Unfallberichte aus USPA Parachutist Oktober/November 2001
Alter: 22, weiblich
Sprunganzahl: 50-60
Todesursache: Hauptschirm und Reserve verwickelt
System: Nicht bekannt
Hauptschirm: Nicht bekannt
Reserve: Nicht bekannt
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nicht bekannt
Unfallhergang:
Diese Springerin wurde während und nach der Separation nicht mehr gesehen. Sie
wurde in einem Waldstück gefunden, beide Schirme waren aus dem Container,
keiner war jedoch flugfähig. Das AAD hatte die Reserve aktiviert als sie
den Hauptschirm zog. Dieser war mit der Reserve verwickelt.
Zusammenfassung:
Basierend auf dem nicht kompletten Bericht, welcher an USPA gesandt wurde,
erscheint es, als hätte diese Springerin ihren Hauptfallschirm in niedriger
Höhe geöffnet. Der Reservefallschirm wurde durch das AAD aktiviert, was zu
einer Verwicklung der beiden Fallschirme führte. Die Springerin trennte ab, die
beiden Schirme blieben allerdings weiterhin verwickelt.
Alter: 59, männlich
Sprunganzahl: 1200+
Todesursache: Fehlöffnung der Reserve durch unstabile Öffnung
System: Relative Workshop Wonderhog
Hauptschirm: Nicht bekannt, wahrscheinlich Strato Cloud
Reserve: Strong 26-foot LoPo
AAD: keines
RSL: nicht bekannt
Unfallhergang:
Dieser Springer machte einen stabilen Solo-Exit und öffnete seinen Hauptschirm.
Dieser öffnete sehr hart und begann sich zu sofort drehen. Der Springer trennte
in ungefähr 600 Metern ab und öffnete die Reserve während er sich weiter
drehte. Die Reserve hatte einen Fangleinenüberwurf und Linetwists, welche der
Springer vor Bodenkontakt nicht lösen konnte.
Zusammenfassung:
Eine stabile Freifallposition hilft um Fehlöffnungen zu vermeiden. Trotzdem ist
es wichtiger die Reserve in einer ausreichenden Höhe zu aktivieren. Die
Ausrüstung war zwar alt, aber in gutem Zustand. Eine ram-air Reserve hätte
möglicherweise die Chancen für eine erfolgreiche Öffnung des
Reservefallschirms erhöht.
Alter: 37, männlich
Sprunganzahl: 2600+
Todesursache: Kamera-Schirm-Verwicklung
System: Nicht bekannt
Hauptschirm: Nicht bekannt
Reserve: Nicht bekannt
AAD: Nicht bekannt
RSL: Nicht bekannt
Unfallhergang:
Dieser sehr erfahrene Springer filmte ein Tandem. Nachdem das Tandem geöffnet
hatte, öffnete der Springer seinen Hauptschirm. Die Leinen verwickelten
sich mit einem Teil seines Kamerahelms. Der Springer trennte den Hauptschirm ab,
dieser blieb mit dem Kamerahelm verwickelt und aktivierte seinen
Reservefallschirm. Der Reserveschirm verwickelte sich mit dem Hauptschirm.
Zusammenfassung:
Das ist der dritte Todesfall durch eine Kamera-Schirm-Verwicklung. Springer, die
mit Kameraausrüstung und anderen Dingen springen, die Verwicklungen hervorrufen
können, müssen sich über die Gefahren im Klaren sein. Jeder Springer muss auf
die Probleme, die durch neue Ausrüstung entstehen können, vorbereitet sein.
Kameramänner sollten auch die Vorteile eines Quick-Release-Systems an ihrem
Kamerahelm bei einer Verwicklung bedenken. Springer mit Kameras oder anderen
Accessoires sollten hoch genug öffnen um mehr Zeit für die Lösung von
eventuell auftretenden Störungen zu haben.
Auch das Höhenbewusstsein ist kritisch bei solchen Problemen und die
Notfallverfahren müssen in ausreichender Höhe abgeschlossen sein, um eine
problemlose Öffnung des Reserveschirms zu gewährleisten. Den Hauptschirm
abzutrennen, wenn er mit einem Teil der Ausrüstung verbunden ist, garantiert
nicht, dass sich der Hauptschirm von selbst löst und die Reserve sich ohne
Probleme öffnen kann. Möglicherweise ist es nötig, den Helm zu lösen oder zu
entfernen.
