WARNUNG
SEHR HARTE ÖFFNUNGEN KÖNNEN ZU BESCHÄDIGUNG DER AUSRÜSTUNG; ERNSTEN VERLETZUNGEN UND SOGAR ZU TODESFÄLLEN FÜHREN. VERMEIDE HARTE ÖFFNUNGEN INDEM DU ALLE HERSTELLERINFORMATIONEN GENAU LIEST; SOWIE DIE UNTEN BESCHRIEBENEN HINWEISE BEFOLGST:
Vermeiden von Problemen bei der Schirmöffnung
Die Öffnungseigenschaften eines Fallschirmes hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Schon die Selektion einer bestimmten Schirmkappe definiert einige der Grundeigenschaften der Schirmöffnung, da diese wesentlich von der Bauweise der Kappe und von der Art der Fangleinen abhängen, dass sich die Leinen um ein bestimmtes Mass dehnen. Microlines dehnen sich weniger als Dacron-Leinen, sodass bei Verwendung von Microlines ein stärkerer Öffnungsschock erwartet werden muss. Alle Schirmkappen haben spezifische Öffnungscharakteristika. Allerdings werden Deine tasächlichen Öffnungen weitgehend von Faktoren bestimmt, die nur Du kontrollieren kannst. Einige Kappen werden durch solche Faktoren mehr beeinflusst als andere. Werden diese Faktoren vernachlässigt, so kann es zu extrem harten Öffnungen kommen, die zu Beschädigungen der Kappe, zu Fehlfunktionen und sogar zu Verletzungen und zum Tod führen können.
Es ist sehr wichtig, dass Du die sich untereinander beeinflussenden Faktoren verstehst, welche Du unter Kontrolle hast. Du musst erreichen, dass sie für Dich arbeiten. Wenn Du diese Faktoren in den Griff bekommst erreichst Du eine grössere Zuverlässigkeit Deiner Schirmöffnungen und Du reduzierst gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen und Fehlfunktionen. Diese Faktoren sind:
1. Packmethode
2. Einlegen der Fangleinen
3. Hilfsschirm
4. Geschwindigkeit bei der Schirmöffnung
Die Kappe sollte den Herstellerangaben entsprechend gepackt werden. Andere Verfahren können zu Schwierigkeiten führen. Auf keinen Fall sollte die "Briefcase" oder die "Roll-Pack" Methode verwendet werden, da diese zu asymetrischer Entfaltung und damit zu harten Öffnungen und zu Beschädigungen der Kappe führen.
Position des Sliders
Die exakte Positionierung des Sliders während des Packens hat wesentlichen Einfluss auf die Öffnungsgeschwindigkeit der Kappe. Es ist ganz wichtig, dass der Slider ganz oben an den Leinen sitzt und die Ösen an den in das Schirmmaterial eingenähten Slider Stops anliegen. Oberhalb der Ösen dürfen keine Verdrehungen in den Lainen sein, da diese den Slider während der Öffnung zu früh nach unten drücken. Dies ist ein bekanntes Problem der "Briefcase" und Rollpackmethode
Auch die Lage der Sliders beeinflusst die Öffnung. Der Mittelpunkt des Sliders muss in die Richtung des Zentrums der Mittelzelle gezogen werden. Bei Sabre Schirmen sollte man den Vorderteil des Sliders vor die A-Leinen der Zentralzelle ziehen. Wenn nach Herstellerangaben gepackt wird ist dies kein Problem. Es wird im Benützerhandbuch dargestellt.
Verstauen der Kappe
Beim Einlegen der Kappe in den Packsack muss darauf geachtet werden, dass die Kappe korrekt gefaltet bleibt, und dass der Slider korrekt zu liegen kommt. Mit anderen Worten, stopfst Du die Kappe so irgendwie in den Pod, so wird sie auch so irgendwie rauskommen und wahrscheinlich hart öffnen. Wenn Du den Slider beim Verstauen der Kappe auch nur um eine Handbreit die Leinen herunterziehst, so wirst Du dass bei der Öffnung ganz bestimmt zu spüren bekommen. Die Kappe währendes Einlegens in Ordnung zu halten ist eine Handfertigkeit, die erlernt werden muss. Anweisungen dazu findest Du im Benützerhandbuch.
