das wie gewohnt. Die Andere bleibt aus irgendeinem Grund stur, was natürlich eine schöne Drehung des Schirms zur Folge hat. Niko cool und routiniert wie immer, fackelt nicht lange und zieht eine gemütliche Landung am Reserveschirm einer riskanten Action-Bruchlandung mit nur einer intakten Steuerleine vor, trennt ab und zieht abgebrüht am linken Griff. Während die letzten Reserven alle über dem Flughafengelände waren und sowohl die Hauptkappen, als auch die Freebags sofort wieder auffindbar waren, hat Niko über der Stadt abgetrennt. Das ganze endet mit einem wilden Polizei-Einsatz, komplizierten Diskussionen und einem Verbot das Flughafengelände zu verlassen. Der Grund war einerseits übertrieben, doch wenn man an das tragische letzte Jahr denkt, auch verständlich. Die Einsatzkräfte am Flughafen haben nur einen Schirm ohne Springer fallen gesehen und waren überzeugt, dass jemand abgestürzt sei. Pablo, der Gott sei Dank viele Sprachen fließend spricht, hat das Missverständnis letztendlich aufgeklärt und Niko hat all sein abgeworfenes Zeug wieder erhalten.
Neben dem „Cut-Away“ gibt es auch heute leider wieder eine kleine Verletzung. Unsere Notfall-Ärztin Alex greift unglücklich in die Raiser … erste Selbstdiagnose: der Ringfinger ist gebrochen. Ein wenig Tape und schon steigt die Freefly-Spezialistin wieder in den Flieger. Springen und Ziehen ist kein Problem, nur beim Packen tut´s weh … so ein Pech aber auch … jetzt lässt sie eben einfach packen und genießt die angenehm warmen Sonnenstrahlen. Smile.
Am Ende dieses Ereignis reichen Tages ist noch ein Sprung nach Star Wars geplant. Leider ist es über den Filmkulissen ziemlich wolkig und windig. Dementsprechend lustig sind die Landungen zwischen Dünen und Kamelen. Wuzi springt mit einem Tandem und schafft es eine Thermik auszunutzen und am Schirm wieder 200m zu steigen. Nachdem es da oben aber mehr als kalt ist, hat die gute Passagierin das wohl nicht für solch eine gute Idee gehalten. Spätestens als mir beim Packen eine Windböe 3 Kilo (leicht übertrieben ;o) Sand ins Gurtzeug bläst, halte ich diesen Ausflug ebenfalls für „meinenichtbesteideeandiesemtag“.
Eine Entschädigung für diese Sanddusche sind aber die verdutzten Gesichter der Beduinen und der japanischen Touristen, während Thomas mit der Pink gemütlich landet und sich direkt vor den Star-Wars-Kulissen einparkt. Kurz bevor wir inklusive Kamel abheben wollen um wieder nach Tozeur zurück zu springen, verkündet der Pink-Chef, dass wir uns noch gedulden müssen. Der Grund ist ein gewaltiger Sandsturm, der wie aus dem Nichts 10 min. nach unserem Abflug über dem Flughafengelände wütet. 30 min. später sind wir ohne dem Wüstentier in der Luft und machen einen traumhaften Track-Dive in den Sonnenuntergang …
Tag 15:
Heute gibt es nichts Aufregendes zu berichten. Der Tag ist auf Grund starken Windes und nicht allzu motivierter Springer kürzer als der Gestrige. Es ist kälter geworden. Meine letzte Landung gleicht mehr einem wilden Stunt, als einem Swoop-Versuch und mein schönes Gear hat ein kleines Loch über das sich alle amüsieren. Na ja, eigentlich nicht über das Loch, mehr über mich, weil ich gleich ganz traurig bin, da ich doch so heikel auf mein schönes Gurtzeug bin. Nach 4 Loads, die sich über den Tag ziehen machen wir alles dicht und trinken auf diejenigen, die leider diesmal nicht dabei sind. An dieser Stelle grüße ich all die Anderen, die fleißig Tagebuch lesen und nicht mit uns anstoßen können. Ganz speziell öffnen wir eine tunesische Bierdose und sprechen einen Tost auf unsere frischen Papas:
Prosecco und B-Man – hiermit gratuliert die gesamte Skydive-Community
Viel mehr kann ich von diesem Tag nicht berichten, da ich gleich nach der Ankunft im Hotel in meinem Freefly-Outfit einschlafe … und erst zum Essen wieder erwache. Der Abend verläuft unspektakulär aber sehr amüsant vor der Leinwand, wo unsere heutigen Sprünge, diverse Internet-Funny-Spots und die Schurken-DVDs 1-3 vorgeführt werden. Wieder einmal ist es fast 2 Uhr in der Früh … Zeit das Notebook herunterzufahren, Niko wieder zuzudecken und von einem sauberen, lochlosen Gurtzeug zu träumen. Snief …
Tag 16:
Wieder verspricht der Tag traumhaft zu werden. Strahlend blauer Himmel und auch der Wind hat nachgelassen. Wir Freeflyer versuchen uns an immer lustigeren Figuren, während Skips Gang immer kompliziertere Punkte fliegt und Petra als Musterschülerin ihren 6. Level abschließt. Mein absolutes Highlight in meiner ach so kurzen Springerkarriere ist ein Dach-Exit von der Pink. Zdenek, Wuzi und ich klettern bei 4.500m aus dem Cockpit, posieren für spektakuläre Photos, laufen dann auf dem Dach entlang und springen … gibt wohl kaum ein geileres Gefühl. Leider ist das wohl die letzte Dach-Load gewesen, da angeblich schon zuviel kaputt gegangen und anscheinend einiges passiert ist. Wie auch immer, unser Stunt schadet weder uns noch der Pink und so landen wir mit einem breiten Grinser im Gesicht. Dank an dieser Stelle an Philip und Wuzi, die uns dieses Abenteuer erlaubt bzw. ermöglicht haben.
Die Sunset-Load wird heute gesplittet. Ein Teil springt über der Oase Cheebeka ab, der andere Teil wirft sich wieder über Tozeur aus dem Flieger. Nachdem ein wenig nach dem letzten Sprung gefeiert wird, geht es wieder ab ins Hotel. Da lieg ich nun auf dem Bett und hoffe, dass Thomas die letzten 3 Tage morgen wieder online stellt. So, jetzt aber ab in die Dusche und zum Essen. Mjam mjam … bon appetit
Ps: falls heute noch was aufregendes passieren sollte, dann werde ich natürlich einen kleinen Nachbericht verfassen … aber frühestens erst morgen.
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