Kurzbesuch in The Gambia von Thomas im November 2007

 

Als ich im Juni die Woche in Gambia war, lief eigentlich ziemlich Alles wie geplant. Darauf haben wir uns entschlossen das grosse Go auszugeben, Flüge zu buchen und reservieren und Anmeldungen von den Springern und Schülern entgegen zu nehmen.

So war es vor 6 Jahren mit Tunesien auch. In Tunesien allerdings brauchte es zwei Anläufe, bis Tozeur die eindeutige Entscheidung war. Und sie hat dann auch gut funktioniert.

Daher machte mich der erste Anlauf mit zunehmender Zeit ein bisschen unsicher. So einfach kann es ja doch nicht gehen. Bei Gesprächen mit der Crew kam immer klarer heraus, dass zumindest ein zweiter Besuch am Flugplatz und bei den Behörden in The Gambia ganz schlau wäre. Inzwischen gibt es schon den Winterflugplan, die Flugzeiten haben sich gegenüber dem Sommerbesuch etwas geändert, die Boeing 757 fliegt jetzt am Dienstag spät Abends nach Banjul, bleibt mit Crew den ganzen Mittwoch dort stehen und fliegt Mittwoch gegen Mitternacht wieder zurück nach Frankfurt. Das würde also heissen 7 volle Tage um alles perfekt zu machen.

Meine Idee: Eines der beiden Kinder hinunter zu schicken stösst auf wenig Begeisterung bei Beiden. Uschi hat schon einen länger geplanten 2 Wochen-Urlaub irgendwo im Süden angesagt, wo genau liess sie mich nicht wissen und Wuzi als junger Vater ist auch nicht sehr angetan eine Woche fort zu fahren. So muss wohl oder übel ich mich hergeben, mich eine Woche in die Sonne zu legen, pardon eine Woche in The Gambia zu arbeiten. Ende November erscheint eine gute Zeit. Kaum habe ich mich damit abgefunden, stellt sich heraus, dass aufgrund neuer Vorschriften und unseren Vorhaben eine Personenbeförderungsbewilligung zu erlangen mit den Behörden nicht alles so rund läuft wie geplant. Mehr Handbücher müssen geschrieben werden, mehr Papier für die Behörden produziert werden. Unser geflügeltes Wort ist: Der Winter dürfte streng werden, die Behörden brauchen mehr Papier, falls die Heizung ausfällt, dass Heizreserven da sind.

Also Plan B: Nachtflug nach Westafrika, ein Tag in der Luftfahrtbehörde, vielleicht ein Abstecher zum Meer, nächste Nacht wieder zurück. Meine Begeisterung schwindet, die der Kinder ist nicht mehr zu finden. Bevor sie ganz weg ist, buche ich halt mit meinen Bonusmeilen einmal Wien-Frankfurt-Banjul und zurück.

Am 13.11.07 abends ist es dann soweit. Um 19.00 Uhr in Schwechat mit einem schnittigen Canadair-Jet (40 Sitze) nach Frankfurt und wie ich da so drinnen sitze, denke ich mir, dass es schon fein wär, wenn man so einen Jet mit eigenem Kühlschrank, Sofa, Bett und Dusche hätte und gleich damit nach Banjul fliegen könnte. Beim Durchblättern der Zeitschrift Business Aviation, die ich mir aus dem Büro mitgenommen habe, .finde ich die bessere Lösung: Die neue Falcon, 3-strahlig, Reisegeschwindigkeit Mach 0.86. Da wär ich von Wien in etwas über 4 Stunden dort. In der Klassenlotterie spiele ich ja schon seit 25 Jahren, die beste Möglichkeit sind 10 Mio.Euro, da könnte ich mir gerade 20 % von dem Jet kaufen. Gut, dass es Condor gibt und Bonusmeilen. So kommt man mit 40.000 Meilen und 280 Euro Kerosinzuschlag, Taxen und Spesen leistbar in den nahen Süden.

In Frankfurt angekommen der Blick auf die Abflugtafeln. Zuerst der Gedanke: Solche Displays hätte ich auch gern für unser Manifest. Den Condor-Flug nach Banjul habe ich schnell gefunden, 23.30 Uhr und ein Stückchen rechts daneben das hässliche Wort "verspätet" mit der hässlichen Uhrzeit 3.00 Uhr. Ein Umstand, den ich mit schlecht zitierbaren Worten für feste Körperausscheidungen und zugehörige Körperöffnungen kommentiere. Gut angefressen (österreichischer Ausdruck für: sauer) suche ich den Check-in-Schalter von Condor in der Abflughalle, den ich auch für eineinhalb Stunden vor dem Abflug sehr vereinsamt finde. Der Flug wird doch nicht abgesagt sein.... Der freundliche Condor-Mitarbeiter klärt mich auf, dass der Flughafen Banjul in der Nacht überraschend gesperrt wurde wegen Arbeiten auf der Landebahn, der Abflug pünktlich um 3.00 Uhr erfolgen wird und ab 11.30 Uhr am Gate Snacks und Getränke ausgegeben werden. Wo denn die anderen Passagiere seien ? Die haben alle schon eingecheckt, ich sei der Letzte. Am Weg zum Gate entfallen mir noch einmal oben angeführte Ausdrücke, gleichzeitig fällt mir aber auch auf, dass am Weg dort hin es Sitzbänke gibt, die waagrecht, gut gepolstert und zwei Meter lang sind. Für so etwas bezahlt man in einem Flugzeug bis zu 4000 Euro pro Nacht (dort verkaufen sie diese Bänke unter First oder Business class). Ein kurzer Check am Gate überzeugt mich, dass ich mir jetzt noch zwei Warsteiner einfüllen werde und mich auf die 4000 Euro-Bänke zurück ziehen werde. Der letzte Gedanke ist, dass es in Gambia am Strand wohl ähnlich gemütlich sei, nur wärmer und die Biere lassen mich das Meer rauschen hören.

