Boogiebericht Bozen November
Hallo Skydiver und Skyweiber
Alle Jahre wieder, wenn in den meisten Sprungplätzen schon der Nebel und Frost schon allein den Gedanken an Freifall im Keim erstickt, findet in Bozen das nun schon traditionelle Pink Boogie statt.
Und wie auch alle Jahre wieder, gibt’s immer wieder Überraschungen seitens des neuen Flughafens in Bozen.
Zur Sache:
Das Boogie war ordnungsgemäß angemeldet und genehmigt worden mit dem Hinweis,
dass man uns am Sprungplatz eine Polizeistreife abkommandiert, wegen der seit 11.September verschärften Sicherheitsauflagen. Dies schien 2 Wochen vor dem Boogie recht vernünftig, obwohl man den Sinn und Zweck einer solchen Aktion bezweifeln kann.
Am Freitag dem 2.November schwebt um ca. 15.30 die Pink mit Crew ein, lädt das Fahrzeug samt Gepäck aus, ohne weiteren Kontrollen oder Probleme.
Am Samstag früh, bei strahlendem Sonnenschein, dann die Überraschung: Wegen verschärfter Sicherheitsauflagen dürfen wir unseren Sprungplatz nicht betreten. Wir dürfen zwar springen, aber wir dürfen nicht auf den Flugplatz hinein. Nach einer Stunde Verhandlung mit der Zivilen Luftfahrtbehörde, dem Flugplatzbetreiber und der Polizei konnte dann aber doch noch ein Kompromiss gefunden werden. Wir dürfen zu Fuß unser Material auf den Sprungplatz tragen, der Einstieg muss aber aus Sicherheitsgründen am Flughafenterminal stattfinden, sprich
Sicherheitscheck durch die Polizei und Röntgenapparatur (Fallschirmspringer sind ja
als sehr suspekte Personen bekannt, die ja immer massenweise Bomben, Sprengstoff und ähnliches
terroristisches Gerät mit sich herumschleppen). Also ging die erste und die zweite Load in Reih und Glied, voll aufgesattelt ins Flughafengebäude und präsentierte sich dort den erstaunten Sicherheitspolizisten und den Flugpassagieren. Der größte Spaß war allerdings, dass wir ja das Gurtzeug durch den Röntgenapparat schicken mussten, wobei mal jeder die Möglichkeit hatte das Innenleben seines Fallschirmes genauer im gepackten Zustand zu sehen (auch, wie mancher Fallschirm schlecht gepackt war). Am meisten Aufregung sorgte das Cypres, das unter den Röntgenstrahlen feuerrot leuchtete (nicht auszudenken, wie die Sicherheitsorgane reagiert hätten, wenn sie gewusst hätten, dass das Unding nicht nur Sprengstoff, sondern auch noch ein sehr scharfes Messer eingebaut hat.
Den von uns neugierig bestaunten „normalen Fluggästen" wurde der Grund unseres Aufwandes damit erklärt, das Fallschirmspringer sehr misstrauische Leute sind und am wenigsten den Piloten trauen, weshalb wir es vorziehen auf Halbweg aus Sicherheitsgründen das Flugzeug zu verlassen (die meisten Unfälle passieren ja beim Landen).
Nun gut, nachdem die ersten 2 Loads diesen Sicherheitscheck gemacht hatten und somit alle Springer offiziell sich nun auf dem Flugplatz befanden, konnten die Folgeloads nun auf
normalem Weg stattfinden, sprich, Wanderung auf dem Flughafenfeld zur vorgesehenen Einstiegszone an der Grenze zum Zollgebiet. Natürlich unter Aufsicht meiner Person, damit die Springer nicht herrenlos und ungezwungen über das Flugfeld
spazieren (auch so eine lustige Auflage).
Soweit lief das Boogie dann ganz normal mit den sonst üblichen Schikanen weiter. Claudio Caselli organisierte die
Bauchflieger und zauberte so manch wunderschöne Formation in den Himmel, die Kopflastigen und Arschflieger kamen auch in den Genuss der Südtiroler Luft. Das
Ganze ging ganz normal weiter ohne Unfälle oder Cutaways. Nur eine Außenlandung war zu Verbuchen, wobei die beiden Springer, die
in eine Obstwiese gelandet waren, freundlicherweise von einem Bauern wieder auf den Sprungplatz zurückgebracht
wurden.
