PLF - die Kunst, zu landen ohne sich zu verletzen,

PLF – die Kunst, zu landen, ohne sich zu verletzen, gerät in Vergessenheit

von Robin Heid, Skydive Magazine Jänner 99
Springer verletzen sich zunehmend bei dem Versuch, eine Landung zu stehen oder auszulaufen, wenn sie eigentlich einfach fallen und ausrollen sollten.

Dies resultiert teilweise aus purem Druck. Heutzutage gilt eine nicht gestandene Landung als schlechte Landung. Das führt dazu, daß viele versuchen, einen Sturz zu vermeiden, anstatt sich darauf vorzubereiten. Wenn sie dann stürzen, wissen sie nicht, wie sie sicher fallen sollen und verletzen sich völlig unnötig.

Ich spreche dabei nicht von den Landungen, bei denen dein Schirm den Boden berührt, bevor du einschlägst. Das ist eine andere Geschichte. Ich spreche davon, eine Landung zu verhauen – nur ein bißchen. Du verschätzt dich, kommst zu nahe zum Rand, der Wind dreht oder du wirst von jemandem geschnitten und kommst zu schnell und zu hart daher um sauber zu landen. Das Wissen, wie du dich in so einer Situation schützt, kann den Unterschied ausmachen, ob du nach dieser Landung weggehst oder weggetragen wirst.

Ein bißchen Geschichte

Als im 2.Weltkrieg die Fallschirmjägertruppen aufgestellt wurden, hatte "stand-up" nichts mit der Landung zu tun. Es bezeichnete, was die Springer hofften, nach einer Fallschirmlandung noch tun zu können – nämlich mit heilen Gliedern aufzustehen.

Eine unsteuerbare Rundkappe zu landen, war eher rauh. Jeder fiel fast immer hin, denn meistens waren diese Landungen wirklich hart. Also wurden die Soldaten trainiert, mit geschlossenen Füßen aufzukommen und dann über eine Schulter abzurollen. Aus dieser "hit and roll" Technik entwickelte sich später die Landerolle – PLF (parachute landing fall). Diese beginnt ebenfalls mit geschlossenen Füßen voran, dann wird aber über Unterschenkel, Oberschenkel und Hüfte und dann erst über die Schulter abgerollt. Beide Techniken haben Gemeinsamkeiten mit vielen Kampfsportarten und Turnerübungen, um Energie zu absorbieren, zu verteilen und umzuleiten.

Die Landerolle wird beim Militär und bei vielen zivilen Ausbildungsunternehmen nach wie vor trainiert. Trotzdem wird seit dem Einsatz von rechteckigen Kappen immer weniger Wert auf das Erlernen und Üben dieser Landetechnik gelegt.

Das rächt sich jetzt. Die Tage der gemütlichen, trägen Riesenkappen sind vorbei. Jetzt fliegen die Kappen schnell und plötzlich führen kleine Fehler in Einschätzung oder Technik (oder beidem) zu katastrophalen Unfällen mit Geschwindigkeiten und Einschlägen, wie wir sie früher nie gesehen haben.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der schweren und oft tödlichen Unfällen unter tragenden Kappen dramatisch angestiegen. Auch die Zahl der leichteren Verletzungen steigt, und diese sind durch das Erlernen des richtigen Fallens am leichtesten zu vermeiden.

Sicherheit zuerst, Würde danach

Es ist ganz wichtig, zu bedenken, daß jeder Landungen verhaut: Anfänger wie Könner, Amateure ebenso wie Profis. Auch wenn sie in letzter Zeit keine Landung mehr verbockt haben, sie werden´s wieder tun. Das passiert jedem. Man muß nicht unbedingt hooken oder es bis zum Äußersten treiben, um Landefehler zu begehen.

Aber ungeachtet der Tatsache, daß auch Skygods sich gelegentlich verschätzen, scheinen viele Springer zu glauben, es sei peinlich, bei der Landung hinzufallen – so verletzen sie sich bei dem Versuch, Würdelosigkeit zu vermeiden.

Für jene jedoch, die das Fallschirmspringen rational angehen, lautet das Landeprinzip Nr.1: Sicherheit zuerst, Würde später. Dazu muß man wissen, wie man sicher fällt, ohne sich zu verletzen, auch wenn es inkompetent oder lächerlich aussehen mag.

