Unfallberichte aus dem Parachutist der United States
Parachute Association
aus dem Englischen von Uschi Iragorri
Alter/Geschlecht: 39/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 6000+/1050
Zeit im Sport: 20 Jahre
Gurtzeug: Velocity Sports Infinity
Hauptschirm: Precision Xaos27 88; Wing Loading 2,25:1
Reserveschirm: Precision R-Max 118
AAD: Airtec Cypres 2
Helm: Rawa
RSL: Nein
Todesursache: Kopf Verletzung nach Baumlandung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall in einer 10er Gruppe öffnete der Springer
seinen Hauptschirm in ca. 600m (2000ft) über Grund. Der Öffnungspunkt befand
sich weit von der Landezone entfernt und der Springer musste außenlanden. Die
Landezone bestand aus einem Polo-Feld und einem Strand, die durch eine Reihe von
Palmen getrennt waren. In ungefähr 150m (500ft) begann der Springer mit einer
180 Grad Drehung um gegen den 6-11m/s starken Wind zu landen (15-25mph).
Im Unfall-Bericht wird festgehalten, dass der Springer plötzlich in Panik
geraten zu schien und sich nicht entscheiden konnte, ob er am Strand landen oder
versuchen sollte die Palmen zu überfliegen und dahinter am Polo-Feld zu landen.
Der Schirm des Springer streifte eine Palme mit unbekannter Geschwindigkeit, der
Springer pendelte Richtung Stamm und schlug dort ungefähr 2m (8ft) über Grund
mit dem Körper und dem Kopf auf. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopf und im
Gesicht sowie einige gebrochene Knochen. Obwohl er sofort erstversorgt wurde
verstarb er drei Tage nach dem Unfall an seinen schweren Kopfverletzungen
nachdem lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt wurden.
Schlussfolgerung:
Eine Außenlandung kann für jeden Springer eine Herausforderung darstellen. Im
Skydivers Information Manual Section 5-1 finden sich Empfehlungen zu
Außenlandungen. Sobald es offensichtlich wird, dass die Landezone am Flugplatz
nicht erreicht werden kann, soll sich der Springer eine alternative Landezone
suchen und seinen Landeanflug entsprechend planen. In diesem Fall waren zwei
geeignete Landeflächen in Reichweite, der Springer zögerte allerdings so lange
mit einer Entscheidung bis es zu spät war um diese sicher zu erreichen.
Er benutze die letzten 150 Höhenmeter (500ft) um unter seinem hoch beladenen
Schirm eine Drehung in den Wind durchzuführen. Besser wäre gewesen, er hätte
sich frühzeitig für eines der Landegebiete entschieden und einen
konservativen Landeanflug durchgeführt.
Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass der Springer versucht hatte seinen
Schirm zwischen zwei Palmen hindurch zu fliegen. High Speed-Landungen sollten bei
unbekanntem Gelände vermieden werden. Bei Außenlandungen sollten freie
Flächen ohne Hindernisse gewählt werden.
Nach einem ereignislosen Freifall öffnete eine Springerin ihren Schirm in
ungefähr 900m (3000ft). Sie trug einen Helm und hatte ihre langen Haare zu
einem Zopf geflochten und darin verstaut. Ihre Haare waren während des
Freifalls hervor gerutscht und flatterten hinter ihr über ihrem Container. Bei
der Öffnung verwickelte sich der Zopf mit dem Hilfsschirm und der
Verbindungsleine und der Schirm konnte sich nicht vollständig entfalten. Durch
die flatternde Hilfsschirmverbindungsleine (Bridle) öffnete sich der Container,
der Pod kam heraus und die Leinen begannen sich zu strecken. Nachdem die
Springerin erkannt hatte, was passiert war zog sie ihr Trennkissen und versuchte
sich von dem Schirm zu befreien, was ihr aber nicht glückte. Der Hilfsschirm
und die Riser waren weiterhin mit ihren Haaren verwickelt und zogen den Schirm,
der sich noch im Pod befand hinter ihr her.
Das Gurtzeug war nicht mit einer Reserv-Static Line ausgerüstet, was auch nicht
viel Unterschied gemacht hätte, da die Riser beim Abtrennen wahrscheinlich
nicht genug Zug gehabt hätten um die Reserve zu öffnen.
Die Springerin öffnete in ungefähr 300m (1000ft) die Reserve, die sich auch
ohne Probleme öffnete. Obwohl die Riser des Hauptschirms um den rechten Riser
der Reserve gewickelt waren konnte die Springerin die Bremsen lösen und sicher
unter der Reserve landen. Der Hauptschirm befand sich immer noch im Pod und
wurde durch die Verwicklung mit ihren Haaren hinter ihr her gezogen.
Die Springerin erlitt leichte Verletzungen der Kopfhaut, war sonst aber
unverletzt. Springer mit langen Haaren sollten besonders darauf achten, dass
diese sicher verstaut sind um sich nicht mit Teilen des sich öffnenden Schirmes
zu verwickeln.
