Leer 2000

LEER 2000 - ODER DIE ERFINDUNG NEUER TRENDSPORTARTEN ...

Obwohl es das Wetter in diesem Jahr nicht gut mit uns gemeint hat, gab es dennoch so manches Highlight, das durch die tiefe Wolkendecke schien. Zum Beispiel wurde ein Weltrekord geflogen ! Nein, nein, wir haben keine 400 Mann in die PINK gequetscht oder einen Vierer mit 95 Punkten geflogen, aber ein passionierter Friseurmeister beschäftigte ein Kamerateam von Sat1 drei Tage lang mit den Dreharbeiten für einen Sprung, der ihn in das Guinness-Buch gebracht hat, denn er hat es geschafft, einem freiwilligen Opfer im Freifall den Kopf zu rasieren. Dieser sah zwar hinterher aus wie aus der Fanta-Werbung, aber wenigstens floss kein Blut.

Ausserdem wurden die zwei Tage, an denen kein Sprungbetrieb möglich war, zur Entwicklung neuer Trendsportarten genutzt, wie beispielsweise dem Xtreme-Hair-Washing, dem Xtreme-zu-McDonalds-Fahring oder dem Xtreme-Kellner-durch-Lachanfall-Verwirring. Wer sich nicht der Körperpflege oder dem Essen hingab, widmete sich dem Xtreme-Abhänging oder dem mega-gefährlichen Xtreme-Origami. Soll doch keiner sagen, wir wüssten uns nicht zu beschäftigen. Trotz wiederholter Aufforderungen weigerte sich jedoch ein nicht namentlich genannter, polnischer Tischler, dessen Identität wir hier schützen wollen, weil Miro ja so schüchtern ist (Oops!), nackt auf dem Tisch zu tanzen, was zumindest die Stimmung der Damenwelt erheblich gehoben hätte.

Auch Einstein konnte dem Leerer Sturm nicht trotzen und musste schmerzhaft den Bruch seines Stengelchens beklagen. Zum Glück brach dadurch nur sein Zelt zusammen und nicht seine Familienplanung.

Das Wetter ermöglichte uns den sprungfreien Besuch von Helgoland, wo die Landung auf der 290 Meter langen Bahn immer wieder spannend ist. Mit aufgeklappter Flipdoor liess sich das Spektakel für die Drei auf den hintersten, kalten Plätzen erschreckend gut beobachten. Die Wellen kommen ganz schön schnell näher, und unter einem zischt Niedersachsen vorbei: Wasser, Wasser, Wasser, Boote, Strand, Steine ... Bremsgeräusch, noch bevor man durch die Klappe die Landebahn sieht. Wir konnten nicht verhindern, dass sich unser "white-knuckle-death-grip" in die Oberschenkel unserer Nachbarn grub. Kaum angekommen schickten wir jemanden los, um die Fähre aufzuhalten, die auf die Hauptinsel führt. Die Ankündigung des Boten, dass gleich 24 Leute erscheinen, die gerade mit dem Flugzeug gelandet sind, wurde nur mit der lächelnden Belehrung des Kapitäns beantwortet, dass es keine Flugzeuge gäbe, die auf Helgoland landen und 24 Personen befördern können. Der Mann kennt eben die PINK nicht. Da man als Kulturbanause auf Helgoland nur Essen und zollfrei Einkaufen kann, traten wir nach drei Stunden die Heimreise an. Jeder von uns hatte einen Schirm dabei, um sich während der Landung anschnallen zu können, daher lag es nah, sich auf dem Rückweg das erneute Trauma einer Landung zu ersparen. Wie nicht anders zu erwarten, hatten nur die weiblichen Springer an Brille und Höhenmesser gedacht, was die holde Männlichkeit wieder einmal völlig abhängig von uns machte. Dazu noch die Warnung: "Denkt an euer Cypress; Leer liegt 1 Meter höher als Helgoland". Der unbändige Ehrgeiz möglichst nah bei der einzigen Person mit einem Höhenmesser zu sein, lässt dann auch trotz aufgeblähter dicker Pullover und Regenjacken und weit aufgerissenen Augen eine Formation möglich werden. Wir müssen wie blinde Kugelfische ausgesehen haben.

Aber wenn gesprungen wurde, kamen auch ein paar schöne Formationen zusammen. Am sonnigen zweiten Wochenende wurden unter Bärchens Regie mehrere 20er mit bis zu vier Punkten geflogen. Denn Bärchen machte eindeutig klar: "Ich bin das Level !" Und dann ist da natürlich noch der erhabene Anblick von Schneemann, dem Luftstreichler. Wenn er durch den Himmel gleitet merkt jeder, dass die Götter mit ihm sind und er eins mit der Luft ist. Leider liessen sich seine urologischen Tendenzen nicht näher ergründen, da niemand sich bereit erklärte am Abend eine Runde Zäpfchen zu spendieren. Aber wenigstens gab es für ihn ja den vibrierenden Sitz neben dem Propeller, was auch unseren rank und schlank gewordenen Organisator Jörg B. aus M.erfreute, der daraufhin seinen PD-170 bis aufs Letzte ausreizte und waghalsig noch unter 300 Metern einen Vollkreis flog.

Nach den Ausflügen nach Borkum konnten selbst 30 Knoten Wind die wetterharten Nordlichter nicht am Springen hindern. Leider musste ich feststellen, dass man zwei starke Männer benötigt, um seine Beine aus dem Schlamm der ach so unscheinbaren Wassergräben zu befreien. Vielen Dank an meine Retter !

Tja, und dann wurde er entdeckt, auf der Tanzfläche der Samstagsfete in der Flugzeughalle, tapsig um Silvia hüpfend: Marcel, der verloren geglaubte, fünfte Teletubbie. Es gibt sie wirklich ! Und dieser spricht holländisch !

Vermisst haben wir Dieter. Auf seinem Grabstein ist ein Fallschirm und er liegt in Hör- und Sehweite der PINK, keine fünf Minuten vom Flugplatz. Und im Flieger, lieber Dieter, ist immer ein Plätzchen für Dich frei.
Deike

 


Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at

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