Oh Shit, ich bin Low

Oh Shit, ich bin Low!
nach einem Artikel von Rick Duran im Parachutist Dezember 2001 aus dem Englischen von Eckart Warner

Wer hatte noch nicht das "wundervoll" deprimierende Erlebnis in einer RW-Formation fliegend von unten zu den Anderen hinauf blicken zu dürfen?

`Warum gehen wir "Low"? Sicherlich nicht, weil wir uns in der Rolle des einen, der tief geht, wohlfühlen. Man kann daran arbeiten, dieses Problem zu vermeiden, indem man zuerst herausfindet, warum man tief unter einer Formation ankommt. Danach muß man lernen, die ursächlichen Fehler zu vermeiden, und schließlich muss man beherrschen, aus dieser Lage wieder heraus zu kommen, wenn man nicht rechtzeitig erkannt hat, sie zu vermeiden. Der entscheidende Unterschied zwischen dem trainierten Springer und jemandem, der sich nur ab nur ab und zu einmal sehen lässt, ist nämlich: der erfahrene Springer wird ein, sich entwickelndes Problem so rechtzeitig erkennen, dass er es vermeiden bzw. lösen kann, bevor es die gesamte Formation in Schwierigkeiten bringt.

Super Swooper

Der häufigste Grund für das "Low"-Gehen in einer Formation liegt in der Übereile, die Formation so schnell wie möglich erreichen zu wollen. Man schätzt seine Annäherungsgeschwindigkeit falsch ein, bremst nicht rechtzeitig ab und landet weit jenseits der Formation. Es ist wirklich sehr einfach, dieses Problem zu vermeiden: Niemals mit überstürzter Eile versuchen eine Formation zu erreichen. Auch bei allen anderen Skydiving-Aktivitäten ist überstürzte Eile die sicherste und effektivste Art, Fehler zu produzieren. Lediglich denken, du könntest spät sein, ist bereits der erste Schritt, unter der Formation zu landen.

Als nächstes bereite dich für eine erfolgreiche Aktion in diesem Sprung vor, indem du dich für deinen Slot richtig anziehst, mit oder ohne Blei, welche Kombi... Ein Blick auf die Formation, an die du andocken sollst, wird dir eine Vorstellung von der Fallrate geben, die du zu erwarten hast. Bestimmte Figuren fallen langsamer oder mit weniger gleichbleibender Geschwindigkeit als andere. Zum Beispiel Loops, große Sterne und offene Halbbögen lassen viel Luft durch die Formation und ermöglichen eine konstante Fallrate. Wenn durch die selbe Figur eine Welle geht, wird sich die Fallrate verringern, weil die Leute ausgestreckt werden. Figuren, in denen Springer nicht mit dem Gesicht zum Zentrum liegen, tendieren zum langsameren Fallen, wenn sie gebildet werden. Figuren mit compressed accordians oder kleinen Sternen im Zentrum fallen auch viel langsamer. Du solltest diese Dinge schon während des Briefings bedenken, um schon dann eine Vorstellung davon zu bekommen, was du in der Luft zu erwarten hast.
Je nach Erfahrung entscheidest du dich vielleicht, dich stufenweise der Formation zu nähern. Track und Abbremsen etappenweise, während du dich der Formation näherst, wird dir helfen, nicht vorbei zu sausen und die Fallrate der Formation richtig einzuschätzen. Hast du den Eindruck, dass die Formation dir entgegenkommt, solltest du vermutlich sofort bremsen.
Noch etwas: Du solltest deine Grenzen kennen. Wenn du 1,65 m groß bist und 90 kg wiegst, solltest du möglichst nicht als letzter die Maschine verlassen, um eine 200er Formation anzufliegen.

Sauberer Exit

Springer können sowohla als Diver als auch als Floater bereits unmittelbar nach dem Esit "Low" gehen. Dies geschieht häufig, wenn man keinen guten Exit hatte - wenn man unkontrolliert fällt oder den relativen Wind in einer schlechten Position trifft. Man kann auch "Low" gehen, wenn eine gelikte Basis auf dem Propwind floatet. Als früher Diver oder Floater findest du dich dann leicht unter der Formation wieder. Du kannst bereits unmittelbar nach dem Verlassen des Flugzeugs die anzeichen dafür erkennen, dass du dabei bist "Low" zu gehen: siehst du die Container auf dem Rücken der Springer, befindest du dich oberhalb der Basis; siehst du die Brustgurte bist du "Low"! Denke daran,, dass der relative Wind beim Exit nicht von unten kommt. Denke daran, dass du bereits auf der Rutsche - wenn der relative Wind noch von vorn kommt, den Level der Formation halten musst. Unmittelbar nach dem Exit musst du die Formation von oben oder von der Seite sehen. Ist dies nicht so, musst ud sofort agieren. Wartest du, bis der relative Wind von unten kommt, kann es für eine effektive Korrektur zu spät sein.
Was ist in diesem Fall zu tun? Mache dich groß und einen Buckel. Indessen wird dich eine gute Exittechnik davor bewahren, in eine solche Situation zu kommen. Dazu gehört, dass du eine Seitentür in Richtung Tragflächenspitze verläßt; denn von dort kommt der Wind. Noch im Flugzeug befindlichen Diver sehen die Formation manchmal tief unten und hinter dem Heck des Flugzeugs, deshalb diven sie in Richtung der hinteren, rückwärtigen Türkante. Um danach einen Vorwärtsüberschlag zu vermeiden, strecken sie die Arme nach vorn aus und nehmen die Fersen auf's Gesäß. Eigentlich ist das im Freifall die Körperhaltung fürs Rückwärtsfliegen. Warum solltest du unmittelbar beim Exit rückwärts fliegen wollen? Du hältst diese Körperhaltung  beim Diven vermutlich für erforderlich, weil du mit dem Oberkörper unter den Propwind divest, ausgestreckte Beine würden vom Propwind über den Kopf geblasen, und du kämest sehr stel oder würdest dich gar überschlagen. Ein Dive in Richtung Tragflächenspitze ermöglicht dem Propwind, dich zurück Richtung Formation zu blasen und dich gleichzeitig in einen guten Winkel Richtung Formation zu bringen. Nach dem selben Prinzip nutzen die Floater den Propwind beim Exit, um dorthin zu gelangen, wo sie sein sollen. Schon vor dem Loslassen können Floater ihre Beine neutral halten oder ganz nach aussen in den relativen Wind strecken, abhängig davon, wohin sie sollen. Noch einmal: siehst du Brustgurte, bist du tief - siehst du "Rucksäcke", bist du zu hoch. Manche meinen, der Exit sei nicht das Wichtigste, indessen kann der Exit das Tempo des gesamten Sprungs bestimmen. Konzentriere dich darauf, was du tun musst, um in die Position zu kommen, die es dir ermöglicht, die Tür in der gewünschten Richtung zu verlassen. Der Knackpunkt ist: du muss den Sprung schon vor dem Exit beginnen!

