Sauerstoffmangel

Der unterschätzte Sauerstoffmangel

 

Übersetzung eines Artikels in der Februarausgabe des Skydiving Magazine



Der Unfall am Südpol war "die Super Bowl für alle Montagmorgen-Quarterbacks". Leute in- und außerhalb des Sports haben sehr rasch die Ursache des Unfalles gefunden, obwohl die meisten kaum die Fakten kannten.

Viele Beobachter beschuldigten sehr schnell die Hypoxie; die lähmenden Folgen des Sauerstoffmangels. Wir wissen zwar nicht mit Sicherheit, ob Hypoxie die Hauptursache für den Unfall war, sie war jedoch sicher ein wichtiger Faktor.Die Antarktis-Springer verbrachten Stunden vor dem Sprung über 10 000ft (3300m) MSL; die Exithöhe war etwa 17 000ft (5800m)MSL.

Auch wenn nie genau geklärt werden wird, wie hoch der Anteil des Sauerstoffmangels am Südpol Unfall war, ist dies eine gute Gelegenheit für Springer, sich zu überlegen, was sie über Sprünge aus großer Höhe wissen - und was sie nicht wissen. Viele von uns unterschätzen das Risiko solcher Sprünge. High Altidudes können sicher durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten über das nötige Wissen, die richtige Ausrüstung und eine gute Vorbereitung verfügen - Voraussetzungen für jeden Sprung.

Höhensprünge bieten viele Herausforderungen; Kälte, stärkerer Wind, physischer Streß, bestimmte Kreislaufregulationsmechanismen - keine davon ist jedoch so bedeutend und so unterschätzt wie die Hypoxie.

Die Hypoxie ist leicht zu verstehen. Dein Körper braucht ausreichend Sauerstoff, um normal zu funktionieren. In geringen Höhen reicht der athmosphärische Druck, um das Blut mit Sauerstoff zu sättigen. Je höher Du steigst, desto weniger Sauerstoff wird dem Blut angeboten. Weniger Sauerstoff im Blut bedeutet, daß Gehirn und Muskeln schlechter versorgt werden und Du wirst hypoxisch.

Der Sauerstoffmangel wird sowohl beim Steigen ärger, als auch beim längeren Fliegen in derselben Höhe.

Man weiß viel über Sauerstoffmangel; er wurde über Jahrzehnte genau untersucht. Nicht überraschend ist vor allem das Militär daran interessiert, sein fliegendes Personal aufmerksam und lebendig zu erhalten.

Der Effekt der Hypoxie gleicht dem vieler Drogen, einschließlich Alkohol. Ein wenig macht nicht viel aus; eine Menge kann verheerende Folgen haben.

Die milde Hypoxie kündigt sich durch viele Symptome an; die Leute reagieren auch sehr unterschiedlich. Euphorie ist ein Symptom. Du fühlst Dich gut, voll Selbstvertrauen - während Dein Körper Dir besser sagen sollte, daß er Probleme hat. Kampfeslust kann ein anderes Symptom sein, wie auch Schwierigkeiten beim Konzentrieren. Das Urteilsvermögen ist eingeschränkt.

Die Hypoxie ist deshalb gefährlich, weil die ersten Anzeichen so tückisch sind. Du fühlst Dich gut, nicht beeinträchtigt.

Das Militär hat, beruhend auf experimentell gewonnenen Erfahrungen, eine Tabelle der TUC (time of useful consciousness) für Durchschnittspersonen in Ruhe in bestimmten Höhen erstellt. Diese reicht von ca 30 min in 18 000ft (6000m) zu 5min in 25 000ft (7200m) und zu 20 sec in 45 000ft (12000m).

Steige weiter oder bleibe lang genug in derselben Höhe und Du wirst nutzlos. Du wirst vielleicht nicht gleich bewußtlos, aber Du wirst Dich benehmen, als seist Du ziemlich betrunken. An einem bestimmten Punkt wirst Du umfallen wie der Kanari im Weinkeller.



Die amerikanische Luftwaffe bietet für Zivilisten Tageskurse für physiologisches Flugtraining in ihren Höhenkammern an. Es ist gleichzeitig erheiternd und ernüchternd, zuzusehen, wie Deine Freunde zu Idioten werden, wenn sie in der "Höhe" ihre Sauerstoffmasken abnehmen. Die meisten erinnern sich nicht mehr an ihr albernes Verhalten, nachdem Du ihnen die Maske wieder aufgesetzt hast (sie können oder wollen selbst die Maske nicht mehr aufsetzen!); sie glauben oft, daß alles in Ordnung war.

Da die Hypoxie-Gleichung zwei Variable hat, nämlich Zeit und Höhe, ist es offensichtlich, daß eine Reduktion von Höhe oder von Zeit in der Höhe auch die Auswirkungen des Sauerstoffmangels reduziert.

