CYPRES Rettung Mai 1997

Cypres Rettung im April 1997

Vorgeschichte:

 Am 19.4.1997 packte mein Sprunglehrer meine Reserve, wobei er die schon fällige CYPRES-Batterie auswechselte. Ich absolvierte an diesem Tag meine ersten 3 Sprünge in diesem Jahr, wobei ich den dritten Sprung mit einem Schul–MANTA durchführte. Bei diesem Schirm ist das Handdeploy nicht wie bei meinem am Beingurt, sondern auf einem zusätzlichen Beckengurt angebracht.

 Verlauf des Zwischenfalls:

Am 21.4.1997 hatte ich wieder eine Möglichkeit, mit einem eigenen Schirm (PARA FOIL 272, SWIFT Reserve) zu springen. Um 10:00 Uhr startete die Maschine mit zwei Tandemteams und mit mir. Um ca. 10:20 Uhr befanden wir uns dann auf 3.600 m – Exit, ich verließ als letzter die Maschine.

Da ich schon längere Zeit keinen hohen Sprung mehr gemacht hatte, führte ich einige Kreise, Saltos und zum Abschluß einen Flash durch. Auf ca. 1.200 m entschloß ich mich, den Schirm zu öffnen.

Der erste Griff zum Handeploy ging ins Leere, mir schoß kurzzeitig durch den Kopf, daß das Handeploy nicht wie am Samstag am Beckengurt, sondern am Beingurt ist.

Ich führte den nächsten Versuch durch und wieder ging die Hand ins Leere, woraufhin ich das Ganze mit "Hinschauen" versuchte, zu meinem Schrecken konnte ich kein Handeploy sehen (ich weiß auch bis jetzt nicht, warum; war der Gurt verrutscht?, oder hatte die Jacke die Sicht verdeckt?)

Zuerst konnte ich das nicht fassen, dann schoß mir durch den Kopf, daß ich vielleicht eine Beschattung haben könnte, denn das Handeploy könnte durch den Luftstrom bereits hinausgerissen worden sein. Meine Reaktion auf diesen Gedanken hin war, daß ich zu den Schultern griff und mein Gurtzeug rüttelte bzw. eine leichte Instabilität verursachte. Leider mußte ich feststellen, daß sich auch dadurch nichts tat. Der nächste Gedanke war, ich muß die Reserve ziehen – gemäß Ausbildung blickte ich auf meinen Brustkorb und griff mit beiden Händen zu den Griffen. Durch die flatternde Jacke war mir aber die direkte Sicht zu den Griffen versperrt.

Mit der rechten Hand erwischte ich zuerst das Messer, welches oberhalb meines Trenngriffes angebracht war und zog. Als ich den Irrtum bemerkte, wurde mir klar, daß ich nicht mehr viel Zeit habe, was natürlich Unbehagen auslöste. Ich konzentrierte mich und versuchte, den durch die Jacke verdeckten Trenngriff zu ziehen, was mir dann auch endlich gelang – ich hatte ihn in der Hand. In der Zwischenzeit versuchte ich auch mit der linken Hand den Reservegriff zu finden und zu ziehen.

Einerseits durch das Mißgeschick mit dem Messer und mit der Jacke auf der rechten Seite hatte ich meine Aufmerksamkeit verstärkt auf diese Seite gelenkt und andererseits versperrte auch hier die Jacke die Sicht bzw. den Zugriff. Außerdem hatte ich eindeutig zu dicke Handschuhe an und somit zuwenig Gefühl in den Händen. Wie ich dann endlich auch diesen Griff in der Hand hatte, spürte ich auch schon die Wirkung der erhofften Reserveschirmöffnung. Ich habe den Reservegriff nicht mehr voll gezogen, da die CYPRES aufgrund der geringen Höhe bereits aktiviert hatte. Ein Glücksgefühl durchströmte mich – ich hänge. Ein Blick in die Kappe bestätigte mir, daß die Reserve in Ordnung war... Daraufhin orientierte ich mich kurz und stellte fest, daß ich mit dem Wind fahre, in der rechten Hand hatte ich noch immer den Trennpolster. Ich griff zu den Steuerleinen, führte eine 180° Wendung durch. Ich hatte nur mehr ein paar Meter bis zur Landung, da ich noch immer sehr schnell unterwegs war, entschloß ich mich für eine zusätzliche Landerolle.

Nach der Landung stand ich sogleich wieder auf, meine Knochen waren alle ganz. Ich führte die Schirmaufnahme durch. Den Trenngriff hatte ich noch immer in der rechten Hand, der Kasperl lag auch gleich daneben.

Durch das Adrenalin empfand ich nur ein Glücksgefühl. Letztendlich nahm ich den Vorfall unerwarteter Weise locker und gelassen hin.

Resümee:

Für mich gibt es folgende Ursachen:

In diesem Fall hat mir die CYPRES mit großer Wahrscheinlichkeit das Leben gerettet. Kritik, daß man nicht das Handeploy findet, oder so lange für ein Notverfahren benötigt, ist wohl grundsätzlich ungerechtfertigt. Auch die Zeit für Maßnahmen/Notverfahren (von ca 1100 – 300 m) lassen Unverständnis aufkommen.

Ich persönlich hätte vermutlich bei anderen auch so gedacht, aber aus dieser Erfahrung weiß ich nun, daß so etwas viel schneller passiert, als man sich erwartet. Letztendlich kommt ein Unglück selten alleine.

Als generelle Erkenntnis kann ich jetzt wohl behaupten:

Die CYPRES kann dein Leben retten

und sollte heute von jedem Springer verwendet werden.

SgH


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