Tozeur-Boogie 2004 - Teil 2
von Niki Sedlak

Die Tage vergingen und ähnelten sich ziemlich: Während die Relativ-Springer immer neue und kompliziertere Formationen von „Meister Skip“ lernten und die Freeflyer Head-Down sau viel Spaß hatten, wurden wir von Level zu Level immer mehr durch Drehungen, Salti und Tracken gefordert. Die Abende waren zwar nicht sehr abwechslungsreich, aber dafür umso lustiger. Die Bar wurde beschlagnahmt, ein großes Tischtuch diente als Leinwand und über den Pink´schen Projektor wurden die „Oscar“ reifen Freifall-Videos des Tages gezeigt. Jetzt verstehe ich erst den Witz: Wie viele Freeflyer braucht man um eine Glühbirne zu wechseln??? Antwort: 5 – einer der wechselt und vier die´s filmen !“
Wenn die spektakulären Sit-Flys, Head-Downs, Trains, Rodeo-Reit-Spiele, Schlauchboot-Stunts, usw. usw. zu Ende gingen, waren alle ziemlich durstig und eine Bierrunde nach der anderen wurde geschmissen. Das der Promille-Pegel wuchs, war mir persönlich nicht unrecht, denn mit den Tagen ging mir mein Zauber-Repertoire langsam aber sicher aus. Jeden Abend musste ich ran, (hat mir natürlich eh ur viel Spaß gemacht), Karten verschwinden und an den unmöglichsten Stellen (verschlossene Bierflasche – wo sonst !?! Grins) wieder erscheinen lassen, Ballone schlucken, Uhren klauen, und und und... 
Ab 2 Promille hat die Show dann „Prosecco“ (wirklich mehr als talentiert), „B-Man“ (der seine Trick-Einfälle prinzipiell in der Dusche hat) und „Master Wolf“ (spielt niemals um Geld mit ihm, er zieht euch das letzte Hemd aus) übernommen.
Wenn auch da die Ideen ausgingen, dann war ja immer noch das absolut geniale Indoor-Pool. Bade-Shorts oder Bikinis??? Aber geh, nicht um 3 Uhr Früh ... ein romantisch beleuchtetes Chlorwasser, Musik und natürlich einige Bierflaschen reichten aus um jede Menge Spaß zu haben.
Trotz all dieser Nachtplätscherein im Pool und Bierglas war jeder rechtzeitig beim Frühstück und freute sich auf den kommenden Sprungtag. Ok, ok ... ich geb ja zu, die erste Load hab ich nie erwischt. 
Für Abwechslung am Sprungplatz sorgte nicht nur der Wind, sondern 2 Film-Teams, die sich unserer illustren Truppe anschlossen. Die Einen drehten für VOX-Tours einen Beitrag über Tozeur mit Schwerpunkt Fallschirmspringen. Die Anderen bemühten sich einen Werbe-Spot für „Zewa – wisch und weg“ zu drehen. Nicht nur für uns „Schüler“ waren die Werbefilmer ein bisserl mühsam (die meisten Coache waren mit diversen Stunts beschäftigt), auch die arme Uschi musste ihre Geduld mit einem unentschlossenen Regisseur unter Beweis stellen. Als „Lara Croft“ verkleidet, was übrigens absolut heiß aussah, machte sie einen Sprung nach dem anderen. Ein Bild für Götter war jedoch Uschi´s Stunt-Man ... Thomas, der Pink-Chef persönlich zwängte sich in das hautengeKostüm und sprang aus einem extra angemieteten Helikopter. Irgendwie übernahm die ganze Film-Szene unsere Freifall-Crew: Uschi und Heiko flogen die Freifallchoreographie, Thomas, Björn und Prosecco sprangen wagemutig aus dem Helikopter und „Skip“ überzeugte als schwindelfreier Kameramann. Wie auch immer ... nach zwei Tagen war die Szene im Kasten.
Es dauerte nicht lange, da hatten wir „Anfänger“ unsere AFF-Level abgeschlossen und begannen unsere ersten Solo und Coach-Sprünge so richtig zu genießen. Wir begangen teilweise bei Regina und Pavel packen zu lassen, um soviel Sprünge wie möglich zu absolvieren. Am Ende wurden es bis zu 66 pro Schüler in 2 Wochen. 
Die Tage wurden immer heißer, die Öffnungshöhe immer niedriger und der Spaß immer größer. Aufregend und abwechselnd waren wie jedes Jahr die Außenlandungen bei den Star-Wars-Kulissen mitten in der Wüste und in der Oase Chebika. Ein Spaß war auch der improvisierte 4-Way-Speed-Star Wettbewerb. Jedes Team bestand aus einem Relativ-Springer, einem Freeflyer, einem „Coach“ und einem „Schüler“. Ui ui, da erwachte auf einmal der Ehrgeiz. 
Nach jeder wunderschönen Sunset-Load wurde der Sprungtag am Flughafen mit massig Bierpaletten, die uns unser Tunesischer Freund und Verpfleger Younes organisierte, abgeschlossen. Ein bisschen geschlaucht, aber immer überglücklich kehrten wir Tag ein Tag aus in unser Hotel zurück und freuten uns auf das abendliche Buffet. Wow, das war echt gut... aber ganz oben auf der Beliebtheitsskala stand sicherlich das sündhaft gute „Mousse aux chocolat“.