Alter: 39, männlich
Sprunganzahl: 600 in 4 Jahren
Todesursache: Harte Landung nach Drehung in niedriger Höhe
System: Nicht bekannt
Hauptschirm: Nicht bekannt
Reserve: Nicht bekannt
AAD: Nicht bekannt
RSL: Nicht bekannt
Unfallhergang:
Nach einem normalen Freifall und Schirmfahrt lenkte der Springer seinen Schirm
in eine radikale Kurve in den Endanflug. Während der Drehung schlug er auf dem
Boden auf und prallte dann gegen ein parkendes Flugzeug. Er starb einige Stunden
später an seinen inneren Verletzungen.
Zusammenfassung:
Der Report besagt, dass diese Landung als high-performance-Landung gedacht war,
bei der in niedriger Höhe eine Kurve eingeleitet wird um Geschwindigkeit
aufzunehmen. Springer, die high-performance-Landungen machen wollen, müssen
ausreichendes Training für die Schirmfahrt mit high-performance-Kappen
bekommen. Diese Art von Landungen endet oft tödlich, wenn der kleinste Fehler
gemacht wird oder wenn unvorhersehbare Dinge während dem Swoop passieren
(Steuerleine gerissen/verloren, Turbulenzen, ...).
Jeder Springer sollte kompetente Auskunft über die Schirmfahrt und Landung mit
seiner Kappe einholen, bevor er sie springt (egal welcher Typ oder Grösse). Das
gilt besonders für kleine, schnelle Kappen und jene Springer, die an
high-performance-Landungen interessiert sind.
Bei jedem Sprung muss der Schirm gerade und gleichmässig fliegen bevor der
Boden erreicht wird.
Alter: 52, männlich
Sprunganzahl: 39 in 6 Monaten
Todesursache: Harte Landung nach Drehung in niedriger Höhe um einer
Hochspannungsleitung auszuweichen
System: Altico Dolphin
Hauptschirm: Aerodyne Research Triathlon 190
Reserve: PISA Tempo 170
AAD: Airtec Cypres
RSL: Ja
Unfallhergang:
Nach einem normalen Freifall und Schirmfahrt näherte sich dieser Springer
einer Hochspannungsleitung. Um dieser auszuweichen machte er eine 180°Drehung
in Höhe der Leitung. Der Springer und der Schirm berührten den Boden zur
selben Zeit. Der Springer erlag wenige Stunden später seinen inneren
Verletzungen.
Zusammenfassung:
Es war ein unerfahrener Springer, der seinen 19.Sprung machte. Der
wing-load auf dieser Kappe war ungefähr 1,1:1. Aus diesem Bericht geht nicht
hervor ob die Landung auf dem Flugplatz stattfand oder ob es eine Aussenlandung
war, wie viele Sprünge der Mann an diesem Tag schon gemacht hatte oder ob er
mit der Umgebung vertraut war.
Falsche Prozeduren, um Hindernissen auszuweichen, kosten jedes Jahr einigen
Springern das Leben. Springer müssen die Umgebung kennen in der sie Springen
und sollten einen Plan im Falle einer Aussenlandung haben. Das USPA Integrated
Student Program (zu finden im Skydivers Information Manual, Anm. der Red.)
bringt Schülern das Konzept von Anflügen und abgebrochenen Drehungen schon am
Anfang ihrer Springerkarriere näher. Das Ziel ist es, flache Drehungen in
diesen Situationen zu trainieren, um tödliche Unfälle zu vermeiden.
Alle Springer sollten ihren Schirm kontrollieren können.
Alter: 32, männlich
Sprunganzahl: 450
Todesursache: Harte Landung unter Hauptschirm-Störung
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Performance Designs Stiletto 150
Reserve: Performance Designs PD 160R
AAD: Airtec Cypres
RSL: Nein
Unfallhergang:
Bei diesem Freeflysprung hielt der Springer einen Tube mit den Händen fest.
Er zog seinen Hauptschirm in ungefähr 800m mit der rechten Hand, während er
den Tube in der Linken hielt. Der Hauptschirm und der Tube verwickelten sich und
das führte zu einer schnellen Drehung. In ungefähr 100m aktivierte der
Springer seinen Reservefallschirm ohne den Hauptschirm vorher abzutrennen. Die
Reserve konnte sich nicht ganz entfalten und war möglicherweise auch mit dem
Tube verwickelt. Die Drehung stoppte zu diesem Zeitpunkt. Dem Bericht nach
schlug der Springer zu diesem Zeitpunkt ein.