Am Abend war wieder Freiwein angesagt mit Südtiroler Speck und Brot am traditionellen Lagerfeuer. Auch die uns zur Seite gestellten Polizisten, die ja auf uns aufpassen mussten, gesellten sich dazu. Leider
fiel das Nudelessen aus, da unser Präsi Hansjörg, der ja sonst immer dafür sorgte,
dass die Springer auf den ganzen Wein auch noch was anderes in den Magen bekamen, sich ausgerechnet das Pink Boogie aussuchte, um krank zu werden.
Somit ging das erste Wochenende relativ gut über die Bühne.
Während der Woche versuchten wir dann diese stumpfsinnigen Sicherheitsauflagen zu entschärfen. Ohne Erfolg. Der Oberpolizeiguru von Bozen hatte kein Verständnis für unsere Belange und verordnete, da ja noch immer die
potentielle Gefahr bestand, dass ein Springer, vollbepackt mit Sprengstoff, sich selber oder die Linienmaschine in die Luft sprengt.
Das hieß für das zweite Wochenende die gleiche Prozedur wie am ersten.
Wieder herrschte strahlender Sonnenschein und die Springer trudelten so langsam wieder am Flugplatz ein, parkten
ihr Fahrzeug und schleppten ihr Gepäck wieder bis in die Sprungzone, Check-in der ersten Load im Flughafengebäude (das Röntgengerät mutierte schon fast zum Knüller und Spaßobjekt für die Springer). Somit lief der Sprungtag ganz normal ab bis zu Load 7. Philip, der Pilot, meldete per Funk, dass es mit der zivilen Luftfahrbehörde Probleme wegen des Fliegers gebe. Also rauf ins Büro der Behörde. Was hier dann ablief, brachte selbst die abgebrühtesten Behördenkenner zur Verzweiflung. Dort befand sich eine Person, die sich als Luftfahrtinspektor ausgab, der eine Routinekontrolle durchführte. Da in einem italienischen Springerzentrum ein Fallschirmspringer zu Tode gekommen war, sei er angewiesen worden hier nach dem rechten zu sehen, sprich zu kontrollieren, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Nachdem er ca. eine Stunde lang alle Papiere gesichtet hatte, verfügte er
folgendes: Da das Verschlusssystem der Hecktür der Skyvan nicht dem entsprach was im Manual der Skyvan eingetragen war, dürfen wir nur mehr bei offener Tür fliegen, die Springer müssen einzeln das Flugzeug verlassen, wir dürfen keine Passagiere
mitnehmen und es muss ein Lordmaster an Bord sein, mit Schirm, der für die Exits zuständig ist, aber an Bord bleiben muss. Außerdem müssen beim
Einsteigen die Treibwerke abgestellt sein. Sollte festgestellt werden, dass man sich nicht an diese Auflagen hält, würde der Flieger beschlagnahmt und der Pilot verliert seine Lizenz. Man kann sich vorstellen wie Philip zumute war.
An diesem Abend flogen wir dann nur mehr eine Load, da bei offener Tür fliegen von den meisten nicht sehr beliebt war.
Man widmete sich ab dem Moment dem Freiwein und liess den Abend bei Helene mit den allseitsbekannten Präsinudeln in den üblichen Varianten (superscharf und ein bisschen weniger superscharf) ausklingen.
Am nächsten Morgen flogen wir dann noch zwei Loads auf 2500 m, da mittlerweile auch das Wetter ein
Einsehen hatte und eine dicke Wolkenschicht den Himmel verdeckte. Gegen Mittag wurde dann der restliche Wein angezapft und ausgetrunken und die meisten Springer machten sich auf den Heimweg. Auch die
Pink entfloh Richtung Zell.
Somit endete das Boogie mit der Erkenntnis, dass es immer wieder neue Möglichkeiten gibt, sich zu wundern, was sich so eine Behörde alles einfallen lässt, um uns Springern das Handwerk zu legen und uns so zu schikanieren, dass einem zwangsweise die Lust am
Organisieren vergeht.
Fazit:
Trotz aller Schikanen Behördlicherseits und der langen Wanderwege (beim nächsten Boogie werden wir Wanderabzeichen vergeben) ist jeder zum Springen gekommen, keiner hat sich verletzt (abgesehen vom Brummschädel zwecks übermäßigen Weingenusses) und es mussten nur zwei rote Karten vergeben werden, wegen undisziplinierten Verhaltens am offenen Schirm. Und die langen Wanderwege haben den Springern zumindest gesundheitlich auch nicht geschadet. Zumindest ich selbst habe ca. 30 km zu Fuß in den 4 Tagen zurückgelegt, von denen ich heute noch einen Muskelkater habe.
Auf alle Fälle werden wir wieder im März unser Pink Boogie organisieren, zu dem natürlich alle herzlich eingeladen
sind (der Wein ist schon bestellt) !
Fuzzy
Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at