Jetzt frag ich Euch wirklich: Was gibt es genialeres als den ganzen Tag im freien Fall den Alltags-Stress und die Probleme zu vergessen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und mit superlieben Freunden Spaß zu haben!?! 
Doch alles Schöne ist einmal zu Ende und so war er plötzlich da - der letzte Tag. Die letzten Loads wurden wie die restlichen Sonnenstrahlen ausgekostet, kleinere Schirme wurden ausprobiert und unser Lager langsam aber sicher abgebaut. Mit gemeinsamer Kraft und einem weinenden Auge wurde alles wieder in der Pink verstaut. Während ganz Tunesien vor dem Fernseher saß und über den Fussball-Triumph im Afrika-Cup jubelte, wurden wir „schonlangenichtmehrschüler“ getauft. Was heißt da getauft!?! Geprügelt ist wohl eher der richtige Ausdruck. Denn ich verspürte keine einzig sanft und zärtliche Berührung auf meinem empfindlichen (aber umso knackigeren... grins) Hinterteil. Wer immer auch diesen Brauch ins Leben gerufen hat, hatte eindeutig ein Bier zu viel.
Nachdem wir den letzten Sonnenuntergang und das Abendessen im Hotel genossen haben, standen wir vor der schwierigen Frage: „Machen wir durch, oder gehen wir lieber schlafen ?“ Eine berechtigte Frage, denn immerhin mussten wir um 4 in der Früh wieder auf um unseren Flug nach Tunis zu erwischen. Ich weiß nicht wie viele von uns durchmachen wollten, aber geschafft hat es keiner. Mit ganz kleinen, verschlafenen und traurigen Augen verabschiedeten wir uns also am nächsten Morgen von der Pink-Crew (die sich ebenfalls zu so früher Stunde mit der Pink in Richtung Wien aufmachte) und hoben ab in Richtung Heimat.
Den obligatorischen 7-Stunden-Aufenhalt in Tunis verbrachten wir die ersten 3 Stunden in einem kleinen Cafe mit Croissants, Tee, Cafe und einem Fernseher. „Prosecco“ packte seine Kamera aus und wir ließen 14 Tage Freifall noch einmal revue passieren. Nach einem kleinen Irrlauf durch den alten Bazar und einem Bier-Toast-Snack trafen wir uns wieder auf dem Flughafen. So wie dieses Abenteuer begonnen hatte, hat es auch geendet. Am Flughafen mit einem Bier. Umso mehr wir uns schließlich Wien und dem Schneegestöber näherten, umso eher wollten wir wieder Richtung Sahara umkehren. Alle verzweifelten Überredungsversuche halfen jedoch nicht, der Pilot landete in Wien und wir mussten uns wieder dem Winter und dem Alltag stellen. Aber was soll´s, es gibt ja sicherlich ein nächstes Jahr.
Und wer sich dieses Abenteuer entgehen lässt ist selber schuld. Ich kann nur für mich sprechen, aber die Erfahrungen die ich dort gesammelt, die Liebe die ich zu diesem Sport entwickelt, die Freunde die ich dort gefunden und den Spaß den ich dort gehabt habe ist und war einzigartig.

Ich hoff wir alle sehen uns beim Pink-Tozeur-Boogie 2005 !!!

Zum ersten Teil der Geschichte

   


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