Drei Rettungen im Doppelpack

Drei Rettungen im Doppelpack

Drogue Chute in Tow

Wie der Firma Airtec erst jetzt bekannt wurde, kam es bereits im September 1997 zu einer CYPRES Aktivierung während eines Tandemsprunges in den USA. Bei einem Sprung aus einer Cessna 206 aus 2500 Metern kam es zu einem Drogue-Chute in tow. Der Tandemmaster zog im Verlaufe des Sprunges beide Releasehandles, ohne daß der Hauptschirm hierdurch zur Öffnung gebracht werden konnte. In etwa 600 Metern Über Grund aktivierte CYPRES den Reservefallschirm. Das Tandempaar landete unverletzt. Die Ursache für die Blockierung des Drogues ist nicht bekannt. Der Tandemmaster hatte zu dem Zeitpunkt über 2500 Sprünge und war aktiver Springer. Er hatte vor der CYPRES Aktivierung keinen Versuch unternommen, den Reserveschirm selbst zu ziehen.

CYPRES war schneller

Im April 1998 kam es zu einem CYPRES Einsatz während eines Tandemsprunges, als es bei einem Sprung aus 4500 Metern Höhe nach der Hauptschirmöffnung zu einer Störung und anschließendem Abwurf der Hauptkappe kam. Die Hauptkappe hatte sich nur einseitig geöffnet und begann schnell zu drehen. Zunächst versuchte der Tandemmaster, die Störung zu beheben. Als dies ohne Erfolg blieb, trennte er die Hauptkappe ab. Anschließend kippte das Tandempaar über die rechte Schulter. Da die RSL nicht aktiviert war, stabilisierte sich der Tandemmaster zunächst, um anschließend die Reserve zu öffnen. Das CYPRES kam ihm zuvor. Die Reserveöffnung und anschließende Landung verliefen ohne Probleme. Der Tandemmaster ist seit 26 Jahren aktiv im Sport und kann 2500 Sprünge aufweisen, davon ca. 450 Tandems.

As time goes by

Im Mai 1998 kam es ebenfalls zu einer TANDEM CYPRES Aktivierung. Mit dem Passagier abgesprochen und so geplant, führte das Tandempaar aus 3000 Metern Höhe einen unstabilen Exit durch. Nach Salto, Faßrolle und Drehungen stabilisierte sich der Tandemmaster. Dabei bemerkte er, daß die Brille des Passagiers hochgeklappt war (der Passagier trug über einer normalen Sehbrille eine etwas größere Sprungbrille). Der Tandemmaster griff kurz nach hinten, um den Drogue zu setzen, und griff dann nach vorn, um die Sprungbrille des Passagiers festzuhalten.

In 1700 Metern winkte der Tandemmaster ab, in 1500 Metern zog er den ersten Droguerelease, was ohne Reaktion blieb. Auch das Ziehen des zweiten Droguerelease führte nicht zur Hauptschirmöffnung. Der Tandemmaster betätigte den Trenngriff für die Hauptkappe und zog dann den Reservegriff. Das Tandempaar landete unverletzt. Am Boden wurde festgestellt, daß der Reserveloop vom CYPRES durchtrennt worden war. Der Drogue-Chute befand sich noch immer in der Tasche. Er war nur etwa 20 Zentimeter weit herausgezogen. Eine Rekonstruktion des Sprunges durch den Tandemmaster ergab Folgendes: Als er den Drogue setzte, vermißte er den gewohnten Ruck. Später, als er beide Releasehandles betätigt hatte, war er zunächst erstaunt, daß nichts geschah. Dabei reagierte er allerdings weder panisch noch hektisch. Er warf die beiden Releasehandles fort und leitetet dann die Notprozeduren ein. Als er direkt nach Reserveöffnung zum ersten Mal wieder auf den Höhenmesser schaute, zeigte dieser 350 Meter an. Über diese niedrige Höhe sei er allerdings überrascht gewesen. Beim schrittweisen Nachvollziehen des Sprungablaufs "fehlten" ihm 400 Meter. "Ich weiß nicht, wo diese Zeit geblieben ist", war das abschließende Resümee. Der Tandemmaster hatte zu dem Zeitpunkt über 1600 Sprünge, davon rund 500 Tandemsprünge.

10 Nichtspringer durch CYPRES gerettet

3000 TANDEM CYPRES weltweit im Einsatz

Im August 1991 verließ der erste CYPRES Öffnungsautomat, speziell für den Einsatz von Tandemfallschirmen produziert, die Fertigungsstätte der Firma Airtec im westfälischen Wünnenberg. Neben den bereits vorhandenen Systemen für "Experts" und "Students" war damit die Angebotspallette an Öffnungsautomaten komplett. Außer erfahrenen Springern und Schülern konnten nun auch Tandemmaster für sich und ihre Passagiere die Sicherungsfunktionen des automatischen Öffnungssystems nutzen, wenn sie es wollten.

Das TANDEM CYPRES war zum Zeitpunkt der Markteinführung der erste Öffnungsautomat weltweit, der überhaupt für den Einsatz zum Tandemspringen konzipiert und getestet worden war. Eine wichtige Lücke im Sicherheitssystem war damit geschlossen.

Neben den menschlichen Tragödien, die jeder tödliche Unfall im Fallschirmsport mit sich bringt, ist auch stets eine erhebliche negative öffentliche Reaktion verbunden und damit eine denkbar schlechte Werbung für den Fallschirmsport. Die negativen Auswirkungen potenzieren sich dramatisch, wenn die zu Schaden gekommenen Personen im eigentlichen Sinne keine aktiven Fallschirmspringer sind. So gesehen stellen seit jeher vor allem Tandemsprünge einen besondere Herausforderung dar. Jeder Tandempassagier muß sich blind auf seinen Tandemmaster verlassen. Es gibt keine realistische Chance, den Ausgang eines Sprunges zu beeinflussen. Damit hat jeder Tandempassagier zumindest ein moralisches Recht, alle technischen Möglichkeiten zu verlangen, die einen Tandemsprung sicherer machen.

Die USA waren das erste Land, das nicht auf Einsicht und Vernunft von Tandemmastern setzte, sondern den Einsatz von Öffnungsautomaten bei Tandemsprüngen gesetzlich festlegte. Die letzte offizielle Erhebung der International Parachuting Commission ergab, daß mittlerweile insgesamt 26 Länder den Einsatz von AAD bei Tandemsprüngen zur Pflicht gemacht haben. Etwa die Hälfte dieser Länder haben sogar den Typ des automatischen Öffnungsautomaten vorgeschrieben: CYPRES.

Bis zum heutigen Tag ist das TANDEM CYPRES das am weitesten verbreitete Öffnungssystem für Fallschirmsprünge mit Passagieren. Anfang Mai 1998 verließ das dreitausendste (!) Exemplar die Fertigung. Mehr als sieben Jahre und 3000 TANDEM CYPRES ergaben bislang eine Summe von 10 Rettungen. 20 Menschen, davon 10 Nichtspringer, verdanken ihr Leben der Funktion eines TANDEM CYPRES.


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