Pink Boogie in Dermsdorf, Herbstgedanken

Herbstgedanken

Wer kennt es nicht dieses Gefühl, die Tage werden kürzer, das Laub verfärbt sich in wunderschöne Farbtöne zwischen gelb und rot, die Temperaturen bewegen sich langsam aber stetig nach unten (ab einem gewissen Jahrgang machen sich Gliederschmerzen bemerkbar), gemeine Nichtspringer ziehen immer wärmere Sachen an und die Vögel fliegen nur noch in südliche Richtung ? Richtig, der Herbst kündigt sich langsam aber unerbittlich an. Für die gesamte Sprunggemeinde neigt sich das Jahr und für viele Springer/innen die Saison dem Ende zu. 

Aber vorher gibt es doch noch ein Highlight. Richtig.....Dermsdorf  ! Diesen PINK-Boogie kann man getrost schon als „Tradition“ bezeichnen. Direkt nach der Wende fand er zwei- oder waren es  gar dreimal ? in Alkersleben statt, bevor nach Dermsdorf umgezogen wurde. Bei der Bevölkerung stößt er auch noch nach dieser langen Zeit auf wirklich reges Interesse. Die Springerschar, durch das verlängerte Wochenende angelockt und aus ganz Deutschland angereist, fand dieses Jahr wirklich ideale Voraussetzungen vor: Neben der Landefläche war auch die Pack- und Campingwiese gemäht und hatte fast schon den Standard eines gut gepflegten „Putting-Greens“ Für alle Nichtgolfer: Das ist eine Wiese, in die man Blumenpötte verbuddelt hat, in die man dann mit Metallstöcken kleine eingedellte (auf kölsch „verblödschte“) Bälle schubsen muß.

Die Verpflegung während der gesamten Sprungtage war gut, es gab wieder alle Thüringer Spezialitäten wie Broiler und Rostbrätel (ermordete und gebratene Hühner und Schweine) zu zivilen Preisen. Auch die gemeinsamen Abende im „Pferdekuss“ waren schön wie immer.  Wer jetzt geglaubt hatte, schlechtes Wetter würde wieder den Boogie dominieren, weil er von Simone organisiert wurde, der sah sich wirklich getäuscht. Natürlich versuchte der oben bereits erwähnte Herbst dieser Veranstaltung seinen Stempel aufzudrücken, aber 3 – 7 Sprünge am Tag waren locker möglich. Nur am Sonntag konnte der Herbst sein Vorhaben in die Tat umsetzen, hier ging wirklich gar nichts.

Als LO versuchte sich zum ersten Mal „Professor Freifall“. Er betreute eine Gruppe von Aufstrebenden, die seinen wirklich umfangreichen Ausführungen zur richtigen Ausübung des Freifallsportes, hier im besonderen des Relativfliegens, ehrfurchtsvoll lauschten. Die zweite Gruppe wurde unter die bewährte Aufsicht von Bärchen gestellt, der wie immer einen sehr guten Job gemacht und einfallsreiche, nie langweilige, Formationen zwischen 11 und 16 zusammengestellt hat. Aber auch bei Bärchen war eine Weiterentwicklung erkennbar. Diesmal wurden erstmalig „gelbe Karten“ gezeigt bzw.ausgesprochen, wenn erkennbar war, dass jemand zuwenig Erfahrung hatte und mit den gestellten Aufgaben mehr oder weniger überfordert war und für seine Kollegen in der Luft mitunter ein Risiko darstellte. Diese Vorgehensweise war der Sprungqualität überaus dienlich.