Bei der Öffnung müssen sich die Leinenschläge nacheinander lösen. Das klingt einfach, ist aber schwieriger als es sich anhört. Wenn nämlich der Hilfsschirm den Pod aus der Verpackung reisst, dann wird der Pod abrupt abgebremst. Auf Grund des Gesetzes der Massenträgheit haben aber die eingeschlauften Leinen die Tendenz, weiter mit dem Springer mitzufallen., wenn sie nicht durch irgendwas daran gehindert werden. Dieses Irgendwas sind die Gummiringe. Wenn diese die Leinen nicht gut genug halten, werden sie alle gleichzeitig aus den Gummiringen gerissen. Das wird als "Line Dump" bezeichnet. Es kann zu Störung der Öffnungsabfolge und damit zu enorm gefährlichen Situationen führen. Wenn nämlich die Leinen zu früh frei werden, kann sich die Kappe öffnen bevor die Leinen gestreckt sind. Während einer solchen Öffnung fliegen die Leinen irgendwie im Luftstrom herum, während der Springer immer noch mit Freifallgeschwindigkeit unterwegs ist. Wenn sich die Leinen letztlich spannen ist die Kappe aber schon offen, und der Springer erhält einen brutalen Öffnungsschock. All das kann zu Beschädigungen der Fangleinen, der Kappe, der Haupttragegurten, sowie zu schweren Verletzungen des Springers führen. Dies kann man nur verhindern wenn man die Schlaufen zuverlässig verstaut, sodass die LEINENSCHLÄGE IN DER RICHTIGEN Reihenfolge freigegeben werden. Die Überprüfung erfolgt, indem man den Pod mit eigeschlauften Leinen am Bridle auf einer glatten unterlage wegzieht. Es sollte
eine Kraft von ca. vier bis sechs Kilo nötig sein, um die Leinen auszuschlaufen.. Mittels einer Federwaage kann man das sogar ganz genau bestimmen.. Bei grösseren und dementsprechend schwereren Kappen müssen die Leinen noch stärker gehalten werden. Auch bei höheren Öffnungsgeschwindigkeiten (Freefly!) ist das der Fall.
Wenn die Gummiringe zu schwach sind kann man sie spannen. Bei Verwendung von Tube Stoes sollte man die Herstellerhinweise "For tighter Tube Stoes" befolgen. Gummiringe können auf die selbe Art nachgespannt werden. Tube Stoes und Gummibänder die augenscheinlich schwach sind sollte man auswechseln und nicht warten bis sie reissen. Die Leinen müssen 6 bis 8 cm durch dir Gummi gezogen werden. Es gibt Springer die Kürzere Schläge machen, weil sie Bag Locks befürchten. Dies ist keine gute Idee: kürzere Schläge verhindern nicht Bag Lockst, aber sie fördern Line Dumps. Deswegen nämlich, weil in diesem Fall die Leinen nur ganz wenig Zug brauchen um sich zu lösen. Merke: Line Dump ist potentiell gefährlicher als Bag Lock, weil es zu Beschädigungen der Ausrüstung, zu Verletzungen und möglicherweise zur Besusstlosigkeit des Springers kommen kann.
HILFSSCHIRM
Der Hilfsschirm definiert wesentlich die Schirmöffnung. Grösse, Material, Länge des Bridle, Art des Netzmaterials und aerodynamische Eigenschaften beeinflussen die Öffnung der Kappe. Einige Hilfsschirme entwickeln zu viel Luftwiederstand bei End geschwindigkeit, was folgende Schwierigkeiten hervorrufen kann:
Hilfsschirme die weniger Luftwiderstand entwickeln bewirken sanftere Leinenspannung und geringere Schocks für Springer und Kappe. Auch Line Dump wird nicht vorkommen und die Kappe wird sich kontrollierter entfalten.
Natürlich sollte der Hilfsschirm auch nicht zu wenig Luftwiderstand haben. Das kann passieren wenn der Hilfsschirm zu alt, zu klein, beschädigt oder falsch gebaut ist. Die Gefahren sind eindeutig- der Hilfsschirm muss zu verlässig und korrekt arbeiten. Tut er das nicht, so kann es zum Baglock oder zum Nachschleppen des Hilfsschirmes kommen, und zwar egal ob mit Aufzieleine, Griff, Pull-Out, oder Throw-Out System.
