Leer 2003: ein Rekordjahr
Der erfahrene Leerbesucher kennzeichnet sich unter anderem
dadurch, dass er keinem Wetterbericht, der diese Region betrifft, vertraut.
Egal, was die Wetterfrösche sagen: hier hat es keine Gültigkeit; man fährt
einfach hin. Und dieser Trotz wurde 265 manifestierten Springern belohnt, denn
die Sonne schien elf Tage lang fast ausnahmslos. Wer am Donnerstag schon
anreiste und enttäuscht feststellte, dass sich die Pink um einen Tag verspäten
würde, kam in den Genuss von so vielen Freisprüngen aus der Flensburger
Vereins-206, wie er wollte. Jawohl, ihr hört richtig: gratis!!! Am Abend musste
dann erst einmal das neue Clubheimpersonal auf die Springermentalität
eingestimmt werden. Viel-lieb machte Musik und als er zur „alljährlichen
Analpolonaise“ aufrief, fror den Damen hinterm Tresen doch das Lächeln ein.
Leer hat bekanntlich nur die zwei Windstärken „null“ und „Sturm“ und
bis Sonntag war das Erste angesagt, was einige wetterharte Springer schon mal
verwirren kann. Die Landerichtungen waren so einheitlich wie die Schirmfarben
und die Landungen selbst waren so spektakulär, dass es sich für am Boden
Gebliebene lohnte, sich aus dem Campingstuhl zu erheben. So wurden bis zum
Wochenende vier Springer gesichtet, die die wohlbekannten weiß-blauen Bandagen
an den Knöcheln trugen, es aber gerne auf „einen schweren Duschunfall“
schoben. Am Sonntag zog es einige Damen nach Hannover zum Robbie
Williams-Konzert. Damit blieb ihnen das Wahnsinnsgewitter, dass im Leerer
Krankenhaus die Toiletten im ersten Stock explodieren ließ, erspart.
Springergerecht erschien es zwar erst am späten Abend, aber dafür so schnell
und so heftig, dass man sein Gerödel kaum noch in Sicherheit bringen konnte. Jörg
saß in der Packhalle und beobachtete bei einer Flasche Bier, wie einige
Campingstühle vorbeischwammen. Lotti und ich beweinen unsere frisch erstandenen
Pavillons. Ostfriesland war erst einmal dunkel und ohne Strom bleiben natürlich
auch die Duschen kalt. Aber der Dreck muss ja irgendwie runter. Die Abhärteduscher,
die es schon hinter sich hatten, gaben kluge Ratschläge wie „kurz atmen“.
Aber auch die richtige Atemtechnik unterdrückte nicht die Quietschlaute der
holden Damenwelt. Mein Mann wäre froh, wenn er mir solche Töne zu anderen
Gelegenheiten entlocken könnte…
Am Morgen tat das Wetter wieder so, als wäre nichts gewesen und man startete zu
den Inseln. Ich dachte, es wäre ein Scherz, als Jörg das Briefing auf 7 Uhr 15
ansetzte, aber die Inselhüpfer erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass
sogar jeweils zwei Loads pro Insel abgesetzt wurden. Insgesamt 25 mal wurden
Juist, Borkum, Wangerooge und das holländische Ameland angeflogen. Auch die
obligatorische Wassergrabenlandung fand statt. Es gibt nur wenige Hersteller,
die Gurtzeuge in Schlammbraun liefern, aber in Leer kann man die Farbe nachträglich
ändern. Dabei muss der arme Tropf noch froh sein, dass die Wasserratten
nachtaktiv sind. Tagelang dachten wir, Sandra hätte Halluziationen. Immer hörte
sie es irgendwo rascheln: „Glaubt mir, die Ratten sitzen im Graben mit einem Lätzchen
um den Hals und warten nur auf unsere Melonenschalen!“ Aber sie hatte Recht.
Egal, was wir in den Graben kippten: Kartoffelschalen, Äpfel, Teelöffel, Armin
… alles war bis zum Morgen verschwunden. Und eines Abends sahen wir sie
vorbeischwimmen. Ich möchte es mal so ausdrücken: „AAAAARRRRGGGGHHHHHH!!!
Gott sind die riesig!!!“
Wenn die hier unten sind, gehen wir lieber rauf. Bei 120 Lifts wurden 2500 Sprünge
absolviert. Wuzi versuchte, auf einem fahrenden Anhänger zu landen. Leider
hatte er zu viel Schwung und blieb mit dem Gurtzeug an der Kofferraumklappe hängen.
Während Wuzi unsanft über die Landebahn kullerte, versuchte Pablo mit den wohl
organisierten Sommersprossen, Dominik aus dem Kofferraum zu befreien, wo er
filmte. Da aber die Dämpfer kaputt gegangen waren, kam die Klappe gleich wieder
runter und Dominik hat jetzt eine Beule passend zum zerlegten Auto. Wie will Jörg
das nur seiner Versicherung erklären? „Also ich fuhr durch Ostfriesland und
da fiel mir ein Österreicher aufs Auto …“
Na, und dann waren da natürlich die Stars. Jeder weiß, dass die Vögel zu Fuß
gehen, wenn Schneemann springt. Aber in diesem Jahr wurden seine Fans abgelenkt
von Felix Baumgartner, der für die Überquerung des Ärmelkanals im Freifall
trainierte. Zum Absetzen hatte er die Pink für sich allein. Und wo er auch
landete, auch wenn es 300m neben der Halle war, ein Hubschrauber brachte ihn zurück.
Anderen schickt man nicht mal ein Auto hinterher, wenn es sie bis hinter die Ems
versprengt. Sie bekommen nur die „Goldene Wandermedaille von Leer“
verliehen. Wir haben überlegt, ob wir ihn kollektiv dafür hassen sollen. Aber
es hindert uns ja niemand daran, uns auch einen Sponsoren zu suchen, der uns
„Flügel verleiht“. Dennoch: Herzlichen Glückwunsch, Felix, für deinen
inzwischen gelungenen Rekord!
Deike
Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at