aus United States Parachute Association's " Parachutist" aus dem Englischen von Uschi Wagner
Alter: 46 Jahre
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 4000+
im Sport seit: 30 Jahren
Todesursache: harte Landung nach niedriger Reserve-Öffnung
System: Stewart Systems Sweethog
Hauptschirm: Para-Flite Pursuit 230
Reserve: Precision Aerodynamics Raven 2
AAD: nein
RSL: nein
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall hatte der Springer eine Öffnungsstörung (pilot
chute in tow) in ca. 900m. Er zog zuerst den Abtrenngriff, zog aber nicht sofort
die Reserve. Nach kurzer Zeit öffnete der Hilfsschirm die Verpackung und der
Hauptschirm flog sofort weg. Der Springer öffnete die Reserve, war aber schon zu
tief und erreichte den Boden bevor die Reserve aufgegangen war.
Schlussfolgerung:
Der Springer wusste von dem Problem mit seiner Ausrüstung. Auf dem Weg zum
Sprungplatz hatte er gesagt, das sein Hilfsschirm schon sehr luftdurchlässig war
und das er plane ihn auszutauschen.
Es gibt zwei verschiedene Arten mit einem Pilot-Chute in tow (Hilfsschirm im
Lee) umzugehen. Beide haben ihre Vor und Nachteile. Die eine ist, die Reserve
sofort zu ziehen, die andere ist, erst abzutrennen und dann die Reserve zu
aktivieren. Auf Grund der hohen Fallgeschwindigkeit bei dieser Störung muss sich
der Springer im vorhinein überlegen, welche der beiden Arten er anwendet, sie
üben und wiederholen und sofort und richtig handeln wenn die Situation eintritt.
Wenn dieser Springer sofort die Reserve gezogen, bzw. sofort nach dem Abtrennen
die Reserve aktiviert hätte, hätte er die Folgen dieser Störung möglicherweise
ändern können. Ein AAD oder RSL hätte unter umständen den tödlichen Ausgang
verhindern können.
Alter: 43 Jahre
Geschlecht: weiblich
Sprunganzahl: 800+
im Sport seit: 8 Jahren
Todesursache: innere Verletzungen nach harter Landung unter schnell drehendem
Hauptschirm
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: PD Siletto 120
Reserve: PD 106R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Diese Springerin nahm an einer Großformation teil. Freifall und Separation waren
ereignislos. Nachdem sie ihren Hauptschirm geöffnet hatte, begann dieser schnell
zu drehen und drehte bis sie den Boden erreichte.
Schlussfolgerung:
Ein Zeuge berichtete, die Springerin bei Bewusstsein unter ihrem Hauptschirm mit
eingedrehten Leinen gesehen zu haben. Andere wiederum berichteten, sie wäre
schlapp unter dem Hauptschirm ohne Eindrehung gehangen. Es wurde berichtet, dass
sich der Schirm sehr schnell drehte, bis sie den Boden erreichte und hart
landete. Beide Bremsen waren eingehängt und am System konnte kein Fehler, der
die Drehung verursacht haben könnte festgestellt.
Schräg im Gurtzeug zu hängen ist eine Möglichkeit den Schirm zum Drehen zu
bringen und ihn so zu halten, dies kann vor allem an kleinen, schwer beladenen
Schirmen beobachtet werden. Ein bewusstloser Springer kann leicht asymmetrisch
im Gurtzeug hängen und einen solchen Schirm zum Drehen bringen. Die
Unfalluntersuchungskommision nimmt an, dass die Springerin eine sehr harte
Öffnung hatte und dadurch unfähig war etwas zu unternehmen.
Trotz rascher erster Hilfe verstarb die Springerin an ihren inneren
Verletzungen, die sie sich bei der harten Landung zugezogen hatte.
Alter: 44 Jahre
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 218
im Sport seit: 2 Jahren
Todesursache: harte Landung unter kollabiertem Hauptschirm nach Kappenkollision
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: PD Sabre2 150
Reserve: PD 160R
AAD: nein
RSL: nicht bekannt
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Freifall und normaler Schirmöffnung kollidierte der
Hauptschirm des Springers mit dem Körper eines anderen Springers. Sein
Hauptschirm kollabierte in etwa 30m und der Springer kam hart auf dem Boden auf.
Der andere Springer landete unverletzt.
Schlussfolgerung:
Dieser, relativ unerfahrene Springer nahm an einer Formation mit 39 Personen
teil. Er hatte auch erst kürzlich begonnen mit einem kleineren Schirm zu
springen.
Er versuchte dort zu landen, wo der Großteil der anderen Springer landetet,
nämlich auf einer relativ kleinen Gras-Landefläche, welche von großen, freien
Feldern umgeben war.
Springer sollten ihr Können realistisch einschätzen. Wenig Erfahrung, schnelle
Schirme und viele Personen in der Luft haben diesen Springer überfordert.
Alter: 31 Jahre
Geschlecht: männlich
Sprunganzahl: 33
im Sport seit: 1 Jahr
Todesursache: kein Schirm gezogen
System: Relative Workshop Vector
Hauptschirm: PD 210
Reserve: PD 176R
AAD: Airtec Cypres
RSL: nicht bekannt
Unfallhergang:
Dieser Springer machte einen 2er Sitfly Sprung und wurde von einem anderen
Springer in etwa 900m auf dem Bauch liegend gesichtet als er gerade nach hinten
griff um seinen BOC-Hilfsschirm heraus zu ziehen. Kein Schirm wurde betätigt
bevor er den Boden erreichte.
