Tozeur 2001
Zuhause angekommen - eine Menge Dreck im Gepäck. Was soll´s, es räumt mir ja sowieso keiner weg! Der Koffer ist schnell ausgeleert - UPS! da war noch etwas Sand dabei. Ich beginne den Dreck zu beseitigen - dabei versinken meine Gedanken in den Erinnerungen an den Tozeur-Boogie.
Mit großer Neugierde lese ich im Internet die ersten Tagebucheintragungen der Pink-Crew, über die Situation in Tozeur. Die haben´s gut - bei uns schneit´s, und die
fangen bereits die Skybälle ein.
Am 1.Februar treffen wir, von der Vorfreude aufgepeitscht, in der Endresstrasse ein. Die Fahrt im zu kleinen Bus beginnt, Wolf und ich nehmens lustig (wir haben einen Sitzplatz), die 5 mit den Stehplätzen sind etwas ruhiger. Als der Busfahrer in Bratislava auf der 4-spurigen Strasse über die doppelte Sperrlinie wendet, erwacht der Verdacht. "Der was ned wo da Flughafen is!" Endlich, um 13.45 (geplanter Abflug 14.00) hat der Trottel den Weg gefunden und wir hetzen mit einer Menge Gepäck zum "Check in".
Thomas hatte gebeten, uns ordentlich im Flieger zu benehmen. Ich kann nur sagen: "Wir habens versucht!" Aber nachdem Wolf seinen Schlachtruf: "Watch out for the end of the runway! Fly, baby fly!" durch den Flieger brüllt - sind wir auch nicht mehr zu halten. Wie auch immer - unsere Manieren sind schlecht, aber unser Herz ist gut! Nach 16,5 Stunden Anreise bin ich froh in Tozeur zu sein. Wir feiern unsere Ankunft noch in der Bar und kippen dann doch müde ins Bett.
Der erste Sprungtag - strahlend blauer Himmel - die Sonne scheint, trotzdem bin ich froh in letzter Minute meine Thermokombi eingepackt zu haben.
Ich lerne Mike kennen, der wie ich bald merke, ein perfekter LO ist. Unser erster Sprung - wir spielen Skyball - zu meiner Überraschung fange ich das gelbe Ding sogar. Die gut gelaunten Gesichter der anderen Springer verraten, dass es allen genauso viel Spass macht wie mir. Tagsüber wird es richtig warm, und die Sonnencreme wird ausgepackt.
Es folgen die ersten Relativ-Sprünge - ich bin zufrieden, denn mit so vielen Leuten bin ich noch nicht oft gesprungen. Bei einem der ersten Starts tröpfelt Kerosin von der Skyvan-Decke. Der "Jung-Pilot" muß wohl bei der Lufthansa nicht selbst tanken?! Mit mulmigem Gefühl schnalle ich mich an und denke an meinen Emergency-Exit aus der C-206 im August. Seitdem hab ich, zugegebener Weise, "etwas" Flugangst. Die PINK landet sofort sicher, wird von der Feuerwehr gereinigt - und die freuen sich, dass sie endlich was zu tun haben.

