Was tun wir, was tun wir nicht
Vereinskultur auf einem Sprungplatz
frei nach einem Artikel von Kevin Gibson im USPA—Parachutist Nov.2002
aus dem Englischen von Eckart Warner
Skydiver vertreten die Ansicht, dass jeder für seine eigene Sicherheit verantwortlich ist. Diese Auffassung ist so aus geprägt, dass Springer erst einmal überaus empfindlich auf kritische Ratschläge reagieren. “Ich bin schon Hunderte von Sprüngen so gelandet.“ ‘Ich springe mehr als andere und kann das, was ich tue.“ “Ich wurde gerade für das, was ich eben tat, in einem Kursus gut ausgebildet und glaube nicht, dass deine Ratschläge wirklich von Bedeutung sind.“ Tatsächlich haben die meisten Springer auf einem Sprungplatz weniger als 500 Sprünge. Generell gibt es wenige mit doppelt so vielen Sprüngen und selten welche mit dem Zehnfachen.
Häufig haben die erfahrenen Springer genug Wortwechsel mit Dickschädeln dieser Art durchgestanden, so daß sie nicht länger ihre Meinung zu etwas äußern wollen, weil diese nach kurzer Zeit in den Wind geschlagen wird. Es ist viel einfacher, diesen Springern und ihren Aktivitäten aus dem Wege zu gehen. und persönlich denen nicht zu nahe zu kommen, die auf dem Wege sind, sich Schaden zuzufügen.
Auf den Plätzen mit nachweislich sehr wenigen Unfällen findet man immer eine Vereinskultur (was tun wir, was tun wir nicht), um die sich einer persönlich bemüht, für die er wirklich sorgt, aus welchem Grunde auch immer. Häufig ist es jemand, der etwas zu verlieren hat, wenn jemand verletzt oder getötet wird (z.B. Platzeigentümer oder Firmeninhaber). Andernorts ist es jemand, der eine starke personale Autorität ausstrahlt. Man kennt den Burschen: möglicherweise nicht der beste Springer. aber Inhaber aller Ratings, der unseren Sport studiert, jede Entwicklung verfolgt und einordnen kann und eine ganz ordentliche Menge Erfahrung hat. Viel zu oft ist die “de facto-Sicherheitskontrolleur" sehr einsam und ungeliebt, weil die Springer in jeder Autorität eine Einengung ihrer ungebundenen Freiheit sehen.
Andererseits achtet und verehren dieselben Springer oft genau diesen Skydiver wegen seiner Bemühungen, insbesondere anderen zu helfen. Im Innersten wissen sie, dass diese Person etwas Positives bewirkt mit ihrem ständigen Nörgeln und gelegentlichen Konfrontationen. Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die ebenfalls praktiziert wird: normale Springer üben gegenseitig Einfluss aufeinander aus. Bei dieser Vereinskultur können fast alle Springer einbezogen werden, Man lässt gelten, Ratschläge zu geben und zu erhalten.
Im allgemeinen wird ein Springer Beratung einer Respektsperson mit personaler oder fachlicher Autorität annehmen. Ein wenig Widerstand ist normal - immerhin geht es hier um das Bild, das ein jeder von sich selber hat. Dabei sollte bedacht werden, dass Bemerkungen und Kommentare besser angenommen werden, wenn der Adrenalinschub etwa 30 Minuten nach dem Sprung oder noch später abgeklungen ist.
Wir alle machen Fehler, die einen mehr, die anderen weniger. Aus Fehlern, die man sich ehrlich eingesteht, lernt man dazu und steigert seine Fähigkeiten, was in verbessertem Urteils vermögen und solideren Erfahrungsstand mündet. Die meisten werden schließlich verstehen, dass der andere im Innersten nur das Beste im Sinn hat, wenn er auf Fehler hinweist. Natürlich gibt es schwarze Schafe, die konstant jede Kritik und jeden Ratschlag von sich weisen.
Niemand ist darauf aus, einem Springer Sprungverbot zu er teilen; und niemand möchte gegroundet werden. Aber gegenüber einem, der beständig Sicherheitsbestimmungen missachtet, ist das manchmal die einzige Lösung. Dieser Springer wird es auf einem anderen Platz versuchen, auch wenn er ahnt, dass ihm sein schlechter Ruf vorauseilt. Letztendlich bleibt nur, einen derart aufsässigen Springer aufzufordern, sein Verhalten grundlegend zu ändern oder sich einem anderen Sport zu zu wenden.
Springer sollten bereitwillig Kritik und Ratschläge erteilen und annehmen. Sie zu erteilen ist im Interesse verletzungsfreien Springens und einer wachsenden Zahl von Springen mit gutem Urteilsvermögen. Sie anzunehmen - in jeder Leistungsstufe - ist im Interesse der Selbsterhaltung.
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