Level halten

Unmittelbar vor dem Andocken oder schon angedockt kann man einfach wegsacken. Auch dafür gibt es einfache Abhilfe: Lasse das Zentrum nie aus dem Blick. Halte ständig Blickkontakt mit deinem Gegenüber. Fleige deinen Körper, indem du ständig daran arbeitest, mit der Formation Level zu halten. Das wird dir helfen, Dinge zu erkennen, wie sie sich entwickeln und zu reagieren, bevor daraus ein Problem wird. Greife niemals nach oben, wenn du am Wegsacken bist. Sobald du merkst, dass du zu schnell sinkst, drücke Ellbogen und Knie gegen die Luft nach unten und mache einen Buckel. Nur sich breit machen und groß werden ist nicht genug. Vergewissere dich, dass du kein Holkreuz mehr machst. Du musst wirklich kräftig gegen die Luft nach unten drücken.Versuche niemals dich zu retten, indem du nach der Formation greifst; so wirst du nur noch schneller fallen und dein Problem vergrößern.

Eine andere Ursache fürs "Low"-Gehen kann darin liegen, wenn du in die Turbulenzen  über einem anderen Springer gerätst, oder durch eine Kollision. Dies ist schwierig zu meistern, wenn es passiert, deshalb solltest du es vermeiden, indem du alle um dich herum im Blickfeld behältst und auf einer geraden Linie in deinem Anflugsektor deinen Slot anfliegst. Sobald du Turbulenzen von einem anderen Springer spürst, nimm sofort die eben beschriebene Floaterhaltung ein. Wenn du genau auf Level deinen Slot anfliegst, ist es für einen anderen schwerer dich "abzuschießen", als wenn du von oben kommst.

Zurück auf Level kommen

Was tust du, wenn du unter der Formation bist? Erstens verhindere absolut, dass du die Formation unterfliegst; du würdest einzelne Springer und damit die ganze Formation in erhebliche Schwierigkeiten bringen.
Zweitens verhindere noch tiefer zu gehen. Blicke nicht hinauf zur Formation; das vergeudet wertvolle Zeit, die du benötigst, um wieder hinauf zu gelangen. Sobald du das schnelle Sinken gestoppt hast, ist es höchste Zeit, wieder hinauf zu kommen. Denke an eine umgedrehte Schüssel oder Halbkugel. Dieser Form muss deine Körperhaltung entsprechen, wenn du Luft fangen und zur Formation hinauf gelangen willst. Diese Form erreichst du, indem du einen Buckel machst und Ellbogen und Knie tief nimmst - alle auf einer Ebene. Sind nur die Knie tief, wirst du rückwärts fliegen. Sind nur die Ellbogen tief, fliegst du vorwärts. Drücke die Luft runter. Je stärker du drückst, desto mehr Wirkung erreichst du. Nimm den Hintern hoch, das Kinn auf die Brust, damit du kein Hohlkreuz mehr machst. Mache eine 90°-Drehung weg von der Formation, so dass du sie sehen kannst, ohne den Kopf in den Nacken nehmen zu müssen. Du kannst nun zu rFormation blicken, indem du den Kopf seitwärts drehst. Dabei gibst du die Form der umgedrehten Schüssel nicht auf.
Der Schlüssel für den ERfolg liegt darin, sehr schnell zu erfassen, dass man "Low" geht; nur dann kann man sofort reagieren. Dieses sofortige Reagieren ist für eine erfolgreiche Aktion absolut notwendig. Du kannst dies üben mit einem Freund in einer 2-er Formation. Dabei ist Video sehr hilfreich. Nach etwas Training und praktischer Erfahrung wirst du überrascht sein, wie schnell du wieder hinaufgelangen kannst. Übe nicht nur und erst dann , wenn du in einer Formation "Low" gehst. Du solltest diese Fähigkeiten üben und verbessern, bevor du Formationen durch "Low"-gehen in Schwierigkeiten bringst.


Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at

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