Schweizer in Sillian

FGF goes to Sillian (im schönen, grünen Osttirol)
(15. bis 22. September 2002)

Ein wenig nervös war ich ja schon; endlich die eigene Springer-Lizenz im Sack und schon stand mein 1-tes Boogie vor der Tür !
Meine Phantasie ging mit mir durch, schlug Purzelbäume und schoss querfeldein - aber das sollte doch mein ‚part' bei meinen Sprüngen sein!? Meine Gedanken kreisten! Ein Hin & Her - Wären meine Gedanken ein Flugzeug gewesen, wäre es wohl aus Spritmangel abgestürzt - : "was wenn" "wie und warum" "aber"....
"So ein grosses Flugiiiii und die vielen Springer, oohhhh!" - man bedenke, dass für mich bis anhin das höchste der Gefühle der gute, alte, schöne und handliche Schweizer Pilatus Porter war * grins * und im Normalfall (by the way, was ist schon ‚normal'?) drücken wir uns auf unserer DZ in eine Cessna 206.....

Nun aber zurück zur eigentlichen Erzählung. Wir schreiben Freitag, den 13.09.2002:

Über die Dolomiten bahnten wir unseren Weg. Gemütlich tuckerten wir die Pässe ab (es gibt doch tatsächlich noch solche mit dem Namen: Passo di Negro!) und suchten uns bereits ein paar schöne Kletterrouten, -gebiete für die 2-te Ferienwoche aus. Während einem Aufenthalt am Lago di Misurina machten wir bereits die erste Bekanntschaft mit ‚Knödeln', weitere sollten folgen. 
Nebst den wunderschönen Bergen - ja, auch uns Schweizer können solche noch gefallen - gab es viele ‚Brumm-Brumms' zu sehen, ob zwei- oder vierrädrig.
Am Sonntag erreichten dann sogar die Schweizer den kleinen Ort Sillian und ungefähr zwei Dörfer weiter eine Wiese mit einem Flugobjekt darauf stehend. Kurze Zeit später stand mein Magen auch schon wieder Kopf, wie jedesmal beim Gang auf einen Flugplatz oder ähnliches. Und trotzdem, ich liebe ES!!! Nach einigem Hin und Her bestiegen wir doch noch dieses komische, pink-bemalene und kartonschachtelartige Luftfahrzeug und siehe da, es flog!
Eine gemütliche Woche nahm ihren Lauf und nette Bekanntschaften - nebst den Knödeln - wurden geschlossen.
Die ersten drei Tage begnügten wir uns mit jeweils zwei, drei Feierabendhupferln, gingen wir doch mit unseren neuen Kameraden aus Deutschland - Georg, Herbert & CO. seit gegrüsst! - morgens zuerst auf Wander- oder Radschaften. Der erste Load ging meistens erst gegen Mittag hoch und acht halbleere Pinky's an einem Tag waren wohl eher das Maximum. Doch wir hatten - nebst dem vielen Platz - auch riesig Spass und ab und an kamen auch richtig gute RWs zusammen. Lehrreich waren sie dank Andrea, Thomas & Pablo * merci! *.
Der letztgenannte - ein kolumbianischer Tandemmaster, der in England zur Schule ging und eigentlich in DeLand arbeitet - übernahm einige Male das ‚loadorganising' und ob wir zu dritt, fünft oder sechst vor ihm standen, es war immer "very nice!" .... "oh, we make a seven-way, very nice!"
Auch Thomas war zugegen und nach meinem 1-ten RW mit ihm und anderen betitelte er mich als Luftprinzessin.... bald schon sollte ich ihm aber zu gierig sein * G * - nun ja, bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und die herzliche Andrea mit ihrem schönen Lachen meinte nur, dass hätte sie früher auch gehabt: liegt es wohl an den Frauen ?!? Sind wir von Geburt her gierig ?
Innerhalb kürzester Zeit haben wir uns sehr wohl gefühlt inmitten der Europäischen Gemeinschaft.
Vom Organisatorischen her war natürlich (fast) alles perfekt: das Manifest ist bei Uschi & Dagi unter bester Kontrolle und wer sich nicht an die Regeln hält bekommt das zu hören ! Manch ein Elternteil kassierte von Uschi wegen nicht Einhalten der elterlichen Fürsorge & Pflicht einen Rüpel per Megaphone: verständlich !
