Der Unfallhergang wurde folgendermassen rekonstruiert:
Nach dem Ziehen des Handdeploys öffnet sich der Hauptschirmcontainer nicht, da sich der Hilfsschirm mit dem Bridle verknotet hat. Die Springerin aktiviert die Reserve, ohne vorher das Trennkissen gezogen zu haben. Gleichzeitig oder unmittelbar nach dem Öffnen des Reservecontainers öffnet sich der Hauptschirmcontainer. Nahezu zeitgleich verlassen Freebag und POD die jeweiligen Container. Durch die noch mit dem Gurtzeug verbundenen Hauptschirmrisers wird der Hauptschirm-POD Richtung oben/vorne in das sich abhebende Reserve-Freebag gezogen und verwickelt sich mit diesem und den Fangleinen der Reserve.
Beim Aufschlag der Springerin am Boden sind beide Hilfsschirme, Bridle, Fangleinen und POD ca. 9 Mal ineinander verschlungen. Die Hauptschirmleinen sind bis auf 2 Packgummis ausgeschlauft, die Reserverleinen vollständig aus der Freebag-Tasche heraussen, beide Freebag-Gummis noch eingeschlauft, der Freebag geschlossen. Das Trennkissen befindet sich an seinem Platz am Klett, lässt sich problemlos aktivieren und die Kabel ausziehen, das Dreiringsystem arbeitet einwandfrei. Der Reservegriff ist gezogen, wird aber nicht gefunden.
Aufgrund der weiten Entfernung vom Sprungplatz konnten mehrere qualifizierte Augenzeugen den genauen Ablauf nicht erkennen. Es überwiegt die Meinung, dass der Reserveschirm in 500 Meter oder höher aktiviert wurde.
Am Unfallort wird unter Aufsicht der tunesischen Polizei die Verknotung gelöst, anwesende Sprunglehrer und Rigger kommen übereinstimmend zur Ansicht, dass ein Ziehen des Trennkissens vor der Aktivierung der Reserve jedenfalls die Chancen einer einwandfreien Reserveöffnung wesentlich grösser gewesen wäre.
Geschlecht: weiblich, Alter: 31 Jahre, 6 Jahre im Sport, ca. 2300 Sprünge, davon mehr als 400 im letzten Jahr, AFF-Lehrerin
Gurtzeug: Javelin, Hauptschirm: Velocity 84, Reserve: PD 113, Cypress (hat aktiviert)