Diesem Thema möchte ich mich im Interesse aller einmal etwas näher widmen. Jeder hat einmal klein angefangen und ist mit wenigen Sprüngen auf einem Boogie erschienen.  Dort fand man einen LO vor, der einen in der Regel nicht kannte. Den hat man dann einfach gefragt, ob man mal mitspringen kann. Der LO seinerseits hat ja die Aufgabe, die Maschine voll und nicht leer zu machen. Also ging es los, der erste 16er oder gar 20er in der noch jungen Springerkarriere stand bevor. Fühlt sich jeder wohl in seiner Position ?, welch überflüssige Frage des LO´s, als wenn jemand, auch noch ein Neuer/eine Neue, sich jetzt traut, vor versammelter Mannschaft zuzugeben, dass die zugewiesene Position zu schwierig ist für den jetzigen Erfahrungsstand. Also was tun ? Ach, einfach mal mitspringen, was soll schon groß passieren ? Das Schlimmste was passieren kann, man verbremst sich und geht low....auch unter die Formation oder man fällt auf jemanden drauf oder man rammelt im Anflug mal jemanden weg. Na und ist doch jedem schon mal passiert. Was setzt man schon aufs Spiel ? Im schlimmsten Fall sind € 25,50 in den Sand gesetzt. Denkt man........ die Kehrseite der Medaille sieht jedoch etwas anders aus. Es sind nicht € 25,50, sondern bei einem 20er € 510,--, die man inklusive des eigenen Sprunges und der Gesundheit der Mitspringer aufs Spiel setzt. Um es noch etwas deutlicher zu machen, es sind rund DM 1.000,-- , Geld anderer Springer (wenn nichts Schlimmeres passiert), die man durch nicht angebrachte Selbstüberschätzung einfach vernichtet.

Was also ist zu tun, etwa nie mehr wieder fragen ob man mitspringen kann ? Falsch ! Die Lösung ist: Dem LO reinen Wein einschenken, der baut einen dann in eine Position ein, in der man locker mitfliegen und wenig bis gar nichts kaputt machen kann. Wenn dann bei zwei Sprüngen aber auch gar nichts geklappt hat und die Vermutung ziemlich nahe liegt, dass das eigene Verhalten Ursache dafür war, dann muss jeder den Mut haben, selber wieder auszusteigen. Damit man dabei auch sein „Gesicht wahren“ kann, hier ein paar Gründe, die einen Ausstieg auf jeden Fall rechtfertigen:

-         ich geh mal ne Bratwurst / Broiler essen

-         mir ist der Wind zu stark / zu schwach

-         ich muss mich mal um meine Verwandten kümmern, die sind gerade gekommen

-         ich muss für die nächsten Sprünge selber LO für meine Vereinskameraden machen

Also Bärchen, der eingeschlagene Weg mit den „gelben Karten“ ist mehr als richtig. Wenn es mal ganz hart kommt schrecke nicht davor zurück auch mal die „Rote“ auszusprechen.....auch wenn es mich treffen sollte. Ein Broiler passt immer rein und Verwandte von mir sind auch immer am Platz. 

Ich glaube, das waren genug tiefgreifende Weisheiten für einen Boogie. Was aber wirklich herzergreifend toll war, war die neue Manifest-Tussi ! Sie hat einen super Job gemacht. Tut mir leid Uschi, aber sie hat dich wirklich in eindrucksvoller Weise ersetzt. Aber mal im Ernst lieber Thomas, in der Luft bist du uns 10 mal lieber und wir haben dich besser unter Kontrolle. Apropos Luft, das darf wirklich nicht unerwähnt bleiben, Phillip ist sehr gut geflogen (als wenn ers gelernt hätte), immer den richtigen Absetzpunkt getroffen und das aus jedes Mal 4.500 m. Von den Höhenflügen bis 7.000 m und den Parabelflügen will ich hier weiter gar nichts schreiben, sonst wird der Artikel zu lang und es kommen beim nächsten mal zu viele neue Springer nach Dermsdorf. Bleibt mir nur eins dir mit auf den Weg zu geben......Flieger, grüß mir die Sonne, grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond.....

Jetzt wo ich mir sicher sein kann, dass die meisten Mädels am Platz wissen, wie ein silberner „Löwenkäfig“ aussieht (nur Dabeigewesene wissen, wovon ich rede, die restlichen müssen bis nächstes Frühjahr warten) wünsche ich allen „Winterspringenden“ eine unfallfreie Restsaison und grundsätzlich Allen und ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und einen guten gesunden Rutsch in eine neue Sprungsaison 2003.  Wir sehen uns und hoffentlich viele Neue in Dermsdorf wieder.  

Zum Autor:

Dr. Horst Schneemann springt seit 18 Jahren und hat 1200 Sprünge. Er ist auf grössere Freifallformationen spezialisiert. Seit Jahren springt er nur mehr aus der PINK Skyvan. Weitere Publikationen von ihm findet man im Kölner Sparkassenbrunnen.

   


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