Wenn du akzeptiert hast, daß es "politisch korrekt" ist, auf die Schnauze zu fallen, kannst du dich mit der Hauptursache auseinandersetzen, warum sich Leute bei Stürzen unnötig verletzen: die physische Angst vor dem Fall.

Im Zusammenhang mit Fallschirmspringen klingt das komisch, aber viele Springer haben buchstäblich Angst davor, zu fallen, wahrscheinlich weniger, weil es "würdelos" erscheint, sondern weil sie einfach nicht wissen, wie´s geht. Ein anderer Grund ist die Befürchtung, die Kombi zu beschädigen. Das erscheint etwas kurzsichtig, denn wenn du dir bei dem Versuch, eine Landung doch noch zu stehen oder auszulaufen, ein Bein verbiegst, wird die Kombi bei der Erstversorgung wohl ohnehin zerschnitten werden; so gesehen, kaum ein Vorteil.

Fall mit dem Fall

Wie die meisten physischen und mentalen Herausforderungen, funktioniert auch das sichere Fallen besser, wenn du entspannt bist. Die militärische Schulung erreicht dies, indem der Springer darauf trainiert wird, vor der Landung einen Punkt am Horizont zu fixieren oder sogar die Augen zu schließen, da die Erwartung des Aufschlag dazu führen kann, sich im genau falschen Moment zu verkrampfen.

Der zweite Teil des Fallens mit dem Fall bedeutet: versuche nicht, zu stoppen. Laß den Fall sich selbst beenden. Vergiß nicht: es ist nicht der Sturz, der zu Verletzungen führt, sondern das abrupte Ende der Bewegung. Roll weiter, sodaß du langsam zum Stillstand kommst.

Es ist offensichtlich, je entspannter du bist, desto wahrscheinlicher kannst du einen Sturz ausrollen lassen. Dazu gehört auch technisches Können: behalte Arme und Beine gebeugt und nahe beim Körper; streck niemals eine Extremität aus, um den Sturz zu stoppen.

Wo kannst du das üben? Es hilft schon, von Tisch oder Bank im Garten oder im Park zu hupfen, wenn es dir zu peinlich sein sollte, am Sprungplatz zu üben. Trag dabei aber unbedingt ein Springer Leiberl, damit sich keiner wundert, daß du dich komisch aufführst. Mit Schwung von einem Skateboard oder Rollerblades vom Gehsteig ins Gras zu kugeln vermittelt recht gut das Gefühl eines Sturzes bei einer Surf-Landung.

Du kannst auch unterm Schirm üben. Probier Mit-Wind- und Cross-Wind-Landungen bei geringer Windstärke mit der Absicht, dich am Ende fallen und rollen zu lassen. Oder kugel einfach normale Landungen aus. Das geht auch ohne Dreckspuren an Kombi und Gear.

Es geht bei diesen Übungen darum, die Sicherheit und das Selbstvertrauen zu entwickeln, daß du, wenn´s nötig ist, weißt: "Ich tu mir nicht weh und die Kombi bleibt vielleicht auch noch sauber".

Zusammenfassung

Technisch ist es ganz einfach, zu lernen zu stürzen ohne dir wehzutun: entspann dich, schlag ein und rolle, versuch nicht, die Bewegung zu stoppen. Roll einfach über die gepolsterten Körperteile und schütz die knöchernen, bis die Energie verbraucht ist.

Beobachte Football- und Fußballspieler bei ihren Karambolagen und du weißt, was ich meine. Die rollen und flutschen durch ihre Stürze, daß es fast so aussieht, als wären sie nie von den Füßen gekommen. Das liegt daran, daß sie in jeder Situation die Kontrolle über ihren Körper bewahren.

Das ist der Schlüssel. Das Wissen um das richtige Fallen erlaubt dir, auch in wilden Landungen die Kontrolle zu behalten. Das mußt du allerdings üben. Wie jede andere athletische Fähigkeit, muß auch das Fallen trainiert werden, um sicher zu sein, daß du´s kannst, wenn du´s brauchst.

Wenn du das allerdings beherrschst, wird das Fallschirmspringen noch mehr Spaß machen, weil verpatzte Landungen weniger erschreckend und auch weniger schmerzhaft sein werden. Und wenn du dir trotzdem weh tust, dann wenigstens nicht, weil du nicht wußtest, wie man richtig fällt. (Herzlichen Dank Cordula, für die Übersetzung)


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