Schlussfolgerung:
Der Hilfsschirm wurde halb herausgezogen aufgefunden. Abtrenn- und Reservegriff
waren beide auf ihrem Platz und die Reserve war noch immer im Freebag,
allerdings ein paar meter außerhalb des Containers. Die
Unfalluntersuchungskommision nimmt an, dass der Reserve-Container durch den
Aufschlag aufging.
Das Gurtzeug hatte einen Öffnungsautomat, allerdings konnte aus dem Bericht
nicht entnommen werden, ob dieser vor dem Sprung eingeschaltet wurde. Der
Öffnungsautomat wurde zum Hersteller zur Überprüfung geschickt.
Es wurde nicht berichtet, ob es beim Herausziehen des Hilfsschirmes
Schwierigkeiten gab. Der Springer könnte versucht haben, den Hilfsschirm heraus
zu ziehen und das Höhenbewusstsein verloren haben.
Springer sollten die Notfall-Verfahren oftmals üben um in einer solchen
Situation automatisch zu handeln. Höhenbewusstsein ist bei jedem Sprung extrem
wichtig, speziell wenn ein Problem auftritt, dass den Springer ablenken könnte.
Im USPA Skydiving Information Manual wird vorgeschlagen, zweimal zu versuchen
den Hauptschirm zu öffnen (Höhe beachten!). Wenn das nicht funktioniert soll die
Reserve aktiviert werden.
Alter: 55
Geschlecht: männlich
Gesamtsprunganzahl: 2700
Zeit im Sport: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung nach einer Kappenkollision
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: PD Stiletto 150
Reserve: PD 143R
AAD: Airtec Cypres
RSL: ja
Alter: 27
Geschlecht: männlich
Gesamtsprunganzahl: 600
Zeit im Sport: nicht bekannt
Todesursache: Harte Landung nach einer Kappenkollision
System: Sun Path Javelin
Hauptkappe: Airtime Designs Jedai 105
Reserve: PISA Tempo
AAD: Airtec Cypres
RSL: nein
Unfallhergang:
Nach einem ereignislosen Feifall und einer normalen Schirmfahrt kollidierten
diese zwei Springer in ungefähr 30 Meter über Grund. Beide Schirme
verwickelten sich, kollabierten und entfalteten sich nicht wieder bevor die
Springer den Boden erreichten. Einer der Springer verstarb noch am Unfallort,
der andere auf dem Weg zum Spital.
Schlussfolgerung:
Der Springer A begann eine Drehung in einer höheren Höhe als der Springer B,
wahrscheinlich um eine High-Performance Landung zu machen. Die erhöhte
Sinkgeschwindigkeit und Vorwärtsfahrt führte dazu, dass der Springer A den
Springer B überholte und dabei mit ihm kollidierte. Es ist nicht bekannt ob ein
Springer den anderen vor der Kollision sah. Augenzeugenberichten zu Folge waren
zum Zeitpunkt der Kollision nur wenige andere Schirme in der Luft.
Springer, die eine High-Performance Landung versuchen möchten, sollten sich
Tipps von einem erfahrenen Springer (canopy pilot) holen. Eine besondere
Aufmerksamkeit gegenüber den anderen Springern muss erste Priorität haben!
Wenn irgendeine Möglichkeit besteht eine Kappenkollision zu verursachen, muss
unbedingt von einer High-Performance Landung abgesehen werden, damit eine
Situation wie diese vermieden werden kann.
Generell gilt für alle: Augen auf am Schirm! Kappenkollisionen können
vermieden werden.
Unfälle mit nicht tödlichem Ausgang:
*Ein Springer mit 780 Sprüngen landete mit Wind bei einer Windgeschwindigkeit
von ca. 27 km/h unter einem Schirm mit Wing Load 1,5:1. Er flarete den Schirm in
ungefähr 4,5 Meter Höhe und stallte ihn so lange, bis er kollabierte. Der
Springer landete Hart mit sowohl hoher vertikaler als auch Vorwärts-Geschwindigkeit.
Er erlitt Frakturen an seinem Bein. An Tagen mit hoher Windgeschwindigkeit
sollte wenn möglich gegen den Wind gelandet werden. Eine Landerolle kann
Verletzungen vorbeugen.
*Ein Springer begann mit einer Drehung und kollidierte mit einem anderen Springer in ungefähr 30 Meter Höhe. Beide Schirme kollabierten Teilweise und blieben verwickelt bis die Springer den Boden erreichten. Beide Springer erlitten schwere Verletzungen aber sind auf dem Weg der Besserung. Springer sollen immer in die Dreh - Richtung schauen, bevor sie drehen um sich zu versichern, dass sie keine Gefahr für andere Springer darstellen oder eine Kollision verursachen.
*Ein Springer mit ungefähr 170 Sprüngen und einem Wing Load von 1:1 leitete eine 180° Drehung in niedriger Höhe ein und schlug auf dem Boden auf während er sich noch immer in der Drehung befand. Er landete sehr hart und erlitt mehrfache Knochenbrüche an beiden Beinen, Fersen, Becken und Rücken. Er trug keinen Helm. Springer sollten sich vergewissern, dass sie die Flugeigenschaften ihres Schirmes kennen und sollten sich einem Training von einem erfahrenen Springer unterziehen, bevor sie ihre Landung mit einer Drehung einleiten. Drehungen müssen in ausreichender Höhe beendet werden um dem Schirm die Möglichkeit zu geben, gerade aus zu fliegen und auszuleveln.