Tips für erfolgreiche Exits von Heckrampen-Flugzeugen

 

 

 

Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Gareth Holder, LO in SkyDanceSkyDiving, Davis, California, adaptiert auf die besonderheiten des Pink Sprungbetriebes.

 

Flugzeuge mit Heckrampe werden immer mehr für Wochenend-Springer verfügbar. Sprungplätze in Arizona, Kalifornien, Nord Carolina und Florida verwenden CASA Aviocars und Shorts SkyVans und verchartern diese Flieger bei Boogies im ganzen Land. Auch bei uns in Europa finden sich immer mehr Heckrampenflieger, nachdem vor mittlerweile schon 11 Jahren die Pink den Anfang gemacht hat.

 

Ob du nun das Glück hast, in der Nähe einer Drop Zone zu wohnen, die solch eine Maschine betreibt, oder ob du bei einem Boogie aus einer Heckrampe springst, du wirst die Leichtigkeit und Bequemlichkeit, Formationen zu ziehen oder sehr schnell zum ersten Punkt zusammenzufliegen bald lieben.

 

Für Springer, die diese Exits noch nicht kennen, ist es aber wichtig, zu wissen, daß mit diesen Vorteilen auch neue Verantwortung verbunden ist. Durch das Befolgen einiger einfacher Regeln kann jeder Springer dazu beitragen, seine eigene Sicherheit und die der anderen an Bord zu garantieren.

 

Als Faustregel kann gelten, wenn das Ding fliegt, kann es auch stallen. Es kommt nur drauf an, wie und wann.

 

Darauf vergißt man gerne, wenn man die Türe einer Otter mit 20 Leuten vollstopft oder bei einer Porter alle 10 auf´s Trittbrett stellt. Obwohl jeder Flieger - sogar eine Twin Otter - unter bestimmten Bedingungen stallen kann, braucht man sich aufgrund der Stabilität der meistverwendeten Seitentür-Flugzeuge kaum Gedanken über die Limits der Flugeigenschaften im Anflug zu machen.

 

Wenn du in einem Heckrampen-Flieger ebenso sorglos bleibst, wird es nicht lange dauern, bis du diesen Fehler schmerzlich bereust. Der Grund dafür ist, daß bei einer Heckrampe im Vergleich zu einer Seitentüre der Exitpunkt wesentlich weiter hinten liegt, als der Schwerpunkt der Maschine. Die Hebelwirkung, die das Gewicht der Springer beim Zurückgehen zur Rampe verursacht, ist daher größer, der Flieger stellt sich auf, und der Pilot muß gegensteuern, um die optimale Anfluggeschwindigkeit und den richtigen Winkel zu halten. So weit so gut.

 

Wenn die Springer jedoch die Rampe weiter beladen, wird der Pilot irgendwann nicht mehr gegensteuern können, der Anstellwinkel wird größer, bis der kritische Punkt überschritten wird und der Flieger stallt.. Dies geschieht sehr schnell, und die einzige Warnung, die du eventuell bekommst, ist das Fluchen aus dem Cockpit, daß du dich mit dem Exit gefälligst beeilen sollst.

 

Ich liebe Flugzeuge mit Heckrampe, aber ich habe keine Lust, sie in meine Formation einzubauen, nachdem ich den Flieger verlassen habe. Und wenn ich als einer der letzten Diver gehe, habe ich keine Lust, unter der Decke zu kleben, während der Pilot damit kämpft, die Kiste wieder unter Kontrolle zu bringen.

Täusch dich nicht, es sind schon Springer bei Stalls sowohl im als auch außerhalb des Flugzeuges schwer verletzt worden.

 

Wie kannst du das also vermeiden?

 

Erkundige dich beim Piloten oder beim DZ-Leiter nach besonderen Verhaltensmaßnahmen. Die meisten Heckrampen-Flieger haben Aufkleber, die dir sagen, wieviele Springer wo stehen und wieveiele zugleich in die Türe dürfen.

Jede Skyvan, die ich kenne, hat eine Linie etwa in der halben Kabine. Springer, die nicht direkt in der Türe stehen, sollten während des Exits hinter dieser Linie bleiben. Eine CASA hält etwas mehr aus; zurückzubleiben schadet hier allerdings auch nicht.

 

Es spielt keine Rolle, ob ihr eine große Gruppe seid, oder mehrere kleine. Von der beladenen Rampe Abstand zu halten, erleichtert dem Piloten seine Arbeit und verringert das Risiko eines Stalls.

 

Die beim Exit in der Türe stehen, sollten schon vorher die Griffe nehmen und so zur Rampe gehen; damit wird die Zeit, die das schwere Gewicht hinten lastet, deutlich verkürzt. Sobald ihr in der Türe steht, zählt ein und geht.

 

Wie kann man aber einen engen 20er Exit fliegen, wenn nur acht Springer an der Rampe stehen dürfen?

 

Ganz einfach, Griffe nehmen, die acht gehen zur Rampe, die Diver stellen sich in Reihen hinter der Linie auf. Der Count beginnt, bei "Ready" oder besser "set", laufen die Diver los; bei "Go" ist die Formation im Exit so eng beisammen, als wären alle an der Rampe gestanden. Der Pilot muß aber nur für den Bruchteil einer Sekunde die Gewichtsverlagerung ausgleichen .

 

Sprich dieses Vorgehen mit dem Piloten vorher ab; ich habe jedoch noch keinen getroffen, der damit nicht einverstanden gewesen wäre.