Alle steigen wieder ein - also muß ich auch.
Am 2.Tag folgt die erste Außenlandung zur 25km entfernten Filmkulisse von "Star-Wars". Mike, Bine und ich gönnen uns einen "Head-down" in die Wüste. Auf den Packplanen wird bereits gemault. Unsere spröden Hände schmerzen vom vielen Packen. In den Gears befindet sich schon eine Menge Wüstensand. "Besser, Springen und Sand im Gear - als am Strand liegen und den Sand im A....", denke ich bei mir.
Im Hotel - unter der Dusche - denke ich zufrieden an die tollen Sprünge und freu mich auf´s gute Abendessen. Die Anderen genießen ein Bad in den heißen Quellen oder "Hammam" - das tunesische Dampfbad. Am Abend, beim gemütlichen Zusammensein wird ausreichend der gute Rotwein verkostet. Bei guter Laune packt Mike dann die Gitarre aus...
Ein Tandemmaster berichtet am Morgen, er habe von regem, nächtlichem "Gegenverkehr" auf den Hotelgängen gehört. Mimi selbst hat´s aber noch nicht gesehen - da sein Zimmer in einer Sackgasse liegt.
Es folgen die ersten Relativ-Sprünge mit mehr als 12 Springern. Ich bin begeistert - erinnere mich aber an die Tipps meiner Clubkollegen: "Nicht hektisch sein - und achte auf die Anderen am Schirm." Und für alle, die bis jetzt nicht wissen, wie ein Stern zu fliegen ist, ein Tipp von Inga: "Immer in die Mitte fliegen!"
Die letzte Load an diesem Tag geht "übers" Hotel. Im Sunset darf ich mit den Profis - Chute assis - springen. Wirklich geil! Gut gelaunt packen wir am Pool die Schirme und sehen uns beim Bier das Video von Wuzi an. Tolle Bilder!
Fam. Zach ist auch in Tozeur eingetroffen. Ich unterhalte mich mit Robert über die Fliegerei, beobachte dabei Maxi, und denke mir - glückliches "Flughafenkind".
Die nächsten Tage darf ich ab und zu "Copilot" spielen. Dabei vergesse ich immer mehr ans "Abstürzen" zu denken. Die letzte Woche sitze ich sehr relaxed im Flieger und habe das Vertrauen an Mensch und Technik zurückgewonnen.
Bei Gesprächen mit den anderen Springern hör´ ich: "Wir sind mit Organisation und Situation hier sehr zufrieden, die Leute sind freundlich...". Ein Team Deutscher hat für den Boogie eigens "PINK-Tozeur-Leiberl" designed. Da wir nächstes Jahr am Tozeur-Boogie auch diese Leiberl tragen wollen, bitten wir um Vervielfältigung dieser. Die Produktion läuft hoffentlich schon.
Die Höhepunkte habe ich noch vor mir. Der Sprung zur ca. 50km entfernten Oase von Chebika ist angesagt. Mike, Bine, Claus und ich machen einen "Train-Exit" - ein gelungener Sprung. Die "Nomades" - Jeepfahrer erwarten uns bereits mit kühlem Bier, Käse, Oliven,... Während die Sonne untergeht, zeigt sich auf der anderen Seite der Mond, ich spüre das Gefühl von "innerer Zufriedenheit". Wir wandern durch die Oase - ich denke den Anderen geht´s auch gut.
Die Sprungtage sind gut ausgefüllt - ich bin beim Springen gefordert. Mike gibt viele Tipps und ich lerne dadurch schnell dazu.

Den windbedingt sprungfreien Tag nutzen wir für eine 3 stündige Wüstenrally. 16 Fallschirmspringer lassen ordentlich die Sau raus - der kleine Luxenburger Camill bleibt dabei in der Wüste zurück...


Seit ein paar Tagen ist die "MISSION-PINK-TOZEUR" militärisch unterstützt. Einige Fallschirmspringer des tunesischen Militärs sind zur selben Zeit in Tozeur. Es braucht nicht lange, und sie sitzen mit ihren überdimensionalen Schirmen neben uns in der PINK. Begeistert sehen sie sich auch Wuzi´s Freifallvideos an. Was die wohl denken, wenn sie Wolf mit dem "Scooter" aus dem Flieger rollen (springen) sehen? Einer der Mutigen, der Komandant, ist interessiert einen kleineren Schirm zu testen. Für Klaus "NITRO-Schenk" ist es ein Vergnügen, ihm einen 135er ins Gear zu packen. Wir, etwas sensationsgeil, stehen in einer Reihe gefädelt und beobachten die "Komandanten-Landung". Naja - zu hoch geflairt, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Die "Star-Wars-Sprünge" sind beliebt. Und da wir jetzt militärisch unterstütz sind, ist es auch legal, mit der PINK in der Wüste zu landen. Das hat schon was, die PINK über der Sanddüne hereinlanden zu sehen. Wolf versucht mit seinem Board über die Düne zu surfen, während Thomas geschäftstüchtig wird. Er handelt um ein Kamel, da das Vieh aber nach mehreren Versuchen nicht in den Flieger zu bringen ist, muss keine der Fallschirmspringerinnen dort bleiben.
Als letzten Sprung in Tozeur, mach ich meinen 300sten - als Sunset - in die Oase. Der Sprung, ein 8er-Relativ, ist mehr als toll. Am Boden leider, herrscht das Chaos! 3 Verletzte bei einer Load.
Am Abend bin ich von den Ereignissen total geschafft. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, von denen ich mich noch verabschiede. Die Abreise um halb 4 Uhr früh, fällt etwas schwer.
Ich freu´ mich auf Tozeur 2002 - oder um es mit Mimi´s Worten auszudrücken:
"DER BOOGIE KAUN` WOS!"
Pink Skies in Tozeur
Dagmar
Springen aus der Pink Skyvan * Tandemspringen und Fallschirmausbildung * Ballonfahren * Skystunts.com * e-mail an office@pink.at