Viele aber bei weitem nicht alle Hilfsschirme der verschiedenen Hersteller von Schirmsystemen sind für Performance Design Kappen geeignet. Ein aus F-111 Material hergestellter Hilfsschirm darf nicht mehr als 34 Zoll ((85 cm) Durchmesser haben. Nach unseren Erfahrungen sind Hifsschirme mit einem Durchmesser von 30 bis 32 Zoll (75 bis 80 cm) für die meissten Sportfallschirme ausreichend (gemessen nach Verarbeitung).
Hilfsschirme aus luftundurchlässigem Material sind kritischer. Auch Hilfsschirme mit ähnlichem Durchmesser können extrem verschiedenen Luftwiderstand haben. Die Bauweise spielt hier eine wesentlich grössere Rolle, so zum Beispiel das Netzmaterial, die Grösse des Loches an der Basis. All das verändert den Luftwiderstand wesentlich. Unsere Tests mit luftundurchlässingen Hilfsschirmen ergaben, dass sich Schirme mit 26 bis 28 Zoll
(65 bis 70 cm) Durchmesser und verhältnismässig engmaschigem Netzmaterial am besten eignen. Es zeigt sich auch, dass solche Hilfsschirme empfindlicher auf Änderungen im Verstauen der Leinen reagieren.
Auch kollabierende Hilfsschirme habe Einfluss auf die Schirmöffnung. Hilfsschirme mit Gummizug sind schwierig einzustellen. Nur Hilfsschirme aus luftundurchlässigem Material und exakter Bauweise können exakt kalibriert werden. Hilfsschirme aus F-111 Material dürfen nicht mit Gummizug verwendet werden! Dies kann tötlich sein, da sich die Luftdurchlässigkeit des Materials, und damit die Kalibration, mit der Zeit ändert. Uns sind mehrere Fälle bekannt, in denen F-111 Hilfsschirme mit Gummizug zu Öffnungsproblemen geführt haben, und zwar sowohl zu unzuverlässigen Öffnungen wie auch zum totalen Versagen.
GESCHWINDIGKEIT BEI DER ÖFFNUNG
Jeder der schon einmal kopfsteil gezogen hat weiss, dass höhere Geschwindigkeit bei der Schirmöffnung zu härteren Öffnungen führt. Alle oben beschriebenen Situationen können durch zu hohe Öffnungsgeschwindigkeit hervorgerufen werden. Aber was ist eigentlich zu schnell? Das hängt davon ab, wie weit der Springer das Packen, die Versorgung der Fangleinen sowie den Hilfsschirm im Griff hat.
Schneller Kombis und Bleiwesten haben die Relativarbeit verbessert, stellen aber gleichzeitig höhere Anforderungen an die Öffnungstechnik.. Es ist unbedingt wichtig in der Separation nicht kopfsteil zu tracken. Während des Trackings solltest Du versuchen, so viel Luft wie möglich unter Dich zu kriegen. Versuche, gleichzeitig so flach und so weit wie möglich zu tracken. Abbremsen unmittelbar vor der Öffnung sollte dann zu guten und sanften Öffnungen führen. Einige Springer setzen sich auch auf. Wenn das Deine bevorzugte Öffnugsmethode ist, solltest Du es zügig während des Spannens der Fangleinen zu tun. Setze Dich nicht zu schnell auf, die Fallgeschwindigkeit erhöht sich erheblich.
Bei Sprüngen auf Plätzen in grösserer Höhe gibt es besondere Probleme, da sich die Freifallgeschwindigkeit mit der Höhe steigert. Dies führt zur Verschärfung aller Öffnungsprobleme. Durch den geringeren Luftdruck steigt die Freifallgeschwindigkeit. Die Sinkgeschwindigkeit des offenen Schirms steigt zwar ebenfalls, aber nur unwesentlich. Es wird daher während der Öffnung mehr Geschwindigkeit heruntergebremst, was zu harten Öffnungen führen kann. Bei extrem hohen Sprungplätzen sollte man daher einen kleineren Hilfsschirm und ein längeres Bridle verwenden, um die Probleme besser in den Griff zu bekommen.
Zusammenfassung
Fallschirmausrüstung kann auf vielfache Weise versagen, wenn Teile das Systems nicht kompatibel sind, oder wenn sie inkorrekt verwendet werden. Es ist von absoluter Wichtigkeit, alle diese Faktoren unter Kontrolle zu halten.
Übersetzung aus einem SB von Performance Design, von R. "Al" Albrecht
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