 

Worauf sollte man noch achten, wenn man Heckrampen springt? Die wenigsten Flieger haben leichtgängige Türen. Die SkyVan in Perris Valley, Calif., und die Pink ist da eine Ausnahme.

 

Wen du der Jumpmaster einer Load bist, wirst du lernen müssen, mit der Türe umzugehen. In einer SkyVan wirst du den Heckteil unter die Decke heben und dort verriegeln müssen. Das geht leicht mit zwei Personen, Die Pink Türe lässt sich leicht heben. Wenn an beiden Seiten ein bischen Druck nach oben ausgeübt wird, ist sie auch an beiden Seiten verriegelt. Vergewissere dich mit den seitlichen markierungen, daß sie auch wirklich verriegelt ist.

 

Außerdem haben viele SkyVans Haken an den Seitenwänden im hinteren Teil des Fliegers - gerade recht, um Ecken sowohl aus Floatern, als auch aus Divern herauszureißen. Diese Haken ziehen sich bei der Pink beim öffnen der Türe selbstständig ein.

 

Wenn du eine CASA springst, kann es vorkommen, daß du den Winkel bestimmen sollst, in dem die bewegliche Rampe fixiert werden soll. Einige Piloten sind sehr gut darin, die Rampe richtig zu positionieren, andere haben es lieber, wenn es ihnen gesagt wird. In diesem Fall solltest du sicherstellen, daß die Mitte der Maschine frei bleibt, damit du dem Piloten signalisieren kannst, wenn der Winkel stimmt. Nach Absprache kann diese Kommunikation auch mit den Anflugdirektionslichtern erfolgen. Wenn die Rampe zu steil ist und alle ´runterrutschen, stehst du ziemlich blöd da.

 

Das Absetzen ist etwas anders bei Heckrampen als aus Seittüren. Üblicherweise wird zu kurz abgesetzt, weil die meisten Absetzer nicht senkrecht hinunterschauen. Denk daran. Der Pilot setzt üblicherweise mit Satelitennavigation ab und weiß au 10 m genau, wo er ist. Er denkt aber nicht nur an die ersten, die gehen. Wenn viele Gruppen im Flieger sind, wird er die ersten etwas kürzer absetzen, um den letzten auch noch eine Chance zu geben, den Platz zu treffen.

 

Apropos CASA: Erinnerst du dich an die tolle Anfangsszene in "From Wings Came Flight", in der alle Floater sich seitlich an der Türe hinaushangeln? Nicht einmal daran denken, die Piloten mögen das ganz und gar nicht.

 

Wenn du eine C-130 Hercules springst (Schweden), wird jemand an Bord sein, der sich um alles kümmerrt. Du mußt nur dafür sorgen, daß du die Brillen gut aufhast, alle Velcros und Griffe fest verstaut sind. Eine vorzeitige Schirmöffnung von einer Heckrampe ist keine Gaudi.

Eine C-130 ist außerdem extrem schnell auf Absetzhöhe, mach dich also rechtzeitig fertig. Eine gut geflogene C-130 ist in knapp acht Miuten auf 5000m.

 

Heckrampen-Helikopter, wie zum Beispiel der Aerospatiale Puma, Boeing CH-47,Mi-8 und Mi-26 fliegen gewöhnlich recht langsam im Anflug, aber abgesehen davon ist nicht viel Unterschied zu Flächenflugzeugen vergleichbarer Größe.

 

Wenn der Flieger für dich neu ist, nimmt Ohrstoppel mit; einige Heckrampler sind schmerzhaft laut; ein CH-47 läßt dir die Ohren noch Stunden lang klingeln.

 

Paß auf Flugverkehr auf, bevor du aussteigst. Von einer Hecktüre ist dies schwerer zu sehen, als aus einer Seitentür. Schau unter den Flieger, nach links und rechts. Nur weil das grüne Licht an ist, bedeutet das noch lange nicht, daß nicht irgendein Sonntagsflieger unterwegs ist.

 

Zum Exit selbst: wenn ihr eine Formation zieht, ist ein deutliches Schwingen nicht notwendig. Denk daran, daß du im Flugzeug noch in unbewegter Luft bist. Ein starkes Einschwingen drängt die Diver ins Flugzeug zurück und zieht sie beim Exit bis zum gestreckten Arm nach. Stellt euch eng und aufrecht auf und macht einen "Bob-Count": Hinauf bei "Ready", hinunter bei "Set", hinauf und zurück bei "Go". Die Formation fällt dann ziemlich gerade nach unten in einen relativ langsamen Slip-Stream und trifft schnell auf "härtere" Luft. Es ist nicht schwierig - die Formation fliegt leichter, wenn sie vom Flieger weg ist - seid nur auf die härtere Anströmung gefaßt.

Die Diver sollten sich leicht nach vorne auf die Floater lehnen. Dann präsentiert sich die ganze Formation mit einem Minimum an Spannung dem relativen Wind. Nachfolgende Diver sollten etwas überhöht aus dem Flugzeug springen, um nicht zu steil zu werden und der Flugbahn der Basis folgen.

 

Es mag nach einer Menge zu Merken aussehen, aber es dauert nicht lange, sich mit Heckrampen-Exits vertraut zu machen. Das garantiert dann deine eigene und die Sicherheit anderer. Eines der wichtigsten Dinge ist jedoch, daß Heckrampen-Exits Spaß machen.

 

See you on the ramp.

 


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