"Kommen Sie auch mit nach Banjul ?" - wieso ich bin ja gerade erst am Strand eingeschlafen ! Dafür scheinen mir aber kalte Scheinwerfer von Frankfurt Airport in die Augen. Was ? Wohin ? Banjul ? Ja, ich komme ! Aus dem Tiefschlaf gerissen ums Eck zum Gate, niemand mehr da, die übermüdete Condor-Mitarbeiterin begrüsst mich freundlich mit "Da sind Sie ja Herr Lewetz, sie sind der Letzte". Lewetz stimmt, der Letzte ist mir auch recht, solang sie mich mitnehmen. Kurz nach dem Start pünktlich um 3.00 Uhr noch ein Warsteiner, das nächste Erwachen wieder aus dem Tiefschlaf "Können sie bitte ihre Rücklehne senkrecht stellen, wir sind im Anflug auf Banjul." Abendessen und Frühstück habe ich verpennt. Die Landung glückt, ich hätte es nicht besser können, zumindest mit einer B757. Die Sonne scheint.

Aja, hier habe ich vergessen zu erwähnen, dass in Wien vor zwei Tagen Schneechaos war, inzwischen hat es geregnet und die flüssige braune Flitze zischt durch Wien. In Frankfurt lag noch etwas Schnee zwischen den Landebahnen und Rollwegen. Banjul - Aussentemperatur +28°C, steht auf den Monitoren im Flugzeug.

Die Einreise probiere ich ohne Visum im Reisepass, obwohl dies eigentlich für Österreicher gefordert ist. Der freundlische schwarze Immigration-Officer checkt meinen Pass, schaut mir in die Augen, meine Argumentation, warum ich kein Visum habe, möchte ich gerade los lassen. Er reicht mir meinen gestemptelten Pass mit den Worten "Welcome in The Gambia.". In einer Stunde habe ich den Termin Catherine, der Operations Managerin vom Flugplatz, der auch vom Civil Authority betrieben wird. Ich beschliesse meine Füsse zu vertreten hinüber zum CAA-Hauptquartier. Die Wärme tut mir gut, aber nach 10 Minuten Fussmarsch rinnt mir es schon überall herunter. Im Hauptquartier erklärt man mir, Catherine hat ihr Büro im Flughafengebäude, gleich neben dem Immigration-Office. Spaziergang zurück, die Gedanken beim flüssigen schnee-matschigen Wien und schon kann ich die Temperatur, inzwischen +32°C, geniessen. Catherine begrüsst mich sehr freundlich, ihre Mitarbeiterin greift zum Telefon und binnen 10 Minuten sitzt alles was Rand und Namen am Flughafen und der Luftfahrtbehörde hat, bei uns im Besprechungszimmer. Ich umreisse nochmals kurz unser Vorhaben, zeige ein paar Freifall-Videos, die Leute sind begeistert, was ich denn noch alles brauche. Eine Landefläche, gleich daneben eine Boarding-Area nahe einem Wasserhahn und einer Toilette. 


Operations Director, Security Manager, Fire Chief, Preparedness Coordinator,ATS Manager bei der Besichtigung der Landewiese

Die Delegation beschliesst eine Ortsbesichtigung. Drei verschiedene Locations werden mir angeboten, die neben der Feuerwehr ist perfekt für uns. Ein Schatten muss noch organisiert werden. Die Landefläche ist 1000 x 200 Meter, die Skyvan kann unmittelbar daneben parken und boarden, der Spritwagen kommt hierher zum Tanken.

Abstellfläche, die Cessna 337 parkt schon länger hier und der Zustand erinnert ein bischen an die zwei B747 in Tozeur.

