Die Verwendung der Sicherheitsgurten in der Skyvan
Lange Zeit galt die Verwendung von Sicherheitgurten beim Fallschirmspringen als nicht notwendig, um nicht zu sagen als mit der Natur des Fallschirmspringen nicht vereinbar. Auf Grund einiger Unfälle, bei denen Springer verletzt oder getötet wurden weil sie nicht angegurten waren, wurde die Verwendung von Gurten in Absetzflugzeugen in den USA zunächst empfohlen und dann vorgeschrieben (Obacht, ihr Besitzer von USPA Lizenzen!). Pink hat sofort reagiert und schon vor einiger Zeit ein wie wir meinen sinnvolles, benutzerfreundliches und sicheres System installiert. Da aber Springer so sind wie Springer nun eben mal sind, werden die Gurten nicht immer sinnvoll verwendet.
Zunächst einmal gibt es diejenigen, die die Gurten gar nicht verwenden. Nun, es steht jedem frei, sich selbst umzubringen, aber es steht niemendem frei, bei dieser Gelegenheit auch noch andere umzubringen. Daher ist Folgendes zu bedenken.
Wann werden Gurten typischerweise gebraucht? Nicht, wenn sich das Flugzeug volle Pulle in einen Berg bohrt, dann helfen die besten Gurten nichts. Aber wenn zum Beispiel der Start abgebrochen werden muss, wenn zum Beispiel ein Triebwerk ausfällt oder ein Reifen platzt, ein anderes Flugzeug in die Piste rollt, oder ein Hochöffner aus der vorigen Load mitten auf der Piste landet (schon vorgekommen), und, und, und. Es kommt dann zu hohen Bremsverzögerungen, möglicherweise zu Groundloops, hoffentlich nicht aber vielleicht doch zu Kollisionen mit anderen Fahr/Flugzeugen oder mit einem Wald. Gleich darauf sollte man imstande sein, das Flugzeug zügig zu verlassen für den denkbaren Fall dass sich der Sprit zu exothermem Verhalten entschliesst, mit anderen Worten die Maschine zu brennen beginnt.
Was lehren uns diese Überlegungen? Zunächst einmal, dass man Gurten auf jeden Fall verwenden muss, auch wenn man selbst sehr wohl bereit ist dem Tod ins Auge zu sehen; da aber bei einem besseren Groundloop bei 60 oder 70 km/h ein nicht angeschnallter Springer wie ein Geschoss durch die Pink fliegt und dabei *ganz sicher* andere Springer verletzt oder tötet. Soweit das Grundsätzliche.
In der Pink, die ja als Frachtflugzeug konzipiert ist, gibt es zahlreiche Haltpunkte zum Befestigen der Fracht. Jeder dieser Punkte hält eine Belastung von mehreren Tonnen aus. An diesen Haltepunkten sind die Gurten befestigt. Das Gurtmaterial und die Schnellverschlüsse sind ebenfalls für eine Belastung in der Grössenordnung der Tonnen ausgelegt.
Wenn man sich also in der Pink anschnallt, welchen Gurt aus dem reichen Angebot sollte man dann wählen? Aus der vorher entworfenen Nofallsituation ergibt sich, dass man sich gegen hohe Verzögerungen schützen sollte, also einen Gurt von hinten an sich heranziehen sollte. Zur Erinnerung: hinten ist im Flugzeug dort wo die Tür ist, vorne sitzt der Pilot. Die Springer sitzen normalerweise verkehrt herum, also mit Blick nach hinten. Das vereinfacht die Suche nach den besten Gurt: der ist zwischen den gespreitzten Beinen des Springers zu finden.
Wo befestigen? In den Beingurten, dann verteilt sich die Belastung auf das ganze Gurtzeug. Der Schnellverschluss bedarf zwar der gezielten Handhabung, aber es ist durchaus einfach, einen Beingurt damit einzufangen. Von unten bitte, auf dass der Schnurzug des Schnellverschlusses oben bleibt. Damit man ihn im Notfall schnell wieder öffnen kann.
Schnell wieder aus dem Flugzeug zu kommen ist nämlich das Wichtigste and der ganzen Sache. Es ist nicht sinnvoll, mit Hilfe des Gurtes eine Notlandung zu überleben, nur um dann mit der Maschine zu verbrennen weil man sich mit dem Gurt an diese gefesselt hat. Daher: die Schnellverschlüsse *nie* durch die Gurtstrammer der Beingurten stecke, wenn Spannung am Gurt ist bekommt man sie von dort nie wieder raus. Überlege Dir: es hat gerade gekracht, die Maschine ist zum Stillstand gekommen, der Boden ist 45 Grad geneigt, auf Dir liegen andere Springer, Deine rechte Hand ist gebrochen, Blut rinnt Dir in die Augen weil Du coolerweise Deinen Helm während des Startes nicht aufgesetzt hast, jemand schreit "Es brennt, raus, raus". Und Du kriegst den Gurt nicht auf, weil Du beim Anlegen mehr Wert auf die Bequemlichkeit beim Anschnallen gelegt hast, als auf Schnelligkeit beim Lösen.
Vorschlag für wenn Dir das nächste mal zwischen zwei Loads unendlich langweilig ist und die Pink am Boden steht: Gear anlegen, einsteigen, und bisschen herumprobieren. Zum Beispiel ist es möglich, die Schnüre der Schnellverschlüsse so in diese einzufädeln dass sie nicht mehr zu öffnen sind. Ausprobieren und vermeiden. Bringe Spannung auf den Gurt indem Du Dich mit den Beinen an der Rumpfwand abstösst. Geht er immer noch auf? Leg Dich him und rolle weg, der Gurt ist jetzt hinten am Beingurt. Wo ist der Schnurzug jetzt? In welche Richtung muss man ziehen? Kommt man mit der anderen Hand ebenfalls an den Schnellverschluss?
Und so weiter, und so weiter. Heisser Tip: Hookknife. Hättest Du in der Panik daran gedacht?
Weitere Vorschläge werden gerne entgegegenommen.
"AL" Albrecht, einer der Vordenker