Alter/Geschlecht: 31/männlich
Gesamtsprunganzahl/davon in den letzten 12 Monaten: 4200+/500
Zeit im Sport: 10 Jahre+
Gurtzeug: Mirage Systems, Modell nicht bekannt
Hauptschirm: Performance Designs Velocity 71 (Prototype) Wing Loading 2:1
Reserveschirm: nicht bekannt
AAD: nicht bekannt
Helm: ja, Modell nicht bekannt
RSL: Nein
Todesursache: Innere Verletzung bei einer harten Landung nach einer niedrigen
Drehung
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und einer normalen Schirmöffung in 850m
(2800ft) verstaute der Springer seinen Slider indem er ihn über die Riser nach
unten sog und ihn mit einem Gummi an der Reserveklappe befestigte. Die
Videoaufzeichnung seiner Helmkamera zeigte, dass er damit fast eine Minute lang
beschäftigt war. Eine ungewöhnlich lange Zeit während der er sich von der
Landezone der DZ entfernte.
Als er mit dem Verstauen fertig war blickt er nach unten und stellte fest, dass
er zu weit von der Landewiese entfernt war, um dort zu landen. Er befand
sich zu diesem Zeitpunkt etwa in 400m (1300ft) über einem Waldstück und die
einzige Alternative zu einer Baumlandung war eine vierspurige Autobahn. Er flog
Richtung Autobahn und machte eine 180° Grad Drehung zur Landung. Er landete mit
dem Wind auf einem hindernisfreien Stück der Autobahn. Obwohl er die Drehung in
ausreichender Höhe beendet hatte, befand sich der Schirm noch in starkem Sinken
als er auf der Fahrbahn aufschlug. Durch die harte Landung erlitt er schwere
innere Verletzungen und mehrere Knochenbrüche. Der Springer war nach der
Landung bei Bewusstsein und beschrieb den Ersthelfern, dass er Probleme beim
Verstauen seines Sliders gehabt hatte und erwähnte eine Steuerleine, trotzdem
ist es nicht ganz rekonstruierbar, was passiert ist.
Erste Hilfe wurde vor Ort durchgeführt, der Springer wurde in eine nahe gelegenes
Krankenhaus transportiert wo er am nächsten Tag an Komplikationen seiner
inneren Verletzungen starb.
Schlussfolgerung:
Der Springer flog einen schwer beladenen cossbraced Schirm mit einer hohen
Sinkrate und Vorwärtsgeschwindigkeit. Die Sprunganzahl, die der Springer auf
diesem Schirm absolviert hatte ist nicht bekannt, der Springer war jedoch sehr
erfahren.
Obwohl er die Landezone nach der Öffnung ohne Probleme hätte erreichen können
wenn er Richtung Flugplatz geflogen wäre, entfernte er sich von ihr als er
versuchte den Slider zu verstauen. Augenscheinlich war ihm das Verstauen seines
Sliders wichtiger, als zu überprüfen in welche Richtung sein Schirm flog.
Verfahren, die nach der Öffnung eingeleitet werden, wie z.B. Verstauen des
Sliders, Lockern des Brustgurtes, Öffnen der Booties sollen immer erst dann
durchgeführt werden, wenn man sich versichert hat, dass der Hauptschirm korrekt
geöffnet, der Luftraum frei und der Landeanflug geplant ist. Zu dem Zeitpunkt,
als der Springer begann einen geeigneten Landeplatz zu suchen hatte er nur doch
die Wahl zwischen dem Wald und der Autobahn.
Wäre der Springer sofort Richtung Drop Zone geflogen, hätte er die
Hauptlandezone ohne Problem erreicht, auch, wenn er ein Problem mit seiner
Ausrüstung gehabt hätte und ob ein Notverfahren notwenig gewesen wäre.
USPA empfiehlt für B- bis D-Lizenzhalter eine Entscheidungshöhe von 550m
(1800ft) und für Schüler und A-Lizenzhalter eine Entscheidungshöhe von 750m
(2500ft).
Jeder Springer sollte darauf vorbereitet sein, eine Außenlandung
durchzuführen. Eine Landung auf bekanntem und hindernisfreiem Terrain
verringert die Chance eines Unfalls mit oder ohne tödlichem Ausgang. Eine
Landung auf einer Straße birgt zusätzlich die Gefahr von fahrenden Autos bzw.
von einem Auto angefahren zu werden.
Als sich dieser Springer dazu entschloss auf der Autobahn zu landen flog er eine
180° Grad Drehung wobei er zu niedrig war diese in ausreichender Höhe zu
beenden. Eine bessere Lösung bei Außenlandungen ist, einen geraden Endanflug
in freies Gelände zu fliegen, den Schirm halb zu bremsen und die Umgebung nach
Hindernissen abzusuchen. Alle Drehungen müssen in ausreichender Höhe beendet
werden, um dem Schirm die Möglichkeit zu geben das Sinken abzubauen.
Toxicologische Tests zeigten eine starke Belastung durch THC im Blut des
Springers. Laut des Gerichtsmediziners war der Springer zum Unfallszeitpunkt
unter dem Einfluss von Marijuana. Das kann ein Grund für seinen Verlust von
Zeit- und Höhenbewusstsein beim Verstauen des Sliders und der Fehleinschätzung
der Höhe seiner letzten Drehung sein. Das sind die Hauptgründe weshalb
Fallschirmspringen unter Drogen- und Alkoholeinfluss gesetzlich verboten ist.
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