Zusammenfassung:
Dem Video zufolge, welches der Springer mit seiner Helmkamera mitdrehte, war
die Verwicklung ausschliesslich zwischen dem Hauptschirm und dem Tube. Der
Springer liess den Tube los, trennte den Hauptschirm aber nicht ab, bevor er
seine Reserve zog.
Obwohl die Hauptschirmöffnung hoch genug war, um jede Notfallsituation zu
erkennen und zu beheben, wurden die falschen Handlungen gesetzt, da der Springer
die meiste Zeit unter seinem schnell drehenden Hauptschirm vergeudete.
Jeder Springer soll darauf vorbereitet sein seine Notfallverfahren bei jedem
Sprung jederzeit durchführen zu können. Diese Notfallverfahren in regelmässigen Abständen zu üben ist notwendig, um die richtigen Entscheidungen
treffen zu können. Die richtige Reaktion in diesem Fall wäre gewesen, den Tube
sofort los zu lassen, den Hauptschirm abzutrennen und die Reserve zu öffnen.
Alter: 30, männlich
Sprunganzahl: 70 in 2 Jahren
Todesursache: Harte Landung nach niedriger Drehung
System: Nicht bekannt
Hauptschirm: Stiletto 120
Reserve: Nicht bekannt
AAD: Nicht bekannt
RSL: Nicht bekannt
Unfallhergang:
Der 2-way Freifall und die Hauptschirmöffnung waren normal. Der Absetzpunkt
war etwas weit von der Landefläche entfernt und der Springer überflog einige
grosse Ausweichflächen. Er initiierte eine Drehung in niedriger Höhe um gegen
den Wind landen zu können. Er erreichte einen kleinen Landeplatz auf einem
Hügel. Der Springer schlug während der Drehung auf der Seite des Hügels auf.
Er wurde ins Spital geflogen, verstarb allerdings auf dem Weg dorthin.
Zusammenfassung:
Der andere Springer flog seinen Schirm neben seinem Kollegen und versuchte
auf eine grosse Ausweichfläche zu gelangen. Der Springer, der starb, flog
seinen Schirm weiter Richtung Sprungplatz über einige grosse Landeflächen bis
er keinen Ausweg mehr hatte.
Der Springer wog ungefähr 64kg ohne Ausrüstung. Der Hersteller des Fallschirm
schlägt vor, dass ein Springer dieses Gewichts ein "Profi"
sein sollte, um einen Schirm dieser Grösse zu springen. Während der Schirm unter
kontrollierten Bedingungen leicht zu fliegen gewesen sein mag, hatte der
Springer möglicherweise Schwierigkeiten, den Schirm bei anspruchsvollen
Bedingungen zu landen, was einen tödlichen Ausgang des Sprungs zur Folge hatte.
Fallschirmspringer müssen sich über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen
betreffend Ausrüstung im Klaren sein. Ratschläge sollten zum Beispiel vom USPA
Safety & Training Advisor des Sprungplatzes eingeholt werden. Das grosse
Angebot an Ausrüstung kann für Leute, die gerade erst mit dem Sport begonnen
haben verwirrend sein. Erfahrene Springer sollten den Anfängern daher etwas
über die Schulter schauen und ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu
treffen.
Alter: 41, weiblich
Sprunganzahl: 2500+
Todesursache: Harte Landung am Hauptfallschirm
System: Sun Path Javelin
Hauptschirm: Icarus Crossfire 89
Reserve: Performance Designs PD 113R
AAD: Nicht bekannt
RSL: Nein
Unfallhergang:
Diese Springerin war Teilnehmerin an einem Pond Swooping Wettbewerb. Sie
leitete eine Frontriser-Drehung zum Endanflug Richtung Pond ein. Als der Schirm
wieder in Vorwärtsfahrt überging, kollabierte er auf der linken Seite, was zu
einer schnellen Höhenabnahme führte. Sie schlug auf und rollte in den Pond.
Zusammenfassung:
Der Endanflug war parallel zu einer Baumreihe und der Wind kam über die
Bäume zur Landefläche. Durch die Bäume bildeten sich Turbulenzen, die den
Fallschirm beeinflussten. Die Drehung war richtig eingeleitet um, unter normalen
Bedingungen genügend Zeit zu haben, wieder geradeaus zu fliegen. Durch die
plötzliche Höhenabnahme durch die Turbulenzen fehlte die Höhe und die
Springerin hatte eine harte Landung. Die Springerin brach sich einige Knochen
und hatte ein Hirntrauma. Sie trug keinen Helm, der den Ausgang der Landung
eventuell beeinflusst hätte.