Noch ein Flugzeugabsturz in Virginia

Am Sonntag, den 14.April 96, wurde ein Springer getötet und einige andere, darunter auch der Pilot, verletzt, als eine sich vorzeitig öffnende Hauptkappe das Leitwerk einer Cessna 206 wegriß und so einen Absturz aus 3000m verursachte. Der Unfall geschah etwa 50 Meilen südlich von Washington,DC, im Hartwood Paracenter, Hartwood, Virginia; dies war der zweite tödliche Flugzeugabsturz in Virginia in sieben Monaten.

Als sich die Springer Chris Reordan, Charles Duelfer und Scott Kates sich zum Aussteigen fertigmachten, löste sich Reordan´s Handdeploy beim Hinausklettern und der Hauptschirm begann sich über den horizontalen Stabilisator (Querruder) zu entfalten. Der Pilot Tim Miller verlor die Kontrolle über die Maschine, kurz nachdem das gesamte Heck bei der Tankleitung abgerissen war. Bis auf einen konnten alle Springer das trudelnde Flugzeug verlassen. Kates, der als letzter aussteigen sollte, wurde durch die heftige Rotation im Heck gefangen und starb beim Aufprall knapp nördlich des Flugplatzes.

Zwei Springer, die bereits hinausgeklettert waren, kamen sauber vom Flugzeug weg. Reordan, dessen Hauptschirm das Heck abgerissen hatte, landete sicher unter diesem Schirm. Duelfer wurde kurz unter der rechten Tragfläche des radschlagenden Fliegers gefangen; sein Gurtzeug war voll blauer Farbe. Er kam trotzdem frei und landete unter seinem Hauptschirm. Miller, der Pilot, wurde in etwa 2400m freigeschleudert, und konnte seien Piloten-Rettungsschirm aktivieren; es war sein erster und einziger Sprung. Er erlitt schwere Kopf- und Brustkorbverletzungen vom rotierenden Cockpit und bei seiner haarigen Landung in einem abgeholzten Waldstück; er wird sich jedoch erholen.

Harry Schoelpple, der Besitzer der Dropzone von Hartwood, glaubt, daß die vorzeitige Öffnung des Schirmes vermeidbar gewesen wäre. "(Reordan) verwendete ein Zero-Porosity- Handdeploy in einer elastischen Spandex-Tasche", berichtet Schoelpple. " Dieses ist wahrscheinlich beim Hinausklettern aus der Tasche gerutscht."

Die Kombination eines kleinen Handdeploys, aus flutschigem, langhaltenden Zero-Porosity- Material, mit einer herkömmlichen Spandex- Tasche mag zu dem Problem beigetragen haben. Nach längerer Benutzung dehnt sich Spandex aus und das Material darin kann lockerer herumrutschen. Die meisten Throw-away-Handdeploys dehnen sich nach dem Packen in der Tasche aus und können bei abrupten Bewegungen, unabsichtlicher Berührung oder einfach beim Festziehen der Beingurte herausrutschen, wenn die Öffnung der Tasche sich dabei nicht direkt unter dem Griff verengt.

Schoelpple hat inzwischen eine Cessna 182 als Ersatz für die 206 beschafft, der Sprungplatz nahm kurz nach dem Unfall den Betrieb wieder auf.

NTSB und FAA untersuchen den Unfall noch. Obwohl Kates getötet wurde, als er ein Absetzflugzeug verlassen wollte, wird dieser Unfall eher als Flugzeug-, denn als Fallschirm-Unfall gewertet werden.

Eine genaue Analyse, warum der Schirm sich frühzeitig geöffnet hat, wird vielleicht nie möglich sein; Springer sollten jedoch vermehrt daran denken, ihre Ausrüstung vor dem Einsteigen und vor dem Exit genau zu überprüfen.


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