Darwin-Award für Fallschirmspringer

Von Peter Fürst

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus dem "SLIDER 2/98" dem deutschsparchigen Fallschirm-Magazin aus der Schweiz.

Der Darwin-Award ist eine Auszeichnung, die posthum denjenigen Zeitgenossen verliehen wird, die ihre Erbsubstanz auf möglichst dumme, lächerliche, peinliche oder saudoofe Art und Weise aus dem Genpool der Menschheit entleeren. Der heißeste Anwärter ist momentan ein Vegetarier, der sich nach einer Bohnendiät in seiner Wohnhöhle buchstäblich zu Tode furzte.

Wenn ich in letzter Zeit in Fallschirmheften die Unfallberichte gelesen habe, gibt es in unserem Sport auch ein paar vielversprechende, beziehungsweise für immer verstummte Anwärter auf diese Auszeichnung. Da wären mal die drei Typen, die mit 3000 m Anlauf wunderschöne Schnee-Engel in das ewige Eis der Arktis gezaubert haben. Der einzige Überlebende dieses Abenteuers grinst uns aus einer Cypres-Reklame entgegen.

Oder der Hot-Shot, der etwas von Base–Jumps gehört hatte. Kurz entschlossen kraxelte er mit seiner normalen Fallschirmausrüstung auf einen fast 300 m hohen Antennenmast und stürzte sich in die Tiefe. Nun, sein Schirm schaffte es nicht einmal, aus dem Pod zu kommen.

Ein Hilfsschirm mit Gummischnur drin (Bungiehandy) zieht einfach sehr schlecht im Lowspeedbereich.

Es gäbe sicher noch weitere Fälle von tragischer Dummheit, die eine Gemeinsamkeit aufweisen: Alle Opfer haben etwas ausprobiert, auf das sie gar nicht oder schlecht vorbereitet waren. Sie haben das Nike–Motto – Just do it ! – zu wörtlich genommen. Gedankenlos, hirnlos, skrupellos, leblos. Leider scheint im Moment eine ganze Nike–Turnschuh-Generation mit dem "Just do it!"-Lebensmotto heranzureifen. Etwas neues auszuprobieren, neugierig zu sein ist eine gute Sache, sich vorher zu informieren und vorsichtig, vielleicht unter Anleitung an das Unbekannte heranzutasten, eine bessere. Mir sträuben sich jeweils die Nackenhaare, wenn ich junge Freeflyer mit knapp 200 – 300 Sprüngen in das Flugzeug einsteigen sehe, mit teilweise völlig ungeeigneten Ausrüstungen. Womöglich noch den Hilfsschirm am Beingurt (ROC. Rear of legstrap).

Probiert neue Sachen aus, seid innovativ, verlaßt die Froschbauchlage, aber begebt Euch nicht außerhalb von Euren Fähigkeiten und außerhalb von Sicherheitslimits. Fragt die umgefärbten Typen, die cool mit ihren Oakley-Brillen in der Dropzone herumhängen. Benutzt die angebotenen Kurse der rastalockigen Lebenskünstler. Macht Sprünge mit geldgierigen Videomännern, holt Euch Informationen aus dem Parachutist, dem Paramag oder Skydiving. Zieht Euch News aus dem Internet rein, aber werdet nicht Anwärter auf den Darwin-Award.

Cool sein heißt nicht, im Kühlraum einer Leichenhalle in einer Schublade zu liegen. Cool ist, wer sich Schritt für Schritt Fähigkeiten und Können aneignet, das er später mit spielerischer Leichtigkeit und verblüffender Sicherheit vorzeigen kann. Ob er dazu gefärbte Haare, bunte Kleider und megateure Sonnenbrillen braucht, ist nebensächlich. Coolness kommt nicht aus diesen Accessoires, sie kommt aus unzähligen Trainingssprüngen und dem Wissen um das Gebiet, in dem man sich bewegt.

Gegenstände sind nicht magisch, ein kleiner Schirm macht aus Dir keinen besseren Springer, ein superkleines Pack sagt Dir nicht wann Du ziehen sollst, ein flashing Ditter oder Time Out verhindert keine Freifallkollisionen, ein Cypres hilft Dir nicht bei einem zu tiefen Hookturn. Es sind Deine Fähigkeiten diese Gegenstände und Hilfsmittel richtig einzusetzen, Dein Wissen um Gefahren und Risiken, Deine Vorsicht, Deine Lernfähigkeit, die Dich zu einem besseren Springer machen.

Just do it, but think before.

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