In diesem Tälchen im schönen Osttirol - hinter der Guetzlifabrik - herrschte zum Teil ein ganz gemeiner und sehr verspielter Wind weshalb das Fehlen eines Windfahnens als der kleine, grosse Minuspunkt zählte. Zum Glück hatte ich aber den cleveren kleinen Schweizer dabei, der mit Hilfe von Absperrband einen solchen bastelte. Man muss sich vorstellen, bei einem Load am Sonntag, kurz nach unserer Niederkunft ...ähh Ankunft, drehte der Wind während dem Steigflug um 180° und von den ca. 10 Springer landete gerade mal der Letzte gegenwind! Die Benotung der vielen ‚Landewunder' war dementsprechend hoch - war ja zum Glück auch nichts weiter passiert als ein paar braune Kombis und Rigs !
Ihr werdet es nicht glauben aber klein Albatros landete bis auf zwei, drei Ausnahmen immer schön auf den Beinen! Das coolste Aufsetzen war ganz klar jenes auf der Alp Tessenberger See ..... auf 2081 müM!! Als letzte kam ich zu Boden - mein Typ, lasse allen anderen immer den Vortritt, dann kannst du zuschauen, wie sie auf den Boden knallen, ob mit- oder gegenwind - wollte natürlich mitten rein in den Kuchen der bereits am Boden stehenden Mitspringer doch war ich nicht gefasst ab der Geschwindigkeit, die man auf dieser Höhe hat! Mein Kommentar: "Huii uuiii uiii ui uuiiii" - doch zum Leid aller Anwesenden: gestanden!
Dieser ‚injump' oder besser ‚outjump' unternahmen wir mit Thomas, der ihn auch echt gut organisiert hatte. Ich selber war ja wieder einmal hyper-nervös aber wohl nicht ganz als Einzige. Die erste Rauchbombe, welche wir beim Überfliegen der Landezone rauswarfen, wollte nicht mitspielen, doch setzte Thomas während dem Schirmflug noch eine zweite, die uns ganz eindeutig Zeichen gab. Zusätzlich legte er seinen Schirm nach der Landung mitwind hin, dass auch dem Letzten klar wurde, wie er sein Manöver auszuführen hatte.
Zum Absprung gehörte natürlich auch ein gemütliches Zusammensitzen: wie schon am Vorabend genossen wir in der Tessenberger Alm Hütte wunderbare Knödel mit ein bisschen Rotwein, Kaiserschmarren zum Dessert und zum Abklingen ein Verdauungswässerchen à la Kräutermix. Doch, auch die Österreicher wissen mit dem Kochlöffel umzugehen! Die halbstündige Talfahrt auf ‚Crossover-Tiroler-Berstrasse' war dementsprechend lustig: meine sechs Gäste in unserem 'Traktor' waren ruhig, hielten sich woran sie nur konnten und versuchten, das gerade verschlungene Nachtessen bei sich zu halten.
Nach Auskunft eingesessener Sillian-Boogie-Besucher waren wir wohl die ersten Schweizer Springer auf diesem Flecken Erde - und wir sollten noch Verstärkung erhalten! Mitte Woche stand plötzlich ein zerzauster Langhaarspringer auf dem Platz. Marcel Simon, ein weiterer FGF-ler fand auch den Weg nach Sillian... was für ein Auftritt! Waren wir Schweizer wohl der Grund für die sonnige Woche ? In anderen Jahren wurde anscheinend schon mehr gebadet.
Unterschlupf fanden wir bei der Familie Bacher im Haus Tyrol, gleich am Ende der Piste. Unser Appartement war beinahe so gross wie unser Zuhause und welche Unverschämtheit, ganze 25.- Euro wurden uns pro Person & Nacht inkl. Frühstück verrechnet (fast so viel wie ein Sprung). Nein, es ist echt empfehlenswert: ruhig, sauber, gemütlich und wer mag, kann sich abends noch eine Saunatrip leisten - auch dies möglich im Hause Bacher.
Am Sonntag, 22.09.2002, wollten wir uns nur noch schnell auf dem Platz verabschieden gehen, waren die meisten anderen doch bereits abgereist.
Der Himmel über uns war grau, Wolken stauten sich, doch das Verlangen nach einem weiteren Sprung war gross. So kam es, dass Pablo, Thomas, Urs und ich noch ein letztes Mal gemeinsam ausrüsteten und Figuren drehten - der Wiener Walter und zwei, drei weitere sprunggeile Wesen waren noch auf dem Abschiedsload mit gratis Peeling mit dabei. Kurze Zeit später hatte es dann auch schon geregnet..... Urs und ich gönnten uns zum Abschluss eine gigantische Pizza beim Grenzübergang Österreich / Italien (auch sehr empfehlenswert, obwohl von Aussen die Lokalität nicht lockt), fuhren für eine letzte Nach nochmals zurück in unsere Pension, wo wir den ersten Teil unserer Ferien mit Sauna und Fernsehen besiegelten.

Urs & Samantha 

 


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