Unfallberichte aus dem Parachutist der United States
Parachute Association
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 48/weiblich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 2000+/200
Zeit im Sport: 17 Jahre
Gurtzeug: Rigging Innovations Talon FX
Hauptschirm: Icarus Extreme FX 104; Wing Loading 1,8:1
Reserveschirm: Aerodyne Smart 150
AAD: nein
Helm: Cookie Composites ROK
RSL: Nein
Alter/Geschlecht: 32/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 5772/330
Zeit im Sport: 11 Jahre
Gurtzeug: Rigging Innovations Talon FX
Hauptschirm: Icarus Extreme FX 98; Wing Loading 2,1:1
Reserveschirm: Aerodyne Smart 150
AAD: nein
Helm: Cookie Composites ROK
RSL: Nein
Todesursache beider Springer: Harter Aufschlag nach Kappenkollision
Unfallhergang:
Diese zwei Springer waren Mitglieder eines Canopy Formation Teams von acht
Personen, die bei einem Trainingssprung verschiede Formationen übten indem sie
an einander dockten und in unmittelbarer Nähe von einander flogen.
Während das Team eine keil-förmige Formation aufzubauen versuchte,
kollidierten drei Springer und die Schirme verwickelten sich. Zeugen beschrieben
die Höhe zu diesem Zeitpunkt als "höher als 1500m (5000ft)". Ein
Springer konnte sich sofort befreien und seinen Schirm normal landen. Die
anderen zwei Schirme blieben verwickelt. Durch die Verwicklung kollabierte ein
Schirm vollständig, der andere Schirm blieb teilweise tragfähig. Die Springer
begannen schnell zu sinken und sich schnell um die verwickelten Schirme zu
drehen. Da die Fangleinen beide Springer und ihre Gurtzeuge umwickelten, konnte
sich keiner der beiden befreien oder den Reserveschirm betätigen. (Verwickelte
Springer sollten sich vor der Aktivierung ihres Reserveschirms befreien, da sie
ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter verwickelt bleiben und die
Situation eventuell verschlechtern). Zusätzlich spekulierte ein Zeuge, das Paar
von oben während seiner Schirmfahrt beobachtet hatte, dass einer der
beiden eventuell durch die schnelle Drehung bewußtlos geworden sein
könnte.
Die Springer schlugen in einem Feld auf. Sie waren noch mit den Fangleinen und
den Schirmen verwickelt. Erste Hilfe wurde sofort durchgeführt. Ein Springer
wurde noch am Unfallort für tot erklärt, der andere verstarb auf dem Weg ins
Krankenhaus.
Schlussfolgerung:
Kappenkollisionen bei Canopy Formation Sprüngen kommen nicht mehr so
häufig wie früher vor, als die Springer noch verschiedenste Schirme mit
verschiedenen Wing Loadings verwendeten. Die Unfälle, die passieren, haben
meistens ein glückliches Ende, da für CF spezielle Schirme und
Trainingsmethoden verwendet werden.
Die meisten Canopy Formation Teams verwenden größere und gutmütigere Schirme
als die, die bei diesem Sprung verwendet wurden. Das Team in diesem Fall
verwendet spezielle cross-braced Schirme mit Wing Loadings um 2:1 um die
Formationen schnell aufbauen zu können. Es wurde berichtet, dass auch andere
Teams ihre Schirmauswahl in diese Richtung treffen.
Der Nachteil ist, dass diese Schirme bei Verwicklungen und Kollisionen viel
aggressiver reagieren, wie dieser Fall deutlich zeigt. Diese Schirme können
Springer daran hindern, ihr Notverfahren so durchzuziehen, wie sie das mit
größeren, gutmütigeren Schirmen tun könnten.
Keiner der beiden Springer hatte ein AAD (Automatisches Öffnungsgerät der
Reserve), die Sinkgeschwindigkeit betrug aber wahrscheinlich weniger als
notwendig gewesen wäre um dieses auszulösen. Selbst wenn die Springer ein AAD
gehabt hätten, und dieses auch ausgelöst hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit
einer freien Reserveöffnung relativ gering gewesen, da die Fangleinen um beide
Springer gewickelt waren.