Eine andere Möglichkeit ist es, mit künstlicher Hilfe den Sauerstoffgehalt des Blutes gesättigt zu halten. In geringer Höhe verhindert die Zufuhr von Sauerstoff zur Atemluft das Entstehen von Hypoxie (das funktioniert, da der prozentuelle Anteil des Sauerstoffs in der Athmosphäre nur 21% beträgt; vermehrte O2-Zufuhr führt zu erhöhter Aufnahme in´s Blut.) In größeren Höhen muß 100%iger Sauerstoff geatmet werden, um den nötigen Spiegel im Blut zu erhalten. Über 33 000ft (11 000m) muß Sauerstoff den Lungen unter Druck zugeführt werden.

Eine andere Möglichkeit ist es, den Kabinendruck zu erhöhen, sodaß er einer Höhe von 10 000ft (3000m) oder darunter entspricht.

Den amerikanischen Vorschriften entsprechend, muß in einem Flugzeug ohne Druckkabine über 15 000ft (5000m) jeder mit O2-Masken ausgerüstet sein.

Sprünge aus18 000ft ( 6000m) bis 20 000ft (6500m) können mit minimalen Sauerstoffgeräten an Bord sicher durchgeführt werden. Schnelles Steigen und kurzer Anflug erleichtern zusätzlich.

Andererseits werden solche Sprünge sehr gefährlich, wenn keine Sauerstoffversorgung gewährleistet ist, oder wenn sich der Sprung durch Warten auf Freigaben oder Formationsflüge verzögert. Deine Reaktionszeit verringert sich mit jeder Sekunde, die vergeht.

Für Sprünge unter 20 000ft (6500m) genügt es, ab 10 000ft ( 3500m) kontinuierlich zusätzlichen Sauerstoff zu atmen. Dazu ist keine teure Ausrüstung erforderlich; die komisch aussehenden Nasenbrillen reichen völlig aus, wenn sie von einer adaequaten Zufuhr gespeist und ständig getragen werden; es ist aber zuwenig, nur eine Maske herumzureichen oder direkt aus einem Schlauch zu nuckeln.

Als Springer kannst Du den angebotenen Sauerstoff, ob aus der Athmosphäre oder aus zusätzlicher Zufuhr optimal nutzen, wenn Du warm genug angezogen bist und Dich bis kurz vor dem Exit ruhig verhältst. Jede Anstrengung läßt Deine Muskeln wertvollen Sauerstoff verbrennen, den Dein Hirn braucht.

Sprünge aus Höhen über 20 000ft (6500m) erfordern militärische Ausrüstung zur Sauerstoffzufuhr, inklusive ein System zur O2-Atmung im Sprung. Außerdem ist dazu mehr Training erforderlich, als nur ein kurzes Briefing vor dem Start. Natürlich kannst Du einen Sprung aus 6500m auch mit einer Ausrüstung machen, die Du von einem Spitalsbedarfshändler ausgeborgt hast. Du kannst auch nackt in einem Eisloch schwimmen – wenn Du nur schnell genug rein und wieder rauskommst.

Die USPA hat ihre Empfehlungen für Höhensprünge im Skydivers Information Manual veröffentlicht. Sie sind vernünftig und basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

Im Laufe der Jahre haben viele Springer ihre "Shit, there I was "- Artikel über Höhensprünge, die schiefgegangen sind, geschrieben, manchmal auch mit tödlichem Ausgang. In jedem einzelnen betonen die Autoren, daß sie das Risiko, das solche Sprünge darstellen, unterschätzt haben. Einige berichten, daß sie extrem tief geöffnet haben, nachdem sie unerklärlicherweise ihren Höhenbezug vergessen haben.

(Beispiel: voriges Jahr landete das gesamte dänische Viererteam unter ihren Reserven, nachdem sie unter 1000ft (300m) weiter Punkte klopften; Die AAD´s feuerten. Das Team hat als letztes das Flugzeug verlassen, das zuvor lange auf Absetzhöhe geflogen war. Einige Beobachter machten den Prototyp eines neuen akustischen Höhenwarngerätes verantwortlich, das sich in der Höhe abgeschaltet hatte. Aber war nicht auch Hypoxie ein zusätzlicher Faktor?)

Noch einmal, es wäre zu vereinfachend, den Südpol Unfall ausschließlich auf Sauerstoffmangel zurückzuführen. Es wäre aber auch falsch, seine Rolle dabei zu ignorieren.


Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at

bot="Script" endspan i-checksum="60570" bot="Script" endspan i-checksum="30872" bot="Script" endspan i-checksum="1338" bot="Script" endspan i-checksum="31932" bot="Script" endspan i-checksum="3342" bot="Script" endspan i-checksum="37552"