Der Smalltalk mit dem Chef der Einwanderungsbehörde ergibt, dass ich eigentlich ein Visum hätte haben müssen und wenn nicht, hätte ich eins kaufen müssen, was vor Ort kein Problem ist, aber bei Leuten, die mit Airlines ankommen geht man davon aus, dass sie Touristen sind und es weniger Arbeit ist ihnen kein Visum zu verkaufen. Was denn sein Mitarbeiter gesagt hätte ? Meine Antwort: "Welcome to the Gambia" verblüfft ihn nicht. Er meint, sie hätten seit Jahren kein Touristenvisum verkauft und freuen sich über jeden der kommt. Hier dürfte es also keine unüberwindbaren bürokratischen Hürden geben.

Um 13.00 Uhr sind alle Fragen gestellt, alle Antworten gegeben, jeder ist glücklich und freut sich auf unser Kommen. Der Flugsicherer sieht keine Hürden, möchte gerne einen Tandemsprung machen, Catherine ist sich noch nicht sicher ob sie will und der Chef der medizinischen Versorgung des Flugplatzes ist sich sicher, dass er das nicht will und auch nicht mitfliegen und auch nicht das Flugzeug von innen sehen. Und wenn sich jemand weh tut, dann hilft er uns gerne, aber nicht im Flugzeug. Besprechung beendet. Alles gut. Das Taxi bringt mich zum Hotel Senegambia, wo ich persönlich die drei Swimmingpools, das Meer und die Bar inspiziere mit folgendem Ergebnis:

Das Pool nahe der Lobby ist fast perfekt, vielleicht ein bisschen zuviel schatten-spendende Palmen. 

Ausserdem beunruhigen die Geier in naher Umgebung ein bissl. 

Das Beach-Pool ist mit 28°C deutlich zu warm und hat zuwenig schatten-spendende Palmen.

Das Meer mit 26°C eine gute Temperatur und gar keine Palmen im Meer...haha !!!

An der Bar gibt es alles was Skydiver brauchen, das Gambia-Bier "Jul-Brew" wird mit +7°C (meine Armbanduhr hat einen eingebauten Thermometer, die Temperaturmessung wird vom Kellner kritisch beobachtet) serviert, innerhalb von 10 Minuten steigt diese jedoch auf knapp 20°C. Fazit: Schneller trinken oder unter die Palme mit dem Bier.

Am späteren Nachmittag besuche ich noch die zwei Busunternehmen, die uns die ca.15 Minuten-Strecke zwischen Hotel Senegambia und Flugplatz transportieren sollen. Beide versprechen mir einen besseren Preis per e-mail nach Hause zu schicken. Funktionieren wird Transfer offensichtlich schon.

Am Weg zurück zum Senegambia, inzwischen ist mir wirklich warm, beschliesse ich für mich persönlich, dass ich den Bustransfer vom Flugplatz ins Hotel täglich auslassen werde, da der Strand eine ideale Landefläche für meinen neuen Mamba von Aerodyne hergibt. Vor dem Hotel gibt es 500 Meter Tourismusmeile mit allem, was man so braucht und nicht braucht. Begonnen vom Mietwagen über Wäscherei, jede Menge Bars, Souvenirs, Steakhouse und Pizzeria Ali Baba. Genau dort eine Pizza Salami und zwei Glas Rotwein, der in Zimmertemperatur etwas zu warm serviert wird. Das Leben hier spielt sich unter freiem Himmel ab und ich kann mir gut vorstellen, wie alle diese Restaurants innerhalb weniger Tage von ein paar Dutzend Fallschirmspringern umgebaut und umerzogen werden.

20.00 Uhr - ein Taxi und von diesen gibt es Hunderte, Fixpreise kaum bis nicht verhandelbar - bringt mich zum Flugplatz. Check-in. Nachdem sich die Methode Warsteiner bewährt hat, zwei Jul-Brew, die zwei Stewards im Flugzeug wundern sich woher sie mich kennen. Sie können es nicht glauben, dass ich heute in der Früh mit ihnen angekommen bin, noch ein Warsteiner kurz nach dem Start tut seine Wirkung und die Worte "Können sie bitte ihre Rücklehne senkrecht stellen, wir sind im Anflug auf Frankfurt" klingen irgendwie vertraut und holen mich zurück in die Wirklichkeit. Der Flug nach Wien verläuft ereignislos, im Büro eröffnet mir Karin, dass in der Nacht eingebrochen wurde und zwei Laptops fehlen, die Temperatur sinkt auf -2°C und es beginnt zu schneien.

Fazit: Für einen Eintagesurlaub ist The Gambia zu weit.

In knapp 65 Tagen werde ich mir einen 3 Wochen-Urlaub mit viel Springen in Gambia gönnen, hoffentlich bleibt es bis dahin ein Europa kalt und schneit recht viel.

   


[Pink Skyvan Home]  [terminkalender] [dropzones] [pinknews] [impressum] [kontakt] [email] [sitemap]
[Pink Skyvan] [Tandemspringen] [Fallschirmausbildung] [ Ballonfahren] [Skystunts.com] [
fallschirmspringer.at][kunstfliegen] [aircraft-service-klatovy][Skydiving english] [Parasutismus, czech]

Site Meter