Springer mit kleinen, schwer beladenen Schirmen müssen damit rechnen, dass
Fehlöffnungen, Kappenkollisionen und Verwicklungen viel aggressiver und
brutaler ausfallen. Notfallverfahren müssen gegebenfalls angepasst werden.
Alter/Geschlecht: 68/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 3600+/nicht bekannt
Zeit im Sport: 30 Jahre
Gurtzeug: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Stiletto 150, Wing Loading: 1,3:1
Reserveschirm: nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
Helm: Parasport Italia Z1
RSL: Nein
Todesursache: Aufprall nach Durchführung des Notverfahrens in
niedriger Höhe
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen 12-way Wingsuit Sprung öffnete dieser Springer in
ungefähr 1000m (3000ft) über Grund seinen Schirm. Zeugen berichteten, dass
sich der Hauptschirm direkt nach der Öffnung schnell zu drehen begann. Der
Springer befand sich in einer schnellen Drehung bis er sein Notverfahren
einleitet. Er trennte den Hauptschirm in ungefähr 30m (100ft) über Grund ab
und befand sich dann wieder im Freifall. Er verstarb sofort beim Aufprall auf
dem asphaltierten Rollweg.
Schlussfolgerung:
Nach dem Unfall stellten die Ermittler fest, dass bei der Hauptkappe beide
Vorbremsungen gesetzt waren und es war nicht klar ersichtlich, weshalb die
schnelle Drehung eingeleitet wurde. Das Skydiver's Information Manual empfiehlt
in der Section 5-1 bein unkontrontollierten Drehungen die Durchführung des
Notverfahrens für USPA B- bis D-Lizenzinhaber bis zu einer Höhe von mind. 550m
(1800ft) über Grund (Schüler und A-Lizenzinhaber 760m/2500ft). Die Ermittler
konnten nicht feststellen, weshalb der Springer so lange mit dem Abtrennen des
Hauptschirmes gewartet hatte. Eventuell hatte er durch eine sehr harte Öffnung
vorübergehend nicht die Möglichkeit oder er fand sein Trennkissen nicht.
Wingsuits sind so designed, dass das Notverfahren auch dann durchgeführt werden
kann, wenn die Flügel unter den Armen noch eingehängt sind. Trennkissen für
die Arm-Flügel befinden sich an der Hüfte, damit der Springer im Notfall die
Flügel vom Körper abtrennen kann. Sobald die Flügel abgetrennt sind, kann der
Springer sich normal bewegen. Die Ermittler fanden beide Flügel noch
eingehängt. Sie ließen sich am Boden leicht abtrennen. Wie gesagt verursachen
die Flügel aber für die Durchführung des Notverfahrens keine Probleme.
Dieser Springer benutzte einen Höhenmesser, der am Handgelenk befestigt war.
Offenbar war ihm aber nicht bewusst, dass er sich bereits in niedriger Höhe
befand, als er abtrennte. Wenn man sich in einer so niedrigen Höhe unter einem
schnell Drehenden Hauptschirm befindet, wäre ein Dazuziehen der Reserve ohne
vorheriges Abtrennen die bessere Lösung. Im SIM Section 5-1 steht, dass unter
einer bestimmten Höhe sicherer ist, zu einer teilweisen Störung die Reserve
dazu zu ziehen ohne davor abzutrennen.
Der Hauptschirm des Springers war ein Schirm mit elliptischem Design und einem
Wing Loading von 1,3:1, der schnell Höhe abbaut und sich schneller Dreht als
größere, gutmütigere Schirme. SIM Section 6-9 emfiehlt, dass
Wingsuit-Springer gutmütige Schirme mit gleichbleibenden Öffnungen verwenden.
Das Gurtzeug war mit einem AAD (Automatic Activation Device) ausgestattet, der
Springer erreichte aber die notwendige Singgeschwindigkeit von 35m/s nicht, um
es auszulösen. Zusätzlich fand das Abtrennen viel zu niedrig statt. Eine
Reserve Static Line (RSL) war nicht installiert. Es mag jedoch bezweifelt
werden, ob die RSL nach dem Abtrennen die Reserve noch ausreichend Zeit gehabt
hätte sich